
Werner Brombach gestorben: Der langjährige Inhaber der Privatbrauerei Erdinger Weißbräu ist am Samstag, 8. August 2026, im Alter von 86 Jahren nach kurzer Krankheit im Kreis seiner Familie gestorben. Mehr als sechs Jahrzehnte war sein Name eng mit dem Unternehmen aus Erding verbunden. Aus einer regionalen Weißbierbrauerei mit damals rund 40.000 Hektolitern Jahresausstoß entwickelte er eine international bekannte Marke, deren Produkte heute in mehr als 100 Ländern erhältlich sind. Brombach gehörte damit zu den Unternehmern, die den Ruf des bayerischen Weißbiers weit über Deutschland hinaus geprägt haben.
Werner Brombach wurde 1939 in Erding als Sohn des Brauereibesitzers Franz Brombach geboren. Er absolvierte eine Ausbildung beziehungsweise ein Studium mit Abschlüssen als Diplom Braumeister und Diplom Kaufmann und trat 1965 in den Betrieb seines Vaters ein. Franz Brombach hatte die Brauerei 1935 übernommen und ihr 1949 den Namen Erdinger Weißbräu gegeben. Als Werner Brombach in das Unternehmen kam, lag dessen Jahresausstoß bei rund 40.000 Hektolitern. Nach dem Tod seines Vaters übernahm er 1975 die alleinige Verantwortung für die Brauerei.
Unter Brombach wuchs der Betrieb schnell. Bereits 1977 wurden rund 225.000 Hektoliter produziert. Weil die Kapazitäten in der Erdinger Innenstadt nicht mehr ausreichten, investierte das Unternehmen Anfang der 1980er Jahre in einen neuen Brauereistandort am Stadtrand. 1990 überschritt Erdinger erstmals die Marke von einer Million Hektolitern. Ein Jahr später übernahm Brombach außerdem Fischer’s Stiftungsbräu und sicherte damit einen weiteren Teil der Erdinger Brautradition. Seit 2022 verkauft das Unternehmen unter der Marke Erdinger Brauhaus auch untergärige Bierspezialitäten.
Ein wesentlicher Teil von Brombachs Unternehmensstrategie bestand darin, Weißbier nicht mehr ausschließlich als regionales bayerisches Produkt zu vermarkten. Erdinger erschloss systematisch Absatzmärkte außerhalb Bayerns und später außerhalb Deutschlands. Gleichzeitig blieb die Produktion in Erding konzentriert. Die Brauerei vergab keine Produktionslizenzen für andere Standorte. Zuletzt lag der Absatz bei rund 1,5 Millionen Hektolitern im Jahr, die Produkte werden in mehr als 100 Länder exportiert. Rund 500 Menschen arbeiten für das Unternehmen. Der zuletzt konkret veröffentlichte Jahresumsatz belief sich für 2023 auf etwa 184 Millionen Euro.
Zur Markenstrategie gehörten früh Sport und prominente Botschafter. Für Erdinger warben im Laufe der Jahre unter anderem Franz Beckenbauer, Jürgen Klopp, die frühere Biathletin Magdalena Neuner und Triathlet Patrick Lange. Seit Anfang 2026 gehört Thomas Müller zu den Markenbotschaftern. Die Partnerschaften reichten dabei über klassische Werbung hinaus. Erdinger entwickelte insbesondere seine alkoholfreien Produkte gezielt im Umfeld von Ausdauer und Breitensport weiter und baute mit dem Erdinger Active Team eine eigene Sportgemeinschaft auf.
Trotz des internationalen Wachstums hielt Brombach am Standort Erding fest. Die Brauerei produziert ihre Biere weiterhin dort und gehört mit rund 500 Beschäftigten zu den bekannten Arbeitgebern der Region. Seine Bedeutung für die Stadt wurde auch offiziell gewürdigt. Seit 2002 war Brombach Ehrenbürger von Erding, 2012 erhielt er den Ehrenring in Gold des Landkreises. Zu seinen weiteren Auszeichnungen gehörten das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland und der Bayerische Verdienstorden.
Engagement zeigte sich auch außerhalb des eigentlichen Brauereigeschäfts. Erdinger unterstützte über Jahrzehnte Breiten- und Spitzensport, örtliche Veranstaltungen sowie soziale Einrichtungen. Dazu gehörte wiederholt die Unterstützung der Fischer’s Wohltätigkeitsstiftung in Erding. Zugleich war Brombach in der Brauwirtschaft vernetzt. Im Bayerischen Brauerbund gehörte er dem Beirat an. 2023 zeichnete ihn der Verband zudem mit dem Ehrenpreis der Goldenen BierIdee für sein Lebenswerk aus. Eine vergleichbare Spitzenfunktion Brombachs im Deutschen Brauer-Bund ist dagegen nicht dokumentiert.
Walter Berizzi, stellvertretender Vorsitzender des Stiftungsrats der Werner Brombach Familien Stiftung, erinnerte an Eigenschaften, die Brombach über Jahrzehnte geprägt hätten. Er nannte „Heimatverbundenheit, Bodenständigkeit, Pioniergeist und unternehmerischen Weitblick“. Brombach habe sich bis zuletzt um das Unternehmen und die Belange der Mitarbeiter gekümmert. Die Brauerei würdigte ihn als Unternehmer, Förderer und langjährigen Repräsentanten bayerischer Braukultur.
Auch die politische Wertschätzung für Brombach war bereits zu Lebzeiten deutlich geworden. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hatte ihn anlässlich seines 80. Geburtstags als „Weltbürger mit bayerischem Herz“ bezeichnet. Brombach selbst fasste seine Beziehung zum Unternehmen einmal knapp zusammen: „Mein Lebensinhalt ist es, Brauer mit Leib und Seele zu sein.“ Diese Haltung prägte seine Rolle weit über die klassische Funktion eines Eigentümers hinaus.
Die operative Nachfolge hatte Brombach Jahre vor seinem Tod vorbereitet. 2022 gab er den Vorsitz der Geschäftsführung an Stefan Kreisz ab. Kreisz war bereits 2020 in die Geschäftsführung berufen worden und führt das Unternehmen inzwischen als deren Vorsitzender. Im Juli 2026 wurde die Führung zusätzlich um Peter Jonas erweitert, der für Recht, Personal und Organisation verantwortlich ist. Zur Geschäftsführung gehören außerdem weitere langjährige Führungskräfte des Unternehmens.
Den entscheidenden Schritt für die Eigentümerstruktur vollzog Brombach 2025. Mit Wirkung zum 20. Mai übertrug er als damaliger Alleingesellschafter sämtliche Anteile an der Privatbrauerei auf die neu geschaffene Werner Brombach Familien Stiftung. Ziel dieser Konstruktion ist es, die Unabhängigkeit des Unternehmens und seinen Standort langfristig zu sichern. Die Stiftung ist zugleich an die zentralen Unternehmensgrundsätze und Qualitätsvorstellungen gebunden, die Brombach geprägt hatte. Damit hatte er die Eigentumsnachfolge noch zu Lebzeiten geregelt.
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