
Der Cyclospora-Ausbruch in den USA hat erstmals zu offiziell erfassten Todesfällen geführt. Die Gesundheitsbehörden des Bundesstaates Michigan bestätigten am Dienstag zwei Todesfälle im Zusammenhang mit der parasitären Darmerkrankung. Beide Betroffenen hatten erhebliche Vorerkrankungen. Nach Auswertung der Krankenakten könnten die Infektion und der damit verbundene Flüssigkeitsverlust ihren Gesundheitszustand zusätzlich verschlechtert haben. Ob Cyclospora jeweils die unmittelbare Todesursache war, geht aus den Behördenangaben nicht hervor.
Michigan meldete mit Stand vom 4. August insgesamt 11.508 Erkrankungsfälle und zwei Todesfälle. Bei mindestens 193 Betroffenen war bis Ende Juli ein Krankenhausaufenthalt angegeben worden. Die Zahlen umfassen alle im Untersuchungszeitraum gemeldeten Fälle und können neben bestätigten Erkrankungen auch Fälle enthalten, deren Laborstatus noch nicht abschließend geklärt ist.
Die US-Gesundheitsbehörde CDC hatte für den Zeitraum vom 1. Mai bis 27. Juli landesweit 6.707 laborbestätigte, innerhalb der USA erworbene Infektionen registriert. 423 Menschen wurden demnach im Krankenhaus behandelt. Zusätzlich wurden mehr als 11.500 weitere Verdachtsfälle untersucht. Viele davon stammten aus Michigan und Ohio.
Die beiden Todesfälle waren in dieser statistischen Übersicht noch nicht enthalten. Das CDC bestätigte anschließend, über die Fälle aus Michigan informiert worden zu sein.
Ein Teil der Erkrankungen gehört zu einem Ausbruch, der auf Eisbergsalat aus Zentralmexiko zurückgeführt wird. Bis zum 24. Juli waren diesem Ausbruch 1.947 bestätigte Infektionen in neun US-Bundesstaaten zugeordnet worden. Mindestens 98 Erkrankte mussten im Krankenhaus behandelt werden.
Viele Betroffene hatten vor ihrer Erkrankung bei Filialen der Schnellrestaurantkette Taco Bell gegessen. Die Untersuchungen führten zu geraspeltem Eisbergsalat des Lieferanten Taylor Farms de Mexico. Das Unternehmen rief Mitte Juli sämtliche betroffenen Eisbergsalate aus Zentralmexiko vom US-Markt zurück. Dazu gehörten abgepackter Salat für Verbraucher sowie Produkte für Restaurants und andere Großkunden.
Eine zunächst als positiv bewertete Lebensmittelprobe erwies sich bei einer erneuten Laborprüfung als falsch positiv. Die epidemiologischen Befragungen und Lieferkettenanalysen sprechen nach Einschätzung der US-Behörden dennoch weiterhin für den Salat als Quelle des Ausbruchs.
Cyclospora cayetanensis ist ein einzelliger Parasit, der den Dünndarm befällt. Die Übertragung erfolgt vor allem über Lebensmittel oder Wasser, die mit menschlichen Fäkalien verunreinigt wurden. Eine direkte Ansteckung von Mensch zu Mensch gilt als unwahrscheinlich. Die ausgeschiedenen Entwicklungsstadien des Parasiten müssen zunächst außerhalb des Körpers reifen, bevor sie infektiös werden.
Die Beschwerden beginnen gewöhnlich ungefähr eine Woche nach der Aufnahme des Erregers. Möglich ist ein Zeitraum von zwei bis 14 Tagen. Das häufigste Symptom ist anhaltender, wässriger Durchfall. Hinzukommen können Bauchkrämpfe, Blähungen, Übelkeit, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Müdigkeit, leichtes Fieber, Gliederschmerzen und Erbrechen.
Ohne Behandlung können die Beschwerden mehrere Wochen anhalten. Typisch sind Verläufe, bei denen sich die Symptome zunächst bessern und anschließend erneut auftreten. Durch starken Durchfall kann es zu einem erheblichen Verlust von Flüssigkeit und Elektrolyten kommen.
Bei gesunden Menschen verläuft eine Cyclospora-Infektion normalerweise nicht lebensbedrohlich. Viele Betroffene erholen sich auch ohne gezielte Therapie. Ein erhöhtes Risiko für langwierige oder schwere Verläufe besteht bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem, schweren Vorerkrankungen oder einem insgesamt schlechten Gesundheitszustand. Auch ältere Menschen können durch Flüssigkeitsmangel und Elektrolytverluste besonders belastet werden.
Als bevorzugte Behandlung gilt eine Kombination aus Trimethoprim und Sulfamethoxazol. Das verschreibungspflichtige Medikament wird meist über sieben bis zehn Tage eingenommen. Bei Menschen mit bestimmten Immunschwächen kann eine längere Behandlung erforderlich sein. Für Personen, die das Mittel nicht vertragen oder allergisch darauf reagieren, gibt es bislang keine ähnlich gut belegte Alternative.
Bei länger anhaltendem Durchfall sollte ärztlicher Rat eingeholt werden. Für die Diagnose muss im Labor gezielt nach Cyclospora gesucht werden, da entsprechende Untersuchungen nicht immer Bestandteil einer gewöhnlichen Stuhluntersuchung sind.
Für Deutschland und andere europäische Staaten gab es bis zum 4. August keine behördlichen Hinweise darauf, dass der in den USA zurückgerufene Eisbergsalat hier verkauft wurde. Nach Angaben der US-Lebensmittelbehörde wurde betroffene Ware außerhalb der Vereinigten Staaten lediglich in Mexiko vertrieben.
Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten bewertete das Risiko einer Weiterverbreitung innerhalb Europas als niedrig. Reisende können sich in den USA durch verunreinigte Lebensmittel infizieren. Eine anschließende direkte Übertragung auf andere Menschen ist jedoch unwahrscheinlich.
Cyclospora-Infektionen kommen in Deutschland nur selten vor und sind nicht bundesweit meldepflichtig. Deshalb gibt es keine fortlaufend veröffentlichte Gesamtzahl. In der Vergangenheit wurden vor allem einzelne reisebedingte Erkrankungen sowie seltene lebensmittelbedingte Häufungen beschrieben. Ein aktueller deutscher Ausbruch im Zusammenhang mit den Ereignissen in den USA war nicht bekannt.
Frühere Cyclospora-Ausbrüche wurden unter anderem mit Blattsalaten, frischen Kräutern, Beeren, Sprossen und anderem roh verzehrtem Obst und Gemüse in Verbindung gebracht. Entscheidend ist nicht die Lebensmittelart allein, sondern eine Verunreinigung während Anbau, Bewässerung, Verarbeitung oder Zubereitung.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt, Obst, Gemüse, Blattsalate und frische Kräuter vor dem Verzehr sorgfältig unter fließendem Trinkwasser zu waschen. Waschen kann die Keimzahl verringern, bietet aber keinen vollständigen Schutz. Bodennah wachsendes Gemüse kann zusätzlich geschält oder erhitzt werden. Schneidebretter, Messer und Arbeitsflächen sollten nach Kontakt mit ungewaschenen Lebensmitteln gereinigt werden.
Besonders empfindliche Menschen sollten vorverpackte, bereits geschnittene Salate möglichst meiden und Salate kurz vor dem Verzehr aus gründlich gewaschenen Zutaten selbst zubereiten. Reisende sollten außerdem nur sicheres Trinkwasser verwenden und bei rohen Lebensmitteln auf hygienische Zubereitung achten.
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