
Wer am Mittwoch die Sonne direkt beobachten möchte, braucht eine sichere Sonnenfinsternisbrille. Eine gewöhnliche Sonnenbrille genügt dafür nicht, selbst wenn ihre Gläser sehr dunkel sind oder einen hohen UV-Schutz versprechen. Fachleute raten ausschließlich zu Schutzbrillen, die ausdrücklich für den direkten Blick in die Sonne bestimmt sind. Entscheidend sind die richtige Norm, eine CE-Kennzeichnung, nachvollziehbare Herstellerangaben und vor allem eine völlig unbeschädigte Filterfolie. Wer kurzfristig keine geeignete Brille mehr bekommt, sollte nicht improvisieren. Mit einer Lochkamera lässt sich das Ereignis auch ohne direkten Blick in die Sonne sicher verfolgen.
Das menschliche Auge bündelt einfallendes Licht durch Hornhaut und Augenlinse auf der Netzhaut. Beim direkten Blick in die Sonne konzentriert sich dadurch viel Strahlungsenergie auf einen kleinen Bereich. Besonders betroffen sein kann die Makula, also der zentrale Teil der Netzhaut, der für scharfes Sehen, Lesen, Gesichtserkennung und das Erkennen feiner Details entscheidend ist.
Das Universitätsklinikum Freiburg beschreibt die sogenannte solare Retinopathie vor allem als photochemische Schädigung. Energiereiches Licht kann Prozesse auslösen, die Fotorezeptoren und unterstützende Zellen der Netzhaut beeinträchtigen. Auch wenn ein großer Teil der Sonnenscheibe vom Mond verdeckt ist, bleibt der sichtbare Teil der Sonne intensiv genug, um Schäden hervorzurufen. Der normale Blendungsreflex ist deshalb kein verlässlicher Schutz.
Besonders problematisch ist, dass die Netzhaut keine Schmerzrezeptoren besitzt. Eine Schädigung kann entstehen, ohne dass das Auge während des Blicks in die Sonne schmerzt. Beschwerden werden teilweise erst Stunden später oder am folgenden Tag bemerkt. Dadurch fehlt ein unmittelbares Warnsignal, das Menschen normalerweise dazu bringen würde, einen schädlichen Reiz sofort zu vermeiden.
Das Bundesamt für Strahlenschutz nennt für Schutzbrillen zur direkten Sonnenbeobachtung die aktuell gültige Norm DIN EN ISO 12312-2:2015. Sie betrifft Filter, die für den direkten, nicht vergrößerten Blick auf die Sonne vorgesehen sind. Auch die Augenkliniken der Universitätskliniken Freiburg und Würzburg verweisen auf die ISO 12312-2 als maßgeblichen Sicherheitsstandard.
Eine geeignete Brille reduziert das einfallende Sonnenlicht extrem stark. Nach Angaben des Bundesamtes für Strahlenschutz dürfen geeignete Sonnenfinsternisbrillen höchstens etwa 0,001 Prozent des Sonnenlichts durchlassen. Gleichzeitig müssen sie gefährliche Strahlungsanteile ausreichend filtern.
Auf der Brille oder der Verpackung sollte außerdem das CE-Zeichen zu finden sein. Hinzukommen sollten Herstellerangaben sowie Benutzungs- und Warnhinweise. Wichtig ist allerdings eine Einschränkung: Das CE-Zeichen ist kein unabhängiges Qualitätssiegel. Nach Angaben der Europäischen Kommission erklärt der Hersteller mit der Kennzeichnung, dass sein Produkt die einschlägigen europäischen Anforderungen erfüllt. Das Zeichen allein beweist deshalb noch nicht, dass eine unbekannte Brille tatsächlich geprüft wurde.
Bei sehr kurzfristigen Käufen ist deshalb nicht nur die aufgedruckte Norm wichtig. Die American Astronomical Society warnt seit mehreren Sonnenfinsternissen davor, dass unseriöse Anbieter ISO-Angaben, Markennamen oder andere Kennzeichnungen auf Produkte drucken können, ohne dass deren Sicherheit tatsächlich nachgewiesen wurde.
Verbraucher sollten deshalb auf einen nachvollziehbaren Hersteller und einen seriösen Vertriebsweg achten. Eine Brille von einer etablierten Sternwarte, einem Planetarium, einem bekannten Optik- oder Astronomieanbieter lässt sich leichter zurückverfolgen als ein Produkt unbekannter Herkunft von einem kurzfristig auftauchenden Onlinehändler.
Vor jeder Verwendung muss zudem die Filterfläche überprüft werden. Kratzer, Risse, kleine Löcher, Einstiche oder Stellen, an denen sich die Folie vom Rahmen löst, sind Ausschlusskriterien. Eine beschädigte Brille sollte nicht mehr verwendet werden.
