
Der ORF zeigt am heutigen Mittwoch, 10. Juni 2026, um 20:15 Uhr den Tatort „Die Rache an der Welt“. Der Krimi ist kein neuer Wiener Fall mit Moritz Eisner und Bibi Fellner, sondern ein Göttingen-Tatort des NDR. Im Mittelpunkt stehen Charlotte Lindholm, gespielt von Maria Furtwängler, und Anaïs Schmitz, gespielt von Florence Kasumba. Für Zuschauerinnen und Zuschauer, die beim Titel zunächst an das österreichische Ermittlerduo denken, ist das wichtig: Die Folge gehört zur Göttinger Linie der Reihe und führt in einen Fall, der Kriminalermittlung, gesellschaftliche Vorurteile und die Grenzen polizeilicher Methoden miteinander verbindet.
Die Folge wurde erstmals am 9. Oktober 2022 ausgestrahlt. Sie ist die 1212. Folge der Tatort-Reihe und trägt eine deutliche Handschrift des Göttinger Teams. Regie führte Stefan Krohmer, das Drehbuch stammt von Daniel Nocke. Der Fall ist als klassischer Ermittlerkrimi angelegt, geht aber deutlich über die Frage hinaus, wer für ein Verbrechen verantwortlich ist. Im Zentrum steht auch, wie Ermittlungen durch öffentliche Stimmung, vorschnelle Zuschreibungen und Zeitdruck beeinflusst werden können.
„Die Rache an der Welt“ ist ein Fall für Charlotte Lindholm und Anaïs Schmitz. Maria Furtwängler spielt Lindholm als erfahrene Ermittlerin, die in dieser Folge stark unter Druck gerät. Florence Kasumba ergänzt sie als Anaïs Schmitz, die mit Lindholm zusammen in Göttingen ermittelt. Die Zusammenarbeit der beiden Figuren ist ein wichtiger Teil des Films, weil der Fall nicht nur kriminalistisch, sondern auch moralisch schwierige Fragen aufwirft.
Der Krimi beginnt in einer angespannten Lage. In Göttingen geht die Angst vor einem Serientäter um, der Frauen an abgelegenen Orten auflauert. In den Medien erhält der Mann den Namen „Wikinger“. Als in einem Park an einem See die Studentin Mira tot gefunden wird, müssen Lindholm und Schmitz klären, ob es einen Zusammenhang mit den bisherigen Angriffen gibt. Die Ermittlungen führen schnell in verschiedene soziale Milieus der Stadt und stoßen auf Aussagen, die nicht frei von Vorurteilen sind.
Gerade darin liegt die eigentliche Spannung der Folge. Der Tatort erzählt nicht nur von einer Spurensuche, sondern auch von der Frage, wie verlässlich Zeugenaussagen sind, wenn Angst und Ressentiments eine Rolle spielen. Die Ermittlerinnen müssen abwägen, welche Hinweise tragfähig sind und wo voreilige Schlüsse die Suche nach der Wahrheit gefährden.
Die Handlung dreht sich um den Tod der Studentin Mira. Ihr Fund in einem kleinen Park bringt die Polizei unter erheblichen Zeitdruck. Zunächst steht die Möglichkeit im Raum, dass der bekannte Serientäter seine Vorgehensweise verschärft haben könnte. Gleichzeitig beschreibt ein Augenzeuge den Täter als einen Mann mit migrantischer Herkunft. Diese Aussage wird für die Ermittlungen relevant, ist aber zugleich problematisch, weil ihre Belastbarkeit zweifelhaft bleibt.
Charlotte Lindholm will den Fall schnell voranbringen. Dabei geht es auch um DNA-Spuren vom Tatort. Die Folge greift damit ein Thema auf, das über den einzelnen Kriminalfall hinausweist: Wie weit dürfen Ermittler gehen, wenn der öffentliche Druck steigt und die Spurenlage unsicher ist? Der Film zeigt, dass kriminalistische Technik nicht automatisch zu Klarheit führt, wenn die Deutung der Ergebnisse in ein aufgeheiztes Umfeld gerät.
