Scarlet Lady muss nach Absagen in Türkei und Ägypten erneut Kurs ändern

Das Bild zeigt eine Lupe, die etwas sucht und symbolisiert eine Internetsuche
Symbolbild mit KI erstellt

Teilen:

Die Mittelmeerreise der Scarlet Lady mit rund 2.000 überwiegend LGBTQ-Gästen ist innerhalb weniger Tage zweimal umgeleitet worden. Nachdem türkische Behörden die geplanten Stopps in Kuşadası und Istanbul untersagt hatten, verweigerte am Donnerstag, 9. Juli 2026, auch Ägypten dem Schiff kurzfristig die Einfahrt in seine Gewässer. Die von Virgin Voyages betriebene und von Atlantis Events gecharterte Scarlet Lady war am 5. Juli in Piräus bei Athen gestartet. Ziel der zehntägigen Reise ist Triest, das von den Veranstaltern als Ankunftshafen für Venedig vermarktet wird.

Anzeige

Türkei streicht Kuşadası und Istanbul aus der Route

Nach dem ursprünglichen Reiseplan sollte die Scarlet Lady am 7. Juli Kuşadası anlaufen und anschließend vom 8. bis 9. Juli in Istanbul bleiben. Die Behörden der westtürkischen Provinz Aydın untersagten den Besuch jedoch noch vor der Ankunft. Zur Begründung verwiesen sie auf öffentliche Bedenken sowie auf gesellschaftliche und moralische Werte. Der Veranstalter Atlantis Events erklärte, dass Einsprüche und Gespräche mit türkischen Stellen keine Änderung gebracht hätten. Nach Angaben des Unternehmens waren LGBTQ-Kreuzfahrten in den vergangenen 25 Jahren bereits 13-mal ohne vergleichbare Probleme in türkischen Häfen zu Gast.

Konservative Proteste begleiteten die Entscheidung

Vor der Absage hatten konservative Gruppen und regierungsnahe Medien gegen den geplanten Besuch mobilisiert. Dabei wurde die Reise nicht nur als touristischer Aufenthalt, sondern als öffentliches LGBTQ-Ereignis dargestellt. Eine Bar in Istanbul, die offenbar als Veranstaltungsort für Gäste vorgesehen war, soll im Umfeld der Debatte geschlossen worden sein. Offiziell seien Regelverstöße als Grund genannt worden. Hinweise auf Ausschreitungen am Schiff oder eine konkrete Gefahr für die Passagiere gab es in den veröffentlichten Berichten nicht. Die Scarlet Lady lief die gesperrten Häfen deshalb gar nicht erst an.

Auch Ägypten verweigert kurzfristig die Einfahrt

Als Ersatz für die türkischen Stopps hatten Atlantis Events und Virgin Voyages zunächst Alexandria in Ägypten sowie Heraklion auf Kreta in den Plan aufgenommen. Für den 9. Juli waren von Alexandria aus unter anderem Ausflüge nach Kairo, zu den Pyramiden und zu einem neuen ägyptischen Museum vorgesehen. Wenige Stunden vor der geplanten Ankunft erhielten die Gäste jedoch die Nachricht, dass die Scarlet Lady nicht in ägyptische Gewässer einfahren dürfe. Eine offizielle Begründung der ägyptischen Behörden lag zunächst nicht vor. Die Entscheidung kam so kurzfristig, dass Passagiere bereits in den frühen Morgenstunden auf ihre geplanten Landausflüge vorbereitet gewesen sein sollen.

Anzeige

Neue Stopps auf Kreta und in Montenegro

Nach der zweiten Absage wurde die Route erneut angepasst. Die Scarlet Lady nahm Kurs auf Chania auf Kreta, wo für Freitag, 10. Juli, ein Aufenthalt vorgesehen wurde. Als weiterer Ersatzhafen wurde Kotor in Montenegro für Sonntag, 12. Juli, genannt. Die anschließend geplanten Stopps in Dubrovnik am 13. Juli und Zadar am 14. Juli sollen nach bisherigem Stand bestehen bleiben. Die Reise soll am 15. Juli in Triest enden. Für die Gäste bedeutet die Änderung, dass mehrere bereits gebuchte Ausflüge in der Türkei und in Ägypten entfallen oder neu organisiert werden müssen.

Virgin Voyages und Atlantis zeigen sich enttäuscht

Virgin Voyages erklärte, man sei über die Absage in Ägypten besonders enttäuscht, weil eine ähnliche Route im Vorjahr ohne Probleme durchgeführt worden sei. Gemeinsam mit Atlantis Events arbeite die Reederei daran, die Reise trotz der Änderungen fortzusetzen und mit Kotor einen geeigneten Ersatz anzubieten. Atlantis-Chef Rich Campbell bezeichnete die türkische Entscheidung als außergewöhnlichen Vorgang in der 36-jährigen Geschichte des Unternehmens. Die Reise sei als Urlaub und nicht als politische Demonstration geplant worden. Die Gäste wollten die Häfen besuchen, einkaufen und Sehenswürdigkeiten besichtigen.

Internationale Kritik und Sorge vor einem Präzedenzfall

Die Zurückweisungen lösten international deutliche Kritik aus. Broadway-Star Patti LuPone, die während der Reise an Bord auftritt, reagierte öffentlich mit Empörung und kündigte an, ihre Auftritte dennoch fortzusetzen. Vertreter aus der LGBTQ-Reisebranche warnten, weitere Staaten könnten sich durch die Entscheidungen ermutigt sehen, vergleichbare Kreuzfahrten ebenfalls auszuschließen. Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, dass die Haltung staatlicher Stellen nicht automatisch die Einstellung der Bevölkerung widerspiegele. Für die Passagiere blieb die Reise nach aktuellem Stand ohne sicherheitsrelevanten Zwischenfall, entwickelte sich aber zu einem international beachteten Streit über Diskriminierung, Tourismus und die Zugangsrechte von Kreuzfahrtschiffen.

Teilen:

Münster Map
Zum Aktivieren tippen
Route anzeigen

Mehr Beiträge:

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu