Trotz heftiger Elternproteste: Greven hält an Kita-Schließungen fest

Münster investiert 500.000 Euro in Kitas in Coerde. Geplant sind mehr Personal, kleinere Gruppen und die Wiedereröffnung der Kita Am Edelbach.
Foto: La-Rel Easter auf Unsplash

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Greven. Die Eltern haben protestiert, eine Petition überreicht und zahlreiche Fragen gestellt. Doch die geplanten Kita-Schließungen in Greven sind am Mittwochabend einen entscheidenden Schritt näher gerückt. Trotz erheblicher Kritik haben sich der Jugendhilfeausschuss und der Haupt-, Finanz- und Wirtschaftsausschuss für die Pläne der Stadtverwaltung ausgesprochen. Zwei Kindertagesstätten sollen im Sommer 2027 vollständig schließen, weitere Gruppen wegfallen. Für die betroffenen Familien ist das ein schwerer Rückschlag. Die endgültige Entscheidung trifft allerdings erst der Stadtrat im November.

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Politische Mehrheit trotz emotionaler Debatte

Der Andrang im Grevener Ballenlager machte deutlich, wie sehr die geplanten Schließungen die Familien beschäftigen. Zahlreiche Eltern waren zur gemeinsamen Ausschusssitzung gekommen, um ihre Bedenken persönlich vorzutragen. Zuvor hatten sie Bürgermeister Dietrich Aden eine Petition mit knapp 800 Unterschriften übergeben. Inzwischen unterstützen mehr als 800 Menschen den Aufruf.

Die anschließende Fragerunde verlief teilweise angespannt. Eltern kritisierten insbesondere die aus ihrer Sicht unzureichende Beteiligung und die Unsicherheit über künftige Betreuungsplätze. 

Am politischen Ergebnis änderte der Protest nichts. Der Haupt-, Finanz- und Wirtschaftsausschuss unterstützte den Verwaltungsvorschlag einstimmig. Im Jugendhilfeausschuss gab es bei einer Enthaltung ebenfalls eine deutliche Mehrheit. Den von der Elterninitiative geforderten Aufschub lehnten die politischen Vertreter ab.

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Diese Kitas in Greven sollen schließen

Die geplanten Kita-Schließungen in Greven betreffen insbesondere zwei Einrichtungen. Die Kita Kinderland an der Overmannstraße soll mit ihren sechs Gruppen vollständig aufgegeben werden. Dasselbe gilt für die dreigruppige Outlaw-Kita an der Naendorfstraße. Darüber hinaus sollen beim katholischen Träger insgesamt dreieinhalb Gruppen wegfallen, unter anderem an den Standorten St. Raphael und St. Martinus im Gertrudenstift.

Die Stadt begründet die Neuordnung mit dem anhaltenden Geburtenrückgang. Nach Angaben der Verwaltung müssen insgesamt rund 13 Kita-Gruppen abgebaut werden, um das Betreuungsangebot langfristig an den tatsächlichen Bedarf anzupassen.

Besonders deutlich wurde die Entwicklung durch neue Zahlen aus der Sitzung. Laut Jugendamtsvertreterin Beate Tenhaken werden in Greven seit 2023 jährlich etwa 60 bis 80 Kinder weniger geboren. Zusammen mit rückläufigen Zuzügen könnte die Zahl der Kinder im Betreuungssystem um mehr als 400 zurückgehen.

Die Verwaltung macht deshalb deutlich, dass weitere Anpassungen in den kommenden Jahren nicht ausgeschlossen sind.

Eltern sorgen sich um Geschwister und Betreuungswege

Für die betroffenen Familien geht es nicht allein um den Verlust einer vertrauten Einrichtung. Viele müssen sich darauf einstellen, ihre Kinder künftig in einer anderen Kita betreuen zu lassen. Welche Einrichtung infrage kommt, welche Wege entstehen und ob Geschwister zusammenbleiben können, beschäftigt zahlreiche Eltern.

Die Stadt sichert in ihren veröffentlichten Informationen zu, dass Kinder, die von einer Schließung betroffen sind, einen neuen Betreuungsplatz erhalten. Geschwister, die aufgrund der Schließungen gemeinsam wechseln müssen, sollen auch künftig dieselbe Kita besuchen. Eine generelle Garantie für die gemeinsame Aufnahme von Geschwistern bei allen Neuanmeldungen gibt es dagegen nicht.

Kritik gab es außerdem an der Auswahl der betroffenen Einrichtungen. Eltern verwiesen auf Wartelisten und die hohe Nachfrage an einzelnen Standorten. Die Verwaltung hält dem entgegen, dass neben der Belegung auch die räumliche Verteilung, die Erreichbarkeit anderer Kitas sowie pädagogische und wirtschaftliche Kriterien berücksichtigt werden müssten.

Schließungen könnten zusätzlich Geld kosten

Ein weiterer Konfliktpunkt sind die finanziellen Folgen. Einige Kita-Gebäude wurden mit öffentlichen Fördermitteln errichtet oder ausgebaut. Werden solche Räume vorzeitig nicht mehr entsprechend ihrer Förderbestimmung genutzt, können Rückzahlungen erforderlich werden.

Auch Bürgermeister Dietrich Aden räumte während der Sitzung ein, dass die Stadt durch die Schließung einer Einrichtung möglicherweise zusätzliche Kosten tragen müsse. Wie hoch mögliche Rückforderungen ausfallen, ist bislang offen.

Genau hier setzt die Kritik der Elterninitiative an. Sie verlangt, sämtliche finanziellen Konsequenzen offenzulegen und Alternativen gemeinsam mit allen Kita-Trägern zu prüfen. Die Politik hält dagegen eine zeitnahe Entscheidung für notwendig, damit Familien und Einrichtungen Planungssicherheit für das kommende Kindergartenjahr erhalten.

Stadtrat entscheidet am 4. November endgültig

Obwohl sich beide Ausschüsse für die Schließungen ausgesprochen haben, ist die Entscheidung noch nicht rechtskräftig getroffen. Das letzte Wort hat der Rat der Stadt Greven am 4. November 2026.

Bereits einen Tag später, am 5. November, beginnt das zentrale Anmeldeverfahren für das Kindergartenjahr 2027/28. Eltern können ihre Kinder bis zum 15. Dezember über das Anmeldeportal STEP vormerken lassen. Die betroffenen Einrichtungen sollen zum 31. Juli 2027 schließen.

Damit zeichnet sich in Greven ein tiefgreifender Umbau der Kita-Landschaft ab. Die politischen Mehrheiten stehen, doch die Fragen zahlreicher Familien bleiben. Insbesondere bei der Verteilung der Kinder auf andere Einrichtungen, den Folgen für Beschäftigte und der Zukunft inklusiver Betreuungsangebote besteht weiterhin erheblicher Gesprächsbedarf.

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