
Die Zukunft von tegut ist nach neuen Problemen beim geplanten Verkauf an Edeka wieder deutlich unsicherer geworden. Fest steht: Die Schweizer Eigentümerin Migros Zürich zieht sich aus dem deutschen Markt zurück und verkauft die Supermarktkette. Nicht bestätigt ist dagegen die derzeit wieder verbreitete Darstellung, sämtliche rund 300 tegut Märkte würden ersatzlos geschlossen. Große Teile des Filialnetzes sollen vielmehr von Edeka, Rewe und Tante Enso weitergeführt werden. Gerade beim größten Paket gibt es jedoch erhebliche kartellrechtliche Hürden. Damit ist das Ende der Marke tegut absehbar, die Zukunft vieler einzelnen Supermarktstandorte aber noch nicht endgültig entschieden.
Ausgangspunkt der aktuellen Debatte ist ein Bericht der Lebensmittel Zeitung vom 11. März 2026. Das Branchenmedium meldete damals das „Aus für Tegut“ und berichtete über den Rückzug von Migros Zürich. In einem von der Lebensmittel Zeitung selbst veröffentlichten Beitrag hieß es zugleich ausdrücklich, Edeka solle unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Kartellamts einen großen Teil der rund 300 Filialen erhalten. Auch Rewe wurde bereits als Abnehmer eines umfangreichen Pakets genannt. Die Meldung bedeutete damit das Ende von tegut als eigenständiger Handelsmarke, nicht die bestätigte ersatzlose Schließung sämtlicher Verkaufsstellen.
Inzwischen sind die Pläne wesentlich konkreter. Das Bundeskartellamt prüft den Erwerb von 202 tegut Lebensmittelmärkten und 41 automatisierten Teo Standorten durch Edeka. Rewe hat einen Vertrag über die mögliche Übernahme von bis zu 40 weiteren Märkten unterzeichnet. Die Übernahme von 36 Standorten durch Tante Enso wurde bereits genehmigt. Tegut und Migros haben dagegen nicht bestätigt, dass alle rund 300 klassischen Märkte endgültig schließen würden. Was bei erfolgreichen Übernahmen verschwindet, ist dort vor allem der bisherige tegut Auftritt. Die Geschäfte sollen anschließend unter den Marken der jeweiligen Käufer weitergeführt werden.
Der wichtigste Baustein der Aufteilung ist der Vertrag zwischen Migros Zürich und Edeka. Neben 202 Lebensmittelmärkten umfasst das Vorhaben die 41 Teo Standorte, die Herzberger Bäckerei und das Logistikzentrum in Michelsrombach. Bereits Migros hatte im März angekündigt, dass außerdem die Gesellschaft Smart Retail Solutions als Betreiberin der Teo Standorte Bestandteil des Edeka Pakets sein solle.
Eine endgültige Freigabe gibt es bislang nicht. Das Bundeskartellamt leitete nach der Anmeldung im März eine vertiefte Prüfung ein und übermittelte den Beteiligten Ende Juli seine vorläufige wettbewerbliche Einschätzung. Die Behörde sieht in 37 regionalen Absatzmärkten erhebliche Probleme. Betroffen sind insbesondere Gebiete in Nordhessen und Osthessen, Thüringen, Nordbayern sowie Baden Württemberg. Entscheidend ist dabei nicht die Größe von Edeka in Deutschland insgesamt, sondern ob die Übernahme in einzelnen Regionen den Wettbewerb zwischen Supermärkten zu stark verringern würde.
Damit ist die Übernahme jedoch noch nicht endgültig gescheitert. Edeka kann Standorte aus dem Paket herausnehmen oder andere Zusagen anbieten. Das Prüfverfahren wurde bis zum 23. September 2026 verlängert. Berichte, wonach das Bundeskartellamt den gesamten Verkauf bereits endgültig untersagt habe, gehen deshalb über den bisherigen Verfahrensstand hinaus. Offiziell liegt eine vorläufige wettbewerbliche Bewertung vor.
Migros Zürich hatte tegut Anfang 2013 übernommen und wollte mit der Fuldaer Kette im deutschen Lebensmittelhandel wachsen. Im März 2026 erklärte die Schweizer Genossenschaft das Deutschland Engagement für beendet. Zur Begründung verwies das Unternehmen auf ein schwieriger gewordenes Marktumfeld, rückläufige Umsätze und die vergleichsweise geringe Größe von tegut. Eine komplette Übernahme durch einen neuen ausländischen Marktteilnehmer habe sich nach Angaben von Migros nicht realisieren lassen.
