
Die Krebserkrankung von Joe Biden belastet den früheren US-Präsidenten nach Darstellung seines Sohnes Hunter inzwischen erheblich. Im BBC-Format „Newsnight“ sagte Hunter Biden, die Erkrankung seines 83 Jahre alten Vaters habe metastasiert und sich über die bereits bekannten Knochenmetastasen hinaus ausgebreitet. Sie sei sehr schmerzhaft und in vielerlei Hinsicht stark beeinträchtigend. Eine unabhängige medizinische Bestätigung für diese weitere Ausbreitung lag zunächst nicht vor. Ein Sprecher des früheren Präsidenten wollte sich am Samstag nicht zu den Aussagen Hunter Bidens äußern.
Hunter Biden schilderte im BBC-Interview, wie schwer die Erkrankung inzwischen für seinen Vater und dessen Familie sei. Es sei traurig, seinen Vater in dieser Situation zu erleben. Zugleich sagte er, Joe Biden beschwere sich aus seiner Sicht zu wenig über seine Beschwerden. Trotz seiner Erkrankung äußere sich der frühere Präsident weiterhin zu Themen, die ihm wichtig seien.
Die Aussage über eine weitere Metastasierung geht über den zuvor offiziell bekannten Stand hinaus. Seit der Bekanntgabe der Diagnose im Mai 2025 war bestätigt, dass sich der Prostatakrebs bereits auf die Knochen ausgebreitet hatte. Welche weiteren Körperregionen nach Hunters Darstellung inzwischen betroffen sein sollen, sagte er nicht. Auch neue Befunde, Untersuchungsergebnisse oder Angaben der behandelnden Ärzte wurden zunächst nicht veröffentlicht.
Bidens Büro hatte die Erkrankung am 18. Mai 2025 öffentlich gemacht. Vorausgegangen waren Beschwerden beim Wasserlassen. Bei einer Untersuchung war ein Knoten an der Prostata festgestellt worden. Die anschließende Diagnostik ergab Prostatakrebs mit einem Gleason-Score von 9 und Metastasen in den Knochen. Bidens Umfeld bezeichnete die Erkrankung damals als aggressiv, verwies aber zugleich darauf, dass der Tumor hormonsensitiv sei.
Der Gleason-Score beschreibt, wie stark sich Krebszellen im untersuchten Gewebe von gesunden Prostatazellen unterscheiden. Die üblicherweise für Prostatakrebs verwendete Skala reicht bei diagnostiziertem Krebs von 6 bis 10. Ein Wert von 9 gehört zur höchsten Risikogruppe und spricht für einen biologisch aggressiven Tumor. Knochenmetastasen bedeuten zudem, dass die Erkrankung nicht mehr auf die Prostata begrenzt ist. Wie sich eine solche Erkrankung entwickelt, hängt jedoch stark vom einzelnen Patienten, der Ausdehnung der Metastasen und dem Ansprechen auf die Behandlung ab.
Dass Bidens Tumor als hormonsensitiv eingestuft wurde, ist für die Behandlung von Bedeutung. Viele Prostatakrebszellen benötigen männliche Sexualhormone, insbesondere Testosteron, für ihr Wachstum. Eine sogenannte Androgendeprivationstherapie senkt die Wirkung beziehungsweise Produktion dieser Hormone und kann das Tumorwachstum über längere Zeit bremsen.
Im Oktober 2025 bestätigte Bidens Sprecher, dass der frühere Präsident sowohl eine Hormonbehandlung als auch eine Strahlentherapie erhielt. Am 20. Oktober beendete Biden einen Bestrahlungszyklus bei Penn Medicine Radiation Oncology in Philadelphia. Zu diesem Zeitpunkt wurde nicht öffentlich mitgeteilt, ob später weitere Bestrahlungen erforderlich sein würden. Die Hormonbehandlung ist von dieser zeitlich begrenzten Bestrahlungsserie zu unterscheiden und kann bei metastasiertem Prostatakrebs langfristig eingesetzt werden.
Erst wenige Tage vor dem BBC-Interview von Hunter Biden hatte auch Jill Biden öffentlich über die Erkrankung ihres Mannes gesprochen. Sie sagte, Joe Biden komme mit seiner Situation zurecht, machte zugleich aber deutlich, dass die Krankheit dauerhaft Teil seines Lebens bleiben werde. Nach ihren Angaben wird sein Zustand regelmäßig kontrolliert.
Die frühere First Lady sprach zudem über Beschwerden vor der Diagnose. Ihr Mann sei bereits während seiner Zeit im Weißen Haus nachts häufig aufgestanden. Nach dem Ende seiner Präsidentschaft habe sie darauf gedrängt, die anhaltenden Probleme erneut untersuchen zu lassen. Dass die Erkrankung zu diesem Zeitpunkt bereits fortgeschritten war, habe sie überrascht. Aus diesen Äußerungen lässt sich jedoch nicht ableiten, zu welchem Zeitpunkt der Krebs entstanden oder erstmals metastasiert war.
Trotz seiner Krebserkrankung zog sich Biden nicht vollständig aus der Öffentlichkeit zurück. Am 6. März 2026 nahm er in Chicago an der Trauerfeier für den Bürgerrechtler Jesse Jackson teil und hielt dort eine Rede. Im April war er bei der Enthüllung eines Porträts an der Syracuse University zu Gast, an deren juristischer Fakultät er studiert hatte.
Zuletzt nahm Biden am 18. Juni gemeinsam mit seiner Frau Jill an der Einweihung des Obama Presidential Center in Chicago teil. Dort erschienen neben Barack Obama auch die früheren Präsidenten Bill Clinton und George W. Bush. Hunters Aussage, sein Vater äußere sich trotz seiner Erkrankung weiterhin öffentlich, steht damit nicht im Widerspruch zu den dokumentierten Auftritten der vergangenen Monate.
Der bislang offiziell dokumentierte Verlauf reicht von der Diagnose mit Knochenmetastasen im Mai 2025 über den Beginn der Behandlung bis zum Abschluss eines Strahlentherapie-Zyklus im Oktober. Bidens Büro hatte bei Bekanntgabe der Diagnose betont, dass der Tumor trotz seiner aggressiven Eigenschaften hormonsensitiv sei und damit Behandlungsmöglichkeiten bestünden.
Hunters Äußerungen vom August 2026 zeichnen nun ein belastenderes Bild vom Alltag seines Vaters. Gesichert ist durch das Interview seine Darstellung, dass Joe Biden Schmerzen habe und die Erkrankung ihn stark beeinträchtige. Ob neue Untersuchungen tatsächlich eine zusätzliche Ausbreitung über die Knochen hinaus festgestellt haben und welche Organe oder Gewebe gegebenenfalls betroffen sind, war zunächst nicht offiziell bestätigt.
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