
Nordkorea hat am Mittwoch erneut eine ballistische Rakete abgefeuert. Der Raketentest Nordkorea erfolgte nach Angaben des südkoreanischen Generalstabs gegen 6 Uhr Ortszeit aus dem Raum Wonsan an der Ostküste des Landes. Das Geschoss flog in Richtung des Meeres zwischen der Koreanischen Halbinsel und Japan. Südkorea und Japan bezifferten die zurückgelegte Strecke auf rund 700 Kilometer. Das japanische Verteidigungsministerium gab eine maximale Flughöhe von ungefähr 90 Kilometern an. Die Rakete ging außerhalb der japanischen ausschließlichen Wirtschaftszone nieder. Hinweise auf Schäden an Flugzeugen oder Schiffen gab es zunächst nicht.
Welches Raketensystem Nordkorea am Mittwoch getestet hat, war zunächst nicht geklärt. Der südkoreanische Generalstab bezeichnete das Geschoss anders als beim Test vom 6. August nicht ausdrücklich als Kurzstreckenrakete und erklärte, die technischen Eigenschaften würden noch ausgewertet. Spekulationen von Experten über einzelne nordkoreanische Waffensysteme sind deshalb bislang nicht bestätigt.
Japan gab die Flugstrecke mit etwa 690 Kilometern und die maximale Höhe mit rund 90 Kilometern an. Verteidigungsminister Shinjiro Koizumi erklärte, Japan habe über seine diplomatischen Kanäle in Peking scharf gegen den Start protestiert und Nordkoreas Vorgehen verurteilt. Die japanische Regierung wertet die fortgesetzte Entwicklung ballistischer Raketen als Bedrohung für die Sicherheit des Landes.
Bereits am 6. August hatte das südkoreanische Militär einen Raketenstart aus dem Gebiet Wonsan registriert. Damals wurde das Geschoss als ballistische Kurzstreckenrakete eingestuft. Der Start erfolgte gegen 17 Uhr Ortszeit in Richtung Ostmeer. Nordkoreas Staatsmedien veröffentlichten anschließend keine Angaben zu diesem Test.
Nach südkoreanischer Zählung handelt es sich beim Start vom Mittwoch um den elften mutmaßlichen Test ballistischer Raketen Nordkoreas im Jahr 2026. Dabei bezeichnet die Zahl Testvorgänge und nicht zwingend die Gesamtzahl aller einzelnen abgefeuerten Flugkörper. Pjöngjang hat in diesem Jahr daneben unter anderem Artillerieraketen und andere taktische Waffensysteme erprobt.
Das Nationale Sicherheitsbüro Südkoreas berief nach dem jüngsten Start eine Dringlichkeitssitzung ein. Nach Angaben aus Seoul verurteilten die Teilnehmer die fortgesetzten Starts ballistischer Raketen und forderten Nordkorea auf, Verstöße gegen Resolutionen des UN-Sicherheitsrates einzustellen. Das südkoreanische Militär erklärte zugleich, gemeinsam mit den Vereinigten Staaten eine hohe Einsatzbereitschaft aufrechtzuerhalten.
Das US-Indopazifikkommando erklärte, die Vereinigten Staaten stünden in engem Austausch mit Verbündeten und Partnern. Nach der ersten amerikanischen Bewertung habe der Start keine unmittelbare Gefahr für US-Personal, amerikanisches Territorium oder die Verbündeten der USA dargestellt. Washington bekräftigte seine Verteidigungszusagen in der Region. Eine gesonderte, belastbar dokumentierte Reaktion der chinesischen Regierung auf den Start vom Mittwoch lag zunächst nicht vor.
Der Raketenstart erfolgt unmittelbar vor dem jährlichen amerikanisch-südkoreanischen Großmanöver „Ulchi Freedom Shield“. Die Übung soll am 17. August beginnen und bis zum 27. August dauern. Nach Angaben der südkoreanischen Streitkräfte werden etwa 18.000 südkoreanische Soldaten beteiligt sein. Hinzu kommen US-Kräfte. Die genaue Zahl der amerikanischen Teilnehmer wurde bei der Ankündigung nicht genannt.
Das Training umfasst reale Übungen im Gelände ebenso wie virtuelle und simulierte Szenarien. Die Streitkräfte wollen nach eigenen Angaben gemeinsame Operationen in mehreren militärischen Bereichen trainieren und dabei auch Erkenntnisse aus jüngeren Konflikten berücksichtigen. Seoul und Washington bezeichnen das Manöver als defensiv. Nordkorea kritisiert die gemeinsamen Übungen seit Jahren als Vorbereitung auf einen Angriff.
Parallel zu den Spannungen auf der Koreanischen Halbinsel veröffentlichten die Vereinigten Staaten am 11. August gemeinsam mit 40 weiteren Staaten eine Erklärung zur Vorankündigung bestimmter Raketenstarts. Zu den Unterzeichnern gehören unter anderem Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Japan, Südkorea, Australien, Kanada und die USA. Die Erklärung richtet sich nicht ausschließlich an Nordkorea.
Die 41 Staaten fordern Länder insbesondere bei Starts von Interkontinentalraketen, U-Boot-gestützten ballistischen Raketen und Weltraumträgern auf, betroffene Staaten mindestens 24 Stunden vorher zu informieren. Genannt werden unter anderem Angaben zur allgemeinen Raketenklasse, zum geplanten Startzeitraum, zum Startgebiet und zur Flugrichtung. Außerdem sollen nach internationalen Standards Warnungen für die zivile Luftfahrt und die Schifffahrt herausgegeben werden. Nicht ausreichend angekündigte Tests nuklearwaffenfähiger Raketen erhöhten nach Auffassung der Unterzeichner das Risiko von Fehlkalkulationen und gefährdeten die internationale Sicherheit.
Nordkoreas Raketenprogramm unterliegt seit Jahren Beschränkungen des UN-Sicherheitsrates. Resolution 1718 aus dem Jahr 2006 verlangte bereits die Einstellung des nordkoreanischen Programms für ballistische Raketen. Spätere Resolutionen verschärften und erweiterten die Sanktionen. Der Sicherheitsrat hat ausdrücklich festgelegt, dass Nordkorea keine weiteren Starts unter Verwendung ballistischer Raketentechnologie durchführen soll.
Das bestehende Sanktionssystem stützt sich unter anderem auf die Resolutionen 1718, 1874, 2087, 2094, 2270, 2321, 2356, 2371, 2375 und 2397. Neben Beschränkungen für das Raketen- und Atomprogramm umfassen sie Finanz-, Handels- und Einfuhrmaßnahmen. Die politischen Möglichkeiten des Sicherheitsrates für zusätzliche Maßnahmen sind allerdings seit Jahren durch gegensätzliche Positionen seiner ständigen Mitglieder begrenzt. Die bestehenden Verbote sind dadurch nicht aufgehoben.
Der zweite ballistische Raketenstart innerhalb von sechs Tagen fällt in eine Phase intensiver militärischer Aktivitäten in Nordostasien. Südkorea und die USA bereiten ihr größtes reguläres Sommermanöver vor, Japan baut seine Verteidigungsfähigkeiten aus und Nordkorea setzt die Entwicklung verschiedener Raketenklassen fort.
Welche technischen Erkenntnisse Pjöngjang aus dem jüngsten Start gewinnen wollte, war zunächst nicht bekannt. Nordkorea hatte den Test bis Mittwochmorgen nicht öffentlich erläutert. Auch deshalb lässt sich aus den bestätigten Flugdaten nicht sicher ableiten, welches System eingesetzt wurde. Fest steht dagegen, dass Seoul, Tokio und Washington ihre militärische Abstimmung fortsetzen und den Start als weiteren Verstoß gegen die für Nordkorea geltenden UN-Vorgaben bewerten.
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