Ein einfacher Blick durch die Brille in einem Innenraum kann zumindest grob zeigen, ob ein Filter offensichtlich ungeeignet ist. Durch eine Sonnenfinsternisbrille sollte die normale Umgebung praktisch nicht sichtbar sein. Dieser Test kann eine gefährlich helle Brille erkennen, beweist aber nicht, dass ein Filter tatsächlich alle Anforderungen der ISO-Norm erfüllt. Gerade unsichtbare UV- oder Infrarotstrahlung lässt sich mit dem Auge nicht beurteilen.
Fachleute warnen ausdrücklich vor improvisierten Schutzmethoden. Eine normale Sonnenbrille ist auch dann ungeeignet, wenn sie sehr dunkel ist. Sie ist dafür konstruiert, Blendung und UV-Strahlung im Alltag zu reduzieren, nicht für den längeren direkten Blick auf die Sonnenscheibe.
Auch mehrere Sonnenbrillen übereinander ergeben keinen geprüften Sonnenfilter. Ebenso ungeeignet sind rußgeschwärztes Glas, CDs, dunkle Filmstreifen, Rettungsdecken, Röntgenfilme und andere Folien oder Materialien, deren Filtereigenschaften nicht für die direkte Sonnenbeobachtung geprüft wurden. Dass ein Material das sichtbare Licht stark abdunkelt, sagt nichts darüber aus, wie gut andere Strahlungsbereiche zurückgehalten werden.
Das Universitätsklinikum Freiburg nennt normale Sonnenbrillen, rußgeschwärzte Gläser, CDs, Rettungsdecken und Röntgenfilme ausdrücklich als ungeeignet. Auch Stiftung Warentest hatte bereits bei früheren Sonnenfinsternissen vor improvisierten Lösungen wie CDs, Filmstreifen und mehreren übereinander getragenen Sonnenbrillen gewarnt.
Wer keine Schutzbrille mehr bekommt, muss deshalb nicht auf eine Beobachtung verzichten. Das Bundesamt für Strahlenschutz empfiehlt insbesondere die indirekte Projektion mit einer Lochkamera, auch Camera obscura genannt. Dabei wird nicht durch ein Loch in Richtung Sonne geschaut. Stattdessen fällt Sonnenlicht durch eine kleine Öffnung und erzeugt auf einer gegenüberliegenden Fläche ein Bild der Sonnenscheibe.
Gerade für Familien mit Kindern ist diese Methode interessant, weil kein direkter Blick in die Sonne erforderlich ist. Das Bundesamt für Strahlenschutz bezeichnet die Projektion als besonders sichere Möglichkeit. Auch das Planetarium Freiburg empfiehlt die Lochkamera inzwischen ausdrücklich Menschen, die keine Sonnenfinsternisbrille mehr bekommen konnten.
Eine zweite Möglichkeit bieten professionell vorbereitete Sternwarten und Teleskope mit geeigneten Sonnenfiltern. Entscheidend ist dabei die Position des Filters. Er muss vor der Objektivöffnung angebracht und sicher befestigt sein, damit das intensive Sonnenlicht gar nicht erst gebündelt in das optische System gelangt. Eine Sonnenfinsternisbrille vor den Augen macht den Blick durch ein ungefiltertes Fernglas oder Teleskop keinesfalls sicher.
Für Kinder gelten dieselben Anforderungen an den Augenschutz wie für Erwachsene. Das Universitätsklinikum Würzburg empfiehlt jedoch ausdrücklich, jüngere Kinder nur unter Aufsicht beobachten zu lassen. Sie können möglicherweise noch nicht zuverlässig beurteilen, ob eine Brille korrekt sitzt oder beschädigt ist.
Die Brille sollte bereits aufgesetzt werden, bevor das Kind den Kopf zur Sonne hebt. Erst nachdem der Blick wieder von der Sonne abgewendet wurde, wird sie abgenommen. Bei kleineren Kindern muss zusätzlich geprüft werden, ob die Brille dicht genug sitzt und nicht ständig verrutscht.
Wenn diese sichere Handhabung nicht gewährleistet werden kann, ist die indirekte Projektion die bessere Variante. Eine ausreichend große Lochkamera hat zusätzlich den Vorteil, dass Kinder gar nicht erst versucht sind, durch die Öffnung zur Sonne zu schauen. Sternwarten mit fachgerecht gefilterten Teleskopen sind ebenfalls eine geeignete Möglichkeit, sofern das Personal die Beobachtung begleitet.
Eine Sonnenfinsternisbrille schützt nur die Augen bei der direkten Beobachtung ohne vergrößernde Optik. Sie ist nicht dafür gedacht, vor ein Fernglas, ein Teleobjektiv oder das Okular eines Teleskops gehalten zu werden.
Für Kameras, Smartphones und Teleskope sind spezielle Sonnenfilter erforderlich, die für den jeweiligen Einsatzzweck vorgesehen sind. Bei Teleskopen und Kameraobjektiven gehört der Filter vor die vordere Öffnung. Dadurch wird die Strahlung reduziert, bevor das Licht durch die Optik gebündelt wird.
Auch das Smartphone sollte nicht einfach als vermeintlich sichere Alternative zur Schutzbrille eingesetzt werden. Das Bundesamt für Strahlenschutz weist darauf hin, dass intensive Sonnenstrahlung Kamerasensoren beschädigen kann. Zudem besteht beim Ausrichten des Geräts die Gefahr, versehentlich direkt zur Sonne zu schauen. Wer fotografieren möchte, sollte deshalb einen dafür geeigneten Sonnenfilter verwenden und die Herstellerhinweise beachten.
Für Filter an Kameras, Ferngläsern und Teleskopen gilt zudem eine wichtige Besonderheit: Die ISO 12312-2 bezieht sich auf Filter für die direkte Beobachtung mit bloßem Auge. Für optische Geräte sind deshalb speziell dafür vorgesehene und fachgerecht montierte Sonnenfilter nötig.
Kurz vor der Sonnenfinsternis ist die Versorgung regional sehr unterschiedlich. Der Zentralverband der Augenoptiker und Optometristen empfiehlt, direkt bei Optikern vor Ort nachzufragen. Manche Geschäfte haben Sonnenfinsternisbrillen im Sortiment, zahlreiche Bestände sind jedoch bereits aufgebraucht. Auch Astronomiegeschäfte, einige Buchhandlungen sowie Fachgeschäfte für Kameras und Optik kommen als Bezugsquellen infrage.
Wie schnell die Bestände schwinden, zeigt Freiburg. Das städtische Planetarium meldete am Dienstag, 11. August, dass keine Sonnenfinsternisbrillen mehr verfügbar seien. Ein ursprünglich für Mittwoch vorgesehener Last-Minute-Verkauf wurde deshalb abgesagt.
Andernorts gab es am Dienstagvormittag noch andere Angaben. Das Planetarium Hamburg weist auf seiner aktuellen Internetseite darauf hin, dass Sonnenfinsternisbrillen vor Ort erhältlich sind. Auch das Planetarium Bochum nennt seinen Planetariumsshop als Bezugsquelle. Die Sternwarte Stuttgart kündigt für ihre Sonderöffnung am Mittwoch ebenfalls den Verkauf geeigneter Sonnenfinsternisbrillen an. Da sich Restbestände innerhalb weniger Stunden ändern können, empfiehlt sich vor einer längeren Anfahrt eine direkte Nachfrage.
Bei Onlinebestellungen ist am Tag vor dem Ereignis entscheidend, ob die Ware tatsächlich rechtzeitig eintrifft. Einzelne Fachanbieter weisen zwar noch sofort verfügbare Modelle aus. Eine bundesweite Garantie für eine Zustellung bis Mittwoch gibt es daraus jedoch nicht. Wer keine Brille mehr bekommt, sollte deshalb auf die Lochkamera oder eine fachlich betreute Beobachtung an einer Sternwarte ausweichen und keinesfalls einen improvisierten Filter verwenden.
Nach einem versehentlichen ungeschützten Blick in die Sonne können Beschwerden verzögert auftreten. Nach Angaben des Universitätsklinikums Freiburg gehören verschwommenes oder unscharfes Sehen, dunkle oder graue Flecken im Zentrum des Gesichtsfeldes, verzerrt erscheinende Linien, anhaltende Nachbilder, Veränderungen der Farbwahrnehmung und eine erhöhte Lichtempfindlichkeit zu möglichen Symptomen einer Netzhautschädigung.
Wer nach der Beobachtung solche Veränderungen bemerkt, sollte sich zeitnah augenärztlich untersuchen lassen. Bei einer deutlichen oder plötzlich zunehmenden Verschlechterung des Sehvermögens rät die Freiburger Augenklinik zu einer umgehenden Untersuchung. Eine Selbstdiagnose ist nicht möglich, weil vergleichbare Sehstörungen auch andere Ursachen haben können.
Erste Anlaufstelle ist eine augenärztliche Praxis. Außerhalb der regulären Sprechzeiten kann der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117 bei akuten, nicht lebensbedrohlichen Beschwerden über geeignete Anlaufstellen informieren. Bei deutlichen akuten Sehstörungen kommt auch eine Augenklinik beziehungsweise eine Klinik mit augenärztlicher Notfallversorgung infrage.






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