Neue Umfrage vor Sachsen-Anhalt-Wahl verändert Mehrheitsrechnung

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Symbolbild mit KI erstellt

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Vier Wochen vor der Landtagswahl sorgt die INSA-Umfrage Sachsen-Anhalt für neue Diskussionen über die künftigen Mehrheitsverhältnisse im Magdeburger Landtag. Nach der Erhebung des Meinungsforschungsinstituts INSA im Auftrag der „Bild“ kommt die AfD auf 42 Prozent, während die CDU von Ministerpräsident und Spitzenkandidat Sven Schulze bei 22 Prozent liegt. Die Linke erreicht 13 Prozent. SPD und BSW liegen mit sechs beziehungsweise fünf Prozent oberhalb der Fünf-Prozent-Hürde, Grüne und FDP mit jeweils vier Prozent darunter. Für die Erhebung wurden nach Angaben von INSA 1.000 Personen zwischen dem 31. Juli und dem 6. August 2026 befragt. Das Institut nennt eine statistische Fehlertoleranz von bis zu 3,1 Prozentpunkten. Die Werte sind damit eine Momentaufnahme und keine Prognose für das Wahlergebnis am 6. September.

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AfD bei 42 Prozent, CDU mit deutlichem Abstand

Die AfD wäre nach den aktuellen INSA-Zahlen deutlich stärkste Kraft. Sie erreicht 42 Prozent. Die CDU folgt mit 22 Prozent, die Linke mit 13 Prozent. Die SPD liegt bei sechs Prozent, das Bündnis Sahra Wagenknecht bei fünf Prozent. Grüne und FDP erreichen jeweils vier Prozent. Die übrigen Parteien kommen zusammen auf vier Prozent. Für Grüne und FDP würde dieses Ergebnis bedeuten, dass sie die reguläre Fünf-Prozent-Hürde verfehlten. Das BSW läge dagegen genau auf der Schwelle zum Einzug in den Landtag.

Der AfD-Landesverband Sachsen-Anhalt wird vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft. Dabei handelt es sich um die behördliche Bewertung des Verfassungsschutzes. Im Wahlkampf tritt die Partei mit Ulrich Siegmund als Spitzenkandidaten an. Für die CDU kandidiert der amtierende Ministerpräsident Sven Schulze, der Ende Januar 2026 die Nachfolge von Reiner Haseloff angetreten hatte. Der Landtag wählte Schulze am 28. Januar mit 58 Stimmen zum Regierungschef.

CDU verliert gegenüber früheren Erhebungen

Im Vergleich mit früheren Umfragen hat sich vor allem der Abstand zwischen AfD und CDU vergrößert. In einer INSA-Erhebung vom 23. Juli hatte die AfD bei 41 Prozent gelegen, die CDU bei 24 Prozent. Die Linke erreichte damals 14 Prozent, SPD fünf Prozent, BSW, Grüne und FDP jeweils vier Prozent. Anfang Juli hatte INSA 41 Prozent für die AfD, 23 Prozent für die CDU, 13 Prozent für die Linke, sechs Prozent für die SPD und fünf Prozent für das BSW gemessen.

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Auch andere Institute zeigten zuletzt einen deutlichen Vorsprung der AfD. Infratest dimap kam in einer Ende Juli veröffentlichten Erhebung im Auftrag von MDR, WDR, Mitteldeutscher Zeitung und Volksstimme auf 41 Prozent für die AfD und 24 Prozent für die CDU. Die Unterschiede zwischen einzelnen Erhebungen zeigen zugleich, weshalb kleinere Veränderungen nicht überinterpretiert werden sollten. Unterschiedliche Erhebungszeiträume, Befragungsmethoden und Gewichtungsverfahren können zu abweichenden Ergebnissen führen.

Über einen längeren Zeitraum fällt die Verschiebung deutlicher aus. Im Juni 2025 hatte INSA die CDU noch bei 34 Prozent und die AfD bei 30 Prozent gesehen. Im Januar 2026 lagen die Werte bei 26 Prozent für die CDU und 39 Prozent für die AfD. Seitdem bewegte sich die AfD in den INSA-Erhebungen überwiegend um die Marke von 40 Prozent, während die CDU schrittweise niedrigere Werte erreichte. Gleichzeitig hat sich die Linke in den jüngsten Befragungen im Bereich von 13 bis 14 Prozent stabilisiert.

Mehrheitsbildung wäre nach der Umfrage schwierig

Aus den aktuellen Zahlen ergibt sich keine einfache Regierungsmehrheit für eines der bisherigen politischen Lager. CDU, Linke und SPD kommen zusammen auf 41 Prozent und damit auf einen geringeren Stimmenanteil als die AfD allein mit 42 Prozent. Das BSW erreicht zusätzlich fünf Prozent. Würden Grüne und FDP tatsächlich an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern, würden ihre Stimmen bei der proportionalen Sitzverteilung grundsätzlich nicht in gleicher Weise berücksichtigt wie die Stimmen der in den Landtag einziehenden Parteien. Eine exakte Sitzverteilung lässt sich aus einer Umfrage dennoch nicht zuverlässig ableiten, unter anderem weil Direktmandate und das tatsächliche Wahlergebnis berücksichtigt werden müssen.

Rein rechnerisch kämen CDU, Linke, SPD und BSW nach den INSA-Werten gemeinsam auf 46 Prozent der abgegebenen Stimmen und hätten unter der Annahme, dass nur diese Parteien und die AfD die Sperrklausel überwinden, einen Anteil von mehr als der Hälfte der für die Sitzverteilung maßgeblichen Stimmen. Politisch ist daraus jedoch keine Koalitionsaussage abzuleiten. Ebenso ergäben AfD und BSW zusammen 47 Prozent. Auch dies ist lediglich eine mathematische Addition und keine Aussage über eine mögliche Regierungsbildung.

Besondere Bedeutung könnte deshalb die Wahl des Ministerpräsidenten im neuen Landtag erhalten. Nach den Regeln in Sachsen-Anhalt benötigt ein Kandidat zunächst die Mehrheit der Mitglieder des Landtags. Kommt diese in zwei Wahlgängen nicht zustande, genügt in einem dritten Wahlgang die Mehrheit der abgegebenen Stimmen. Enthaltungen könnten deshalb bei entsprechenden Kräfteverhältnissen eine entscheidende Rolle spielen.

Pantisano schließt Stimmen für Sven Schulze nicht aus

In diese Debatte hat sich am Wochenende Linken-Co-Vorsitzender Luigi Pantisano eingeschaltet. Im ZDF-Sommerinterview vom 9. August schloss er nicht aus, dass Abgeordnete der Linken Sven Schulze bei einer Wahl zum Ministerpräsidenten unterstützen könnten. Pantisano erklärte, seine Partei habe in den vergangenen Jahren gezeigt, Verantwortung zu übernehmen, vor allem wenn es darum gehe, eine von der AfD geführte Regierung zu verhindern. Die konkrete Entscheidung stellte er zugleich in Zusammenhang mit der Frage, wie sich Schulze selbst nach der Wahl positionieren werde.

Eine förmliche Vereinbarung zwischen CDU und Linken ergibt sich daraus nicht. Die CDU hat auf Bundesebene seit ihrem Parteitag 2018 einen Beschluss, nach dem Koalitionen und ähnliche Formen der Zusammenarbeit sowohl mit der Linkspartei als auch mit der AfD abgelehnt werden. Schulze hatte zudem wenige Tage vor Pantisanos Äußerungen deutlich gemacht, dass er sich nicht von AfD oder Linken abhängig machen wolle.

Die Debatte erhält zusätzliche Bedeutung, weil auch die Spitzenkandidatin der Linken in Sachsen-Anhalt, Eva von Angern, Gespräche mit der CDU für bestimmte Fragen nicht grundsätzlich ausgeschlossen hatte. Sie nannte dabei insbesondere den Schutz demokratischer Institutionen, der Grundrechte und der unabhängigen Justiz. Eine reguläre Koalitionsvereinbarung zwischen CDU und Linken ist damit jedoch nicht verbunden.

BSW liegt genau an der Fünf-Prozent-Hürde

Eine Schlüsselrolle in den verschiedenen Mehrheitsrechnungen nimmt das BSW ein. Mit fünf Prozent würde die Partei nach der aktuellen INSA-Erhebung erstmals in den Landtag von Sachsen-Anhalt einziehen. Noch in der INSA-Befragung vom 23. Juli war sie mit vier Prozent unterhalb der Sperrklausel geblieben. Anfang Juli hatte INSA bereits einmal fünf Prozent gemessen. Die Schwankungen bewegen sich damit genau in einem Bereich, in dem bereits geringe Veränderungen über den Einzug in das Parlament entscheiden können.

Die BSW-Spitzenkandidaten Claudia Wittig und Thomas Schulze werben im Wahlkampf für wechselnde Mehrheiten anstelle einer klassischen festen Regierungskoalition. Thomas Schulze erklärte nach Bekanntwerden der neuen INSA-Zahlen, nur mit einem Einzug des BSW könne eine weitere Amtszeit von CDU-Ministerpräsident Sven Schulze verhindert werden. Parteigründerin Sahra Wagenknecht hatte ihrerseits ausgeschlossen, dass Sven Schulze mit BSW-Stimmen rechnen könne. Das BSW brachte außerdem einen überparteilichen Ministerpräsidenten ins Gespräch.

Auch eine Unterstützung von AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund hat das BSW nicht als sein Modell für die Regierungsbildung dargestellt. Co-Spitzenkandidatin Wittig hatte eine Unterstützung sowohl für Schulze als auch für Siegmund ausgeschlossen und stattdessen für einen anderen Kandidaten sowie wechselnde parlamentarische Mehrheiten geworben. Siegmund selbst lehnte das Modell eines überparteilichen Ministerpräsidenten ab und argumentierte für eine stabile Regierung.

Grüne und FDP müssen um den Einzug bangen

Für Grüne und FDP zeigen die INSA-Zahlen ein erhebliches Risiko. Beide Parteien kommen auf jeweils vier Prozent und lägen damit unter der Fünf-Prozent-Hürde. Die FDP gehört derzeit gemeinsam mit CDU und SPD zur Landesregierung. Ein Ausscheiden aus dem Landtag würde deshalb die Grundlage der bisherigen Regierungskoalition vollständig verändern. Auch die Grünen wären nach dem aktuellen Wert nicht mehr im Parlament vertreten.

Die SPD liegt mit sechs Prozent nur einen Punkt oberhalb der Sperrklausel. Auch beim BSW mit fünf Prozent ist der Einzug keineswegs gesichert. Wegen der von INSA angegebenen statistischen Fehlertoleranz von bis zu 3,1 Prozentpunkten lassen sich aus solchen knappen Werten keine sicheren Aussagen darüber ableiten, welche Parteien nach dem 6. September tatsächlich im Landtag vertreten sein werden. Gerade rund um die Fünf-Prozent-Marke können bereits relativ kleine Veränderungen erhebliche Auswirkungen auf die Sitzverteilung und damit auf rechnerische Mehrheiten haben.

Umfragen vier Wochen vor der Wahl bleiben Momentaufnahmen

Die INSA-Erhebung wurde vom 31. Juli bis zum 6. August unter 1.000 Befragten durchgeführt. Zwischen dem Ende des Erhebungszeitraums und dem Wahltag am 6. September liegt damit noch rund ein Monat. Wahlentscheidungen können sich in dieser Zeit verändern. Das gilt besonders für Menschen, die noch keine endgültige Parteipräferenz haben oder ihre Wahlentscheidung erst in den letzten Tagen vor der Abstimmung treffen.

Hinzu kommen die üblichen statistischen Unsicherheiten repräsentativer Befragungen. Institute versuchen, Unterschiede zwischen ihrer Stichprobe und der tatsächlichen Wählerschaft durch Gewichtungsverfahren auszugleichen. Trotzdem bleiben Abweichungen möglich. Bei Parteien mit vier, fünf oder sechs Prozent ist deshalb insbesondere die konkrete Platzierung oberhalb oder unterhalb der Fünf-Prozent-Hürde nicht als gesichertes Wahlergebnis zu verstehen.

Auch die 42 Prozent für die AfD und die 22 Prozent für die CDU sind keine vorweggenommenen Ergebnisse des 6. September. INSA selbst weist für die Befragung eine Fehlertoleranz von bis zu 3,1 Prozentpunkten aus. Die Zahlen beschreiben die politische Stimmung während des Erhebungszeitraums vom 31. Juli bis 6. August 2026. Erst die Stimmen der Wählerinnen und Wähler am 6. September entscheiden über die Zusammensetzung des neuen Landtags und damit über die tatsächlichen Möglichkeiten zur Regierungsbildung.

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