Die wirtschaftlichen Zahlen erklären den Druck. Tegut konnte seinen Verlust 2025 nach einem umfassenden Sparprogramm zwar von 55 Millionen auf 26 Millionen Schweizer Franken reduzieren. Gleichzeitig sank der Umsatz in lokaler Währung um 3,1 Prozent. Migros erklärte deshalb, das Unternehmen sei mit seiner bisherigen Positionierung und Größe langfristig wirtschaftlich nicht zukunftsfähig. Wertberichtigungen und weitere Belastungen im Zusammenhang mit tegut wirkten sich zudem erheblich auf die Bilanz der Genossenschaft aus.
Migros hält dennoch an dem Ziel fest, für möglichst viele Standorte und Mitarbeiter Anschlusslösungen zu finden. Nach den jüngsten Problemen mit der Edeka Transaktion wollte sich die Genossenschaft Migros Zürich gegenüber der Main Post allerdings nicht dazu äußern, welche Folgen die Bedenken des Kartellamts für die Attraktivität des vereinbarten Verkaufs haben. Damit blieb insbesondere offen, wie Migros reagieren würde, falls Edeka einen größeren Teil der ursprünglich vorgesehenen Märkte nicht übernehmen könnte.
Besonders groß ist die Unsicherheit für die Belegschaft. Tegut beschäftigte zuletzt rund 7.700 Menschen in Märkten, Logistik und zentralen Bereichen. Migros erklärte bei Bekanntgabe des Rückzugs, bei den Verhandlungen mit möglichen Käufern stehe die Sicherung möglichst vieler Arbeitsplätze ausdrücklich im Mittelpunkt. Eine Garantie für sämtliche Arbeitsplätze an sämtlichen Standorten gibt es bislang jedoch nicht.
Tegut selbst hat sich auf Anfrage zu der Situation geäußert. Gegenüber der Fuldaer Zeitung erklärte das Unternehmen im Juli, wegen der laufenden kartellrechtlichen Verfahren seien noch keine verbindlichen Aussagen zu einzelnen Filialen möglich. Nach einer Freigabe sollten die Beschäftigten der jeweiligen Märkte über ihre Weiterbeschäftigung informiert werden. Tegut verwies zugleich darauf, dass die Übernahmevereinbarungen entsprechende Regelungen für die Mitarbeiter enthielten. Die Anfrage blieb damit nicht unbeantwortet.
Die Gewerkschaft Verdi sieht trotzdem Risiken. Sie forderte bereits nach Bekanntwerden des Verkaufs nicht nur die Sicherung der Beschäftigung, sondern auch eine verlässliche Tarifbindung. Verdi verwies darauf, dass ein Teil der Märkte bei großen Lebensmittelketten von selbstständigen Kaufleuten geführt wird. Deshalb müsse neben der Frage, ob ein Arbeitsplatz erhalten bleibt, auch geklärt werden, zu welchen tariflichen Bedingungen Beschäftigte künftig arbeiten. Rund zwei Drittel der tegut Märkte wurden nach Angaben der Gewerkschaft zuletzt vom Unternehmen selbst geführt, etwa ein Drittel von privaten Kaufleuten.
Für die bis zu 40 von Rewe vorgesehenen Standorte gibt es zumindest eine konkrete Zusage: Rewe kündigte an, allen dort betroffenen Mitarbeitern ein Jobangebot zu machen. Der Großteil dieser Märkte soll künftig als Rewe betrieben werden, ein kleinerer Teil unter der Discountmarke Penny. Die Transaktion wartet allerdings ebenfalls noch auf die kartellrechtliche Freigabe.
Das Zentrum von tegut liegt traditionell in Hessen und insbesondere im Raum Fulda. Das Filialnetz erstreckt sich außerdem über Bayern, Thüringen, Baden Württemberg, Niedersachsen und Rheinland Pfalz. Gerade in Hessen, Thüringen und Nordbayern besitzt tegut zahlreiche Standorte in kleineren Städten und ländlichen Regionen. Deshalb haben die Entscheidungen über einzelne Märkte dort teilweise unmittelbare Bedeutung für die örtliche Nahversorgung.
Für 36 Märkte vor allem in Hessen, Thüringen und Nordbayern gibt es bereits mehr Sicherheit. Das Bundeskartellamt genehmigte im Juni den Erwerb dieser Standorte durch Tante Enso. Die Märkte kamen 2025 gemeinsam auf einen Umsatz von rund 60 Millionen Euro, was nach Angaben der Behörde etwa fünf Prozent des damaligen tegut Umsatzes entsprach. Die Wettbewerbshüter sahen durch diesen Käufer keine vergleichbaren Konzentrationsprobleme.
Beim wesentlich größeren Edeka Paket ist die Situation gerade in Teilen Hessens, Thüringens und Bayerns komplizierter. Dort prüft das Kartellamt, ob Verbraucher nach einem Betreiberwechsel noch genügend voneinander unabhängige Einkaufsalternativen hätten. Deshalb kann die Zukunft zweier tegut Märkte in unterschiedlichen Städten trotz desselben Kaufvertrags völlig verschieden aussehen.
Tegut wurde 1947 in Fulda gegründet und entwickelte sich vor allem in Mitteldeutschland zu einer bekannten Vollsortimentkette. Einen besonderen Schwerpunkt setzte das Unternehmen früh auf Bio Lebensmittel und regionale Sortimente. Nach der Übernahme durch Migros folgten Expansionen und zuletzt auch die Integration von Märkten der ehemaligen Bio Kette Basic. Wirtschaftlich konnte die größere Präsenz die grundlegenden Probleme jedoch nicht lösen.
Zum Unternehmen gehören nicht nur klassische Supermärkte. Mit Teo betreibt tegut auch automatisierte Kleinflächen. 41 dieser Standorte sind Bestandteil des angemeldeten Edeka Geschäfts. Ebenfalls im Paket befinden sich mit der Herzberger Bäckerei und dem Logistikzentrum in Michelsrombach wichtige Teile der bisherigen Infrastruktur. Der Rückzug von Migros ist daher mehr als ein bloßer Verkauf von Ladenlokalen. Ein erheblicher Teil der bisherigen tegut Organisation soll auf andere Eigentümer übertragen werden.
Für Kunden bedeutet dies, dass ein Markt vor Ort nicht zwangsläufig verschwindet, wenn der Name tegut vom Eingang entfernt wird. Ein bislang von tegut betriebener Standort könnte künftig beispielsweise Rewe, Penny, Edeka oder Tante Enso heißen. Welche Marke tatsächlich an welchem Standort folgt, ist allerdings noch nicht überall geklärt.
Wie viele Märkte am Ende tatsächlich keinen Käufer finden und schließen müssten, ist derzeit nicht belastbar beziffert. Migros erklärte im März ausdrücklich, mit weiteren Marktteilnehmern über Lösungen für möglichst alle Standorte zu verhandeln. Tegut bestätigte der Fuldaer Zeitung im Juli zudem, dass neben Edeka, Rewe und Tante Enso weitere Interessenten vorhanden seien, nannte aber keine Namen. Ob noch einzelne Filialen völlig ohne Interessenten sind, ließ das Unternehmen offen.
Entscheidend wird nun vor allem die weitere Prüfung des Edeka Pakets. Sollte Edeka einzelne Standorte nicht übernehmen können, bedeutet das nicht automatisch deren Schließung. Sie könnten theoretisch aus dem Paket herausgelöst und an andere Wettbewerber verkauft werden. Ob für jeden betroffenen Markt tatsächlich ein alternativer Käufer gefunden werden kann, ist allerdings nicht bekannt. Eine verbindliche Liste künftiger Schließungen liegt bislang nicht vor.
Der Streit um die Übernahme berührt schließlich ein grundsätzliches Problem des deutschen Lebensmitteleinzelhandels. Nach Angaben des Bundeskartellamts entfallen inzwischen mehr als 90 Prozent der Umsätze auf die vier großen Handelsgruppen Edeka, Rewe, Schwarz mit Lidl und Kaufland sowie Aldi. Genau deshalb untersucht die Behörde große Filialübernahmen nicht nur bundesweit, sondern sehr detailliert auf regionaler Ebene.
Gleichzeitig zeigt der Fall, wie schwierig es für eine deutlich kleinere Vollsortimentkette ist, in diesem Umfeld eigenständig zu bestehen. Migros gelang es trotz Sanierung und erheblicher Einsparungen nicht, tegut dauerhaft in die Gewinnzone zu führen. Nun soll das Filialnetz weitgehend unter den bestehenden großen beziehungsweise regionalen Wettbewerbern aufgeteilt werden. Für Kunden und Mitarbeiter entscheidet sich die Zukunft deshalb weniger an der Frage, ob tegut als Name bestehen bleibt. Dieses Kapitel nähert sich seinem Ende. Offen ist vielmehr, welche Betreiber die einzelnen Standorte übernehmen können und wie viele Arbeitsplätze dabei dauerhaft erhalten bleiben.






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