Im weiteren Verlauf rücken Menschen aus dem Umfeld der Toten in den Blick. Dazu gehören Freunde, Mitbewohner und Personen, die mit Mira verbunden waren. Der Fall bleibt dadurch nicht auf ein einfaches Täterbild reduziert. Stattdessen entwickelt sich ein Geflecht aus Beziehungen, Misstrauen und möglichen Motiven. Der Titel „Die Rache an der Welt“ verweist auf eine Wut, die sich nicht nur gegen ein einzelnes Opfer richtet, sondern als zerstörerische Haltung gegenüber anderen Menschen erscheint.
Neben Maria Furtwängler als Charlotte Lindholm und Florence Kasumba als Anaïs Schmitz ist der Film prominent besetzt. Daniel Donskoy spielt Nick Schmitz, Mala Emde ist als Jelena zu sehen. Sascha Alexander Geršak übernimmt die Rolle des Henry Stropp, Leonard Carow spielt Elmo. Weitere Rollen übernehmen unter anderem Bagher Ahmadi als Ehsan, Eidin Jalali als Munir, Luc Feit als Gerd Liebig und Jonas Minthe als Leo Ciaballa.
Auch Michaela Hanser, Jogi Kaiser, Maureen Havlena, Christos Raptis, Jodie Leslie Ahlborn, Marie Bauer, Till Huster, Castro Dokyi Affum, Mirco Kreibich und Johanna Lüer gehören zur Besetzung. Die breite Figurenanlage ist für die Folge wichtig, weil der Fall nicht nur über eine einzelne Spur erzählt wird. Die Ermittlungen bewegen sich durch verschiedene Gruppen, Beziehungen und Verdachtsmomente.
Auffällig ist außerdem, dass „Die Rache an der Welt“ stark von den beiden Hauptfiguren lebt. Lindholm steht als Ermittlerin im Mittelpunkt, weil sie in diesem Fall Entscheidungen trifft, die berufliche und persönliche Konsequenzen haben können. Schmitz ist dabei nicht nur Begleiterin, sondern ein eigenständiger Gegenpol im Ermittlungsprozess. Dadurch entsteht ein Tatort, der seine Spannung weniger aus Action als aus den Folgen einzelner Entscheidungen entwickelt.
Für das ORF-Programm ist der heutige Tatort eine Wiederholung eines bereits bekannten Falls, aber keine beliebige Krimi-Konserve. „Die Rache an der Welt“ greift Themen auf, die weiterhin aktuell wirken: sexuelle Gewalt, öffentliche Verunsicherung, Vorurteile, Ermittlungsdruck und die Frage nach den Grenzen moderner Polizeiarbeit. Der Krimi ist deshalb nicht nur als Fallgeschichte interessant, sondern auch als gesellschaftlicher Stoff.
Dass der Film am Mittwochabend um 20:15 Uhr läuft, macht ihn zu einem klassischen Primetime-Krimi. Der Tatort bleibt auch außerhalb des Sonntagabends ein verlässlicher Bestandteil des deutschsprachigen Fernsehprogramms. Für ORF-Zuschauerinnen und Zuschauer bietet die Folge zugleich einen Blick auf ein Ermittlerteam, das nicht aus Wien kommt, sondern aus Göttingen. Eisner und Fellner stehen heute also nicht im Mittelpunkt. Stattdessen ermitteln Lindholm und Schmitz in einem Fall, der die gewohnte Tatort-Struktur mit einem konfliktreichen Gegenwartsthema verbindet.
Wer heute Abend einschaltet, bekommt einen Krimi mit klarer Ermittlungsdramaturgie, aber auch mit unbequemen Fragen. „Die Rache an der Welt“ zeigt, wie schnell ein Verbrechen zum Projektionsraum für Ängste werden kann. Gerade deshalb funktioniert die Folge als Vorabendthema für Krimifans, die beim Tatort nicht nur die Auflösung eines Falls erwarten, sondern auch eine Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Spannungen hinter dem Verbrechen. Sendetermin: Mittwoch, 10. Juni 2026, 20:15 Uhr, ORF.
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