
Münster. Die Zuschauerzahlen der 2. Bundesliga gelten als verlässlicher Gradmesser für Strahlkraft, Fanbasis und Attraktivität eines Standorts. Ein Blick in die aktuellen kicker-Tabellen zur Saison 2025/26 scheint dabei eindeutig: Große Namen mit großen Stadien dominieren, kleinere Vereine rangieren weiter unten. Auch Preußen Münster taucht in der klassischen Übersicht erst im hinteren Bereich auf. Doch diese Einordnung erzählt nur einen Teil der Geschichte. Wer genauer hinschaut, kommt zu einem anderen Ergebnis: Münster steht in einer zentralen Kategorie auf Platz drei der Liga.
Die Standard-Zuschauertabelle sortiert nach Zuschauerschnitt pro Heimspiel sowie nach der Gesamtzahl der Besucher. An der Spitze stehen erwartungsgemäß Vereine wie FC Schalke 04 mit durchschnittlich 61.605 Zuschauern oder Hertha BSC mit 48.451. In absoluten Zahlen folgen weitere Traditionsklubs wie Kaiserslautern, Hannover oder Düsseldorf.
Münster kommt in dieser Logik auf einen Schnitt von 10.434 Zuschauern bei neun Heimspielen, insgesamt 93.907 Besucher. Das reicht im Gesamtranking nur für einen der unteren Plätze. Rein zahlenmäßig ist das korrekt – aber es blendet einen entscheidenden Faktor aus: die Stadiongröße.
Das LVM-Preußenstadion bietet deutlich weniger Plätze als die großen Arenen der Liga. Damit ist der Zuschauerschnitt von vornherein begrenzt. Selbst wenn jede Partie nahezu ausverkauft ist, lassen sich derzeit keine 20.000 oder 30.000 Zuschauer pro Spiel erreichen.
Die klassische Tabelle misst also nicht nur Nachfrage, sondern vor allem Kapazität. Wer mehr Plätze hat, kann mehr Zuschauer zählen – unabhängig davon, wie voll es tatsächlich ist.
Genau an diesem Punkt wird die zweite kicker-Tabelle entscheidend. Dort wird nicht nach Masse, sondern nach Auslastung sortiert. Und hier steht Münster mit 99 Prozent ganz oben. Zusätzlich kommen vier ausverkaufte Heimspiele hinzu.
Zum Vergleich:
Hertha BSC: 65 Prozent Auslastung, kein ausverkauftes Heimspiel
FC Nürnberg: 70 Prozent Auslastung
Fortuna Düsseldorf: 81 Prozent Auslastung
Während andernorts regelmäßig tausende Plätze frei bleiben, ist das Stadion in Münster im Schnitt nahezu komplett gefüllt. Die Nachfrage ist konstant hoch – unabhängig vom Gegner.
Ordnet man die Liga konsequent nach Auslastung und nutzt damit eine Perspektive, die Nachfrage und Stadionbindung stärker gewichtet, ergibt sich ein völlig anderes Bild. Münster rückt auf Platz drei der 2. Bundesliga vor.
| Rang | Verein | Auslastung | Zuschauerschnitt | Heimspiele | Ausverkauft |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Schalke | 99 % | 61.605 | 8 | 6 |
| 2 | Darmstadt | 99 % | 17.648 | 9 | 5 |
| 3 | Münster | 99 % | 10.434 | 9 | 4 |
| 4 | Dresden | 98 % | 31.402 | 8 | 3 |
| 5 | Bochum | 98 % | 25.672 | 8 | 4 |
| 6 | Kiel | 98 % | 14.557 | 8 | 3 |
| 7 | Elversberg | 98 % | 9.170 | 8 | 6 |
| 8 | Bielefeld | 97 % | 26.091 | 9 | 5 |
In dieser Darstellung liegt Münster vor zahlreichen Standorten mit deutlich höheren absoluten Zuschauerzahlen. Der Grund ist simpel: Dort gibt es mehr Plätze – in Münster gibt es weniger freie Sitze.
Beide Rankings sind korrekt, beide basieren auf denselben Zahlen. Sie beantworten jedoch unterschiedliche Fragen. Der Zuschauerschnitt sagt, wie viele Menschen kommen können. Die Auslastung zeigt, wie stark ein Stadion tatsächlich nachgefragt ist.
Für Münster bedeutet das: Im klassischen Zuschauer-Ranking wirkt der Verein klein. In der Betrachtung nach Auslastung gehört er zur Ligaspitze. Das ist kein statistischer Trick, sondern eine andere Perspektive auf dieselbe Realität.
Platz drei heißt nicht, dass Münster mehr Fans hat als andere Zweitligisten. Es bedeutet, dass der Standort seine Möglichkeiten nahezu vollständig ausschöpft. Die Nachfrage übersteigt das Angebot regelmäßig. Genau das macht die hohe Auslastung sichtbar.