Selenskyj warnt vor Hunderttausenden neuen Soldaten für Russland

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Symbolbild mit KI erstellt

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Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat vor einer neuen Mobilmachung in Russland gewarnt und zugleich neue ukrainische Vorschläge für ein Ende des Krieges an die USA übermitteln lassen. In seiner abendlichen Videobotschaft vom Dienstag, 11. August 2026, erklärte Selenskyj, der ukrainische Militärgeheimdienst rechne nach der russischen Parlamentswahl im September mit einer zusätzlichen Einberufung von mehreren Hunderttausend Menschen. Eine unabhängige Bestätigung dieser Pläne lag zunächst nicht vor. Gleichzeitig bestätigte Selenskyj lediglich die Übergabe neuer Vorschläge an die amerikanische Seite. Einzelheiten zu deren Inhalt nannte er nicht.

Selenskyj beruft sich auf Bericht des Militärgeheimdienstes

Selenskyj sagte in seiner am Dienstagabend veröffentlichten Ansprache, der Leiter des ukrainischen Militärgeheimdienstes HUR, Oleh Iwaschtschenko, habe ihn über russische Mobilisierungspläne informiert. Nach Darstellung Selenskyjs sollen interne russische Dokumente eine zusätzliche Rekrutierungswelle nach der für September geplanten Parlamentswahl vorsehen. Bis Ende 2026 könnten demnach mehrere Hunderttausend Russen zusätzlich eingezogen werden. Für 2027 nannte Selenskyj noch einmal eine ähnlich große Größenordnung.

Diese Angaben stammen von der ukrainischen Führung und ließen sich zunächst nicht unabhängig bestätigen. Auch die von Selenskyj genannte Einschätzung, Russland verliere monatlich mindestens 30.000 Soldaten und davon rund 60 Prozent durch Tod, ist eine ukrainische Angabe.

Friedensvorschläge an die USA bleiben bislang ohne Details

Neben der Mobilisierungswarnung erklärte Selenskyj, das ukrainische Verhandlungsteam habe neue Vorschläge an die Vereinigten Staaten übermittelt. Er bezeichnete sie nicht näher und veröffentlichte weder einen vollständigen Plan noch einzelne Punkte. Bekannt ist deshalb bislang nur, dass Kiew neue Vorschläge in die von den USA geführten Gespräche eingebracht hat.

Selenskyj verband dies erneut mit der Forderung nach stärkerer ukrainischer Luftverteidigung und größerem politischen Druck auf Moskau. Die US-Unterhändler Steve Witkoff und Jared Kushner waren bereits zuvor wieder in die Gespräche eingebunden worden. Zu den am 11. August übermittelten ukrainischen Vorschlägen lag bis Mittwochmorgen keine ausführliche öffentliche Stellungnahme des Weißen Hauses vor.

Moskau bestreitet seit Monaten Bedarf für neue Mobilmachung

Russland hat seit der großen Teilmobilmachung im Herbst 2022 wiederholt erklärt, eine weitere landesweite Einberufungswelle sei nicht erforderlich. Der frühere Präsident und heutige stellvertretende Vorsitzende des russischen Sicherheitsrats, Dmitri Medwedew, erklärte im Juli, in der ersten Hälfte des Jahres 2026 hätten rund 200.000 Menschen freiwillige Militärverträge abgeschlossen. Unabhängig überprüfen lässt sich diese Zahl nur eingeschränkt.

Auf Selenskyjs aktuelle Darstellung einer geplanten Mobilmachung folgte zunächst keine detaillierte russische Stellungnahme. Russische Regierungsvertreter lehnten es nach Angaben von Reuters zunächst ab, die Behauptung näher zu kommentieren. Bereits zuvor hatte der Kreml mehrfach erklärt, dass eine neue allgemeine Mobilisierung nicht auf der Tagesordnung stehe.

Rekrutierungszahlen zeigen zunehmenden Personalbedarf

Unabhängige Institute sehen Hinweise darauf, dass Russland zunehmend Schwierigkeiten hat, seine Verluste allein durch neue Vertragssoldaten zu ersetzen. Das Center for Strategic and International Studies, CSIS, schätzte im Juli, Russland habe 2026 monatlich etwa 27.000 neue Soldaten gewonnen. Gleichzeitig bezifferte das Institut die monatlichen russischen Verluste, also Tote und Verwundete zusammen, auf mehr als 30.000.

Das Institute for the Study of War, ISW, verwies unter Berufung auf russische und ukrainische Angaben auf ein Rekrutierungsziel von rund 409.000 Vertragssoldaten für 2026. Diese Zahlen entsprechen nicht Selenskyjs Behauptung einer bevorstehenden Mobilisierung, zeigen aber den hohen Personalbedarf der russischen Streitkräfte. Die verschiedenen Verlustangaben verwenden zudem unterschiedliche Definitionen und sind deshalb nur begrenzt vergleichbar.

Prämien und Vorgaben für Unternehmen sollen Rekruten bringen

Russland versucht seit Jahren, eine weitere große Mobilisierungswelle durch finanzielle Anreize zu vermeiden. Reuters dokumentierte im Frühjahr 2026 Rekrutierungsprogramme mit hohen Einmalzahlungen, laufenden Gehältern und zusätzlichen Leistungen. Einige Universitäten warben gezielt Studenten für neue Drohneneinheiten. Je nach Region und Programm konnten die angebotenen Gesamtzahlungen mehrere Millionen Rubel erreichen.

In der Region Rjasan wurden Unternehmen zugleich verpflichtet, Zielzahlen für die Gewinnung neuer Vertragssoldaten festzulegen. Kleinere Firmen sollten nach einem regionalen Erlass zwei Rekruten stellen, größere Unternehmen entsprechend mehr. Ob und welche Sanktionen bei Nichterfüllung vorgesehen waren, blieb offen. Berichte über Druck auf Studenten oder Beschäftigte ließen sich nicht in allen Fällen unabhängig bestätigen.

Auch ausländische Soldaten ergänzen Russlands Personal

Zusätzlich zu russischen Vertragssoldaten setzt Moskau seit Beginn des Krieges auf ausländische Rekruten. Fälle sind unter anderem aus Indien, Nepal, Sri Lanka und mehreren afrikanischen Staaten dokumentiert. Regierungen dieser Länder berichteten teilweise, Bürger seien mit hohen Löhnen angeworben oder unter falschen Vorstellungen nach Russland gebracht worden. Russland erklärte dagegen wiederholt, ausländische Vertragssoldaten hätten freiwillig unterschrieben.

Eine besondere Rolle nimmt Nordkorea ein. Bereits seit 2024 wurden nordkoreanische Soldaten in Russland eingesetzt. Selenskyj erklärte Anfang August, nach seinen Informationen könnten künftig insgesamt 30.000 bis 50.000 nordkoreanische Soldaten in Russland stationiert werden. Auch diese Größenordnung ist bislang nicht unabhängig bestätigt.

Mobilmachung und Vertragsrekrutierung sind nicht dasselbe

Eine offizielle Mobilmachung bedeutet, dass der Staat Reservisten auf Grundlage eines staatlichen Einberufungsverfahrens zum Militärdienst verpflichtet. Russland ordnete eine solche Teilmobilmachung am 21. September 2022 an. Der damalige Verteidigungsminister Sergej Schoigu nannte ein Ziel von 300.000 Reservisten. Ende Oktober 2022 erklärte Moskau die Einberufungsaktion für abgeschlossen.

Seitdem hat Russland vor allem auf Vertragssoldaten, finanzielle Anreize, Gefängnisinsassen, Migranten und ausländische Rekruten gesetzt. Diese fortlaufende Personalgewinnung wird häufig als verdeckte oder schleichende Mobilisierung bezeichnet, ist juristisch und organisatorisch aber von einer neuen offiziellen Einberufungswelle zu unterscheiden. Eine zweite landesweite Mobilmachung wie 2022 ist bis heute nicht offiziell angekündigt worden.

Front bleibt vor allem im Osten stark umkämpft

Militärisch konzentrieren sich die schwersten Kämpfe weiterhin auf den Osten und Südosten der Ukraine. Russland versucht insbesondere in der Region Donezk weiter vorzurücken und Druck auf die ukrainischen Verteidigungslinien im Raum Pokrowsk, Kostjantyniwka, Kramatorsk und Slowjansk auszuüben. Das ISW berichtete zuletzt zugleich von ukrainischen Gegenangriffen, die russische Vorstöße in mehreren Abschnitten verlangsamt hätten.

CSIS kam im Juli zu dem Ergebnis, dass die russischen Geländegewinne trotz hoher Verluste vergleichsweise langsam erfolgen. Im Frühjahr 2026 verlor Russland dem Institut zufolge zeitweise sogar mehr Gelände, als seine Truppen neu einnahmen. Die Front bleibt jedoch dynamisch. Meldungen über einzelne Ortschaften können sich innerhalb kurzer Zeit ändern und werden von beiden Kriegsparteien häufig unterschiedlich dargestellt.

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