
Mit dem G2G-Abkommen Montenegro hat Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius auf der ILA Berlin einen neuen Rahmen für staatlich gestützte Rüstungsgeschäfte gesetzt. Die Vereinbarung wurde am 12. Juni 2026 in Schönefeld im Umfeld der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung unterzeichnet. Für Deutschland ist der Schritt ein Signal, Rüstungsexporte an enge Partner künftig stärker politisch und organisatorisch zu begleiten. Für Montenegro geht es vor allem um die Modernisierung der eigenen Streitkräfte. Ein konkreter Kaufvertrag mit Stückzahl und Liefertermin wurde öffentlich zunächst nicht bestätigt.
Government to Government Verkäufe unterscheiden sich von klassischen Industriegeschäften. Nicht nur ein Unternehmen verhandelt mit einem ausländischen Kunden, sondern die Regierungen setzen den Rahmen. Damit kann Deutschland Beschaffung, politische Begleitung, Exportverfahren, industrielle Umsetzung und mögliche Unterstützungsleistungen enger miteinander verbinden. Ziel ist mehr Verlässlichkeit für Partnerstaaten und zugleich eine Stärkung der deutschen und europäischen Verteidigungsindustrie. Die Bundesregierung hatte solche Regierungsverkäufe bereits als Instrument für strategische Partnerschaften und Rüstungskooperationen ausgebaut. Exportkontrollrechtliche Prüfungen bleiben davon unberührt.
Nach Angaben aus Montenegro steht bei möglichen Beschaffungen vor allem der Airbus H145M Hubschrauber im Mittelpunkt. Gleichzeitig wurde betont, dass noch keine abschließende Beschaffungsentscheidung vorliegt. Relevant ist für Montenegro offenbar nicht nur das Fluggerät selbst, sondern auch ein belastbares Paket aus Ersatzteilen, Wartung, logistischer Unterstützung und langfristiger Einsatzbereitschaft. Hintergrund sind Erfahrungen mit bestehenden Bell 412EPI Hubschraubern, bei denen technische Ausfälle und Versorgungsfragen die Verfügbarkeit belastet hatten.
Montenegro ist seit 2017 Mitglied der NATO. Die Vereinbarung ist deshalb nicht nur ein bilaterales Rüstungsthema, sondern auch Teil der stärkeren Verzahnung innerhalb des Bündnisses. Im engeren militärischen Sprachgebrauch liegt Montenegro nicht an der klassischen NATO-Ostflanke wie Polen oder die baltischen Staaten. Strategisch gehört das Land aber zur sicherheitspolitisch sensiblen Südostflanke und zum westlichen Balkan. Moderne Hubschrauberfähigkeiten können dort für Transport, Aufklärung und Sicherheitsaufgaben eine wichtige Rolle spielen.
Pistorius verband seinen ILA-Auftritt zudem mit einer Pressekonferenz mit Mike Schoellhorn, dem Chef von Airbus Defence and Space. Im Mittelpunkt stand das Programm Defence Made in Europe. Dahinter steht der Anspruch, europäische Verteidigungsfähigkeit stärker aus eigener industrieller Basis heraus aufzubauen. Airbus verweist in diesem Zusammenhang auf Kampfflugzeuge, Transportflugzeuge, Tanker, Drohnen und künftige unbemannte Systeme. Für Deutschland passt das G2G-Abkommen Montenegro in diese Linie: Europäische Partner sollen nicht nur einzelne Produkte kaufen, sondern stärker in europäische Lieferketten, Wartungsstrukturen und Fähigkeitsentwicklung eingebunden werden.
Das G2G-Abkommen Montenegro ist damit vor allem ein politischer und organisatorischer Startpunkt. Es schafft die Grundlage für mögliche spätere Beschaffungen, ersetzt aber nicht die Entscheidung über konkrete Systeme, Stückzahlen, Finanzierung und Lieferfristen. Sollte Montenegro sich für H145M Hubschrauber entscheiden, wäre das ein weiterer Schritt zur Modernisierung einer kleinen, aber bündnisrelevanten Luftwaffe. Für Deutschland wäre es zugleich ein Praxistest für den Anspruch, Regierungsverkäufe als außen-, sicherheits- und industriepolitisches Instrument gezielter einzusetzen.
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