
Europa gerät außen- und sicherheitspolitisch zunehmend unter Druck: Während die USA unter Präsident Donald Trump einen konfrontativen Kurs verfolgen, dauert Russlands Krieg gegen die Ukraine an. Über die Folgen für Deutschland und die Europäische Union diskutiert Maybrit Illner am Donnerstagabend, 23. Juli 2026, mit sechs Gästen aus Politik, Wissenschaft und Journalismus.
Die neue Ausgabe von „maybrit illner“ beginnt um 22:15 Uhr im ZDF. Das Thema lautet: „Zwischen Trump und Putin – wird Europa zerrieben?“ Die Sendung läuft im Anschluss an das „heute journal“ und ist bis 23:15 Uhr eingeplant. Das ZDF bietet die Diskussion außerdem mit Untertiteln sowie im Streaming-Portal mit Deutscher Gebärdensprache an.
Im Mittelpunkt steht die Frage, wie handlungsfähig Europa zwischen den Vereinigten Staaten und Russland noch ist. Nach Angaben des ZDF geht es dabei sowohl um den Krieg gegen die Ukraine als auch um die militärische Eskalation im Iran. Die europäischen Staaten seien von den wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Folgen unmittelbar betroffen, spielten bei der Lösung der Konflikte bislang aber nur eine begrenzte Rolle.
Die Sendung greift unter anderem die Auswirkungen der Blockade der Straße von Hormus auf. Diese wichtige Schifffahrtsroute ist für den weltweiten Energiehandel von großer Bedeutung. Störungen können deshalb höhere Ölpreise, steigende Kraftstoffkosten und zusätzlichen Inflationsdruck auslösen. Das ZDF verbindet diese wirtschaftliche Dimension mit der politischen Frage, ob Europa den Kurs der US-Regierung weiter unterstützen soll oder eigene Interessen stärker verfolgen muss.
Zugleich richtet sich der Blick auf das Verhältnis zu Russland. Die europäischen Staaten unterstützen die Ukraine politisch, finanziell und militärisch, sind bei ihrer Verteidigung aber weiterhin in hohem Maße auf die USA angewiesen. Zur Debatte steht daher, ob die Europäische Union schnell genug eigene militärische Fähigkeiten entwickeln kann.
Für die heutige Ausgabe hat das ZDF sechs Gäste aus unterschiedlichen politischen und fachlichen Bereichen angekündigt. An der Diskussion nehmen teil:
Armin Laschet von der CDU, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag
Sergey Lagodinsky von Bündnis 90/Die Grünen, stellvertretender Vorsitzender der Grünen/EFA-Fraktion im Europäischen Parlament
Gregor Gysi von der Linken, Bundestagsabgeordneter und früherer außenpolitischer Sprecher seiner Fraktion
Rüdiger Lucassen von der AfD, ehemaliger Oberst der Bundeswehr und früherer verteidigungspolitischer Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion
Liana Fix, Historikerin und Politikwissenschaftlerin sowie Europa-Expertin beim Council on Foreign Relations
Annett Meiritz, internationale Korrespondentin des „Handelsblatts“
Die Gästeliste wurde in einer aktualisierten Mitteilung des ZDF veröffentlicht. Dort wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass eine zuvor versandte Fassung der Ankündigung nicht mehr gültig ist. Auch die aktuelle Übersicht bei Prisma nennt diese sechs Teilnehmer.
Die Zusammensetzung der Runde lässt eine kontroverse Diskussion erwarten. Armin Laschet und Sergey Lagodinsky vertreten Parteien, die grundsätzlich für eine enge europäische Zusammenarbeit und die Unterstützung der Ukraine stehen. Unterschiede können sich jedoch bei der Frage ergeben, wie Europa mit der Trump-Regierung umgehen und welche Verantwortung Deutschland militärisch übernehmen soll.
Gregor Gysi vertritt traditionell eine skeptischere Position gegenüber militärischer Aufrüstung und Waffenlieferungen. Rüdiger Lucassen bringt neben der Perspektive der AfD auch seine Erfahrung als früherer Bundeswehroffizier ein. Seine Partei vertritt in der Außen- und Sicherheitspolitik einen deutlich anderen Kurs als CDU, Grüne und die aktuelle Bundesregierung.
Liana Fix soll die politischen Entwicklungen aus wissenschaftlicher Sicht einordnen. Als