Bergstraße 9 in Münster: Wie das älteste Fachwerkhaus der Stadt eine neue Zukunft sucht

Das älteste Fachwerkhaus Münsters steht vor einer Entscheidung: Die Stadt sucht Investoren für Bergstraße 9 – mit Sanierungskonzept und öffentlicher Nutzung.
Foto: Stadt Münster https://www.stadt-muenster.de/immobilien/denkmal

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Münster. Seit Jahren steht das Gebäude an der Bergstraße 9 leer. Wo einst die Kneipe „Bit-Pünte“ betrieben wurde, geht es heute um deutlich mehr als eine neue Nutzung. Das älteste erhaltene Fachwerk-Stadthaus Münsters ist zum Prüfstein für Denkmalpflege, Stadtentwicklung und Investoreninteresse geworden. Nun sucht die Stadt aktiv nach einer Lösung – und nach Menschen, die bereit sind, Verantwortung für ein außergewöhnliches Stück Stadtgeschichte zu übernehmen.

Vom Kneipen-Aus zur Abrissdebatte

Bis 2017 war die Bergstraße 9 als Kneipenstandort bekannt. Mit dem Auszug der „Bit-Pünte“ begann jedoch eine Phase der Unsicherheit. Nach einem Eigentümerwechsel wurde der bauliche Zustand des Hauses neu bewertet. Dabei kamen Gutachten zu dem Ergebnis, dass Statik und Substanz stark beeinträchtigt seien. Der damalige Eigentümer hielt einen wirtschaftlichen Erhalt für nicht darstellbar und strebte einen Abriss an.

Diese Einschätzung rief die Denkmalpflege auf den Plan. Sowohl die Stadt Münster als auch der Landschaftsverband Westfalen-Lippe widersprachen der Abrissabsicht. In einem Vergleich vor dem Verwaltungsgericht Münster wurde vereinbart, das Gebäude erneut umfassend zu untersuchen – mit Fokus auf Baugeschichte, Substanzerhalt und Sanierungsmöglichkeiten.

Ein Haus aus dem Jahr 1423

Die vertiefte Untersuchung brachte ein Ergebnis mit Signalwirkung: Das Haus stammt aus dem Jahr 1423 und gilt damit als das älteste erhaltene Fachwerk-Stadthaus in Münster. Nach Einschätzung der Fachgutachter können rund 70 Prozent des historischen Fachwerks erhalten werden, sofern eine denkmalgerechte Sanierung erfolgt.

Damit war klar: Ein Abriss kam nicht mehr in Frage. Um den dauerhaften Erhalt zu sichern, entschied sich die Stadt, das Gebäude selbst zu übernehmen. Zum 1. September 2020 ging die Immobilie in städtisches Eigentum über – mit dem erklärten Ziel, eine tragfähige Zukunftsperspektive zu entwickeln.

Die Stadt sucht Investorinnen und Investoren

Heute steht Bergstraße 9 erneut an einem Wendepunkt. Die Stadt Münster vermarktet das denkmalgeschützte Gebäude im Rahmen eines Konzeptverfahrens und sucht Investorinnen und Investoren, die bereit sind, das Haus umfassend zu sanieren und langfristig zu nutzen.

Vergeben wird das Objekt im Erbbaurecht. Das Grundstück bleibt damit im Eigentum der Stadt, während Nutzung und Entwicklung über einen langfristigen Vertrag geregelt werden. Entscheidend ist nicht allein das finanzielle Angebot, sondern vor allem die Qualität der Konzepte.

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Bewertet werden die eingereichten Bewerbungen nach drei Kriterien: Das Sanierungskonzept und das Nutzungskonzept fließen jeweils zu 40 Prozent in die Bewertung ein, der angebotene Erbbauzins zu 20 Prozent. Die Stadt macht damit deutlich, dass es nicht um einen schnellen Abschluss geht, sondern um eine Lösung, die dem historischen Wert des Hauses gerecht wird.

Öffentliche Nutzung ausdrücklich gewünscht

Ein zentrales Signal der Stadt: Die künftige Nutzung soll der Allgemeinheit zugutekommen. Gesucht werden Konzepte, die das Gebäude nicht ausschließlich privat abschotten, sondern Zugänge für Öffentlichkeit, Kultur, Bildung oder Begegnung ermöglichen. Welche Form das konkret annimmt – etwa Ausstellungsräume, kulturelle Nutzung oder ein anderer öffentlich zugänglicher Ansatz – bleibt den Bewerberinnen und Bewerbern überlassen.

Diese Offenheit erhöht die gestalterischen Möglichkeiten, setzt aber zugleich hohe Anforderungen. Wer sich bewirbt, muss nicht nur ein denkmalgerechtes Sanierungskonzept vorlegen, sondern auch überzeugend darlegen, wie das Haus künftig Teil des städtischen Lebens bleibt.

Frist läuft – Entscheidung rückt näher

Das Konzeptverfahren ist zeitlich klar umrissen. Bewerbungsschluss ist der 9. März 2026. Interessierte erhalten von der Stadt ein ausführliches Exposé, Besichtigungen des Gebäudes sind nach Absprache möglich. Federführend ist das Amt für Immobilienmanagement der Stadt Münster.

Damit rückt eine Entscheidung näher, die über den künftigen Umgang mit einem der ältesten Gebäude der Stadt hinausweist. Die Bergstraße 9 steht exemplarisch für die Frage, wie Münster mit seinem baulichen Erbe umgeht – und wie viel Verantwortung Investoren, Verwaltung und Politik bereit sind zu übernehmen.

Ein Denkmal zwischen Geschichte und Zukunft

Vom Kneipenstandort über die Abrissdebatte bis zur Konzeptvergabe: Kaum ein Gebäude in der Altstadt hat in den vergangenen Jahren eine vergleichbare Entwicklung durchlaufen. Die kommenden Monate werden zeigen, ob sich ein Konzept findet, das wirtschaftliche Tragfähigkeit, Denkmalschutz und öffentliche Nutzung miteinander verbindet.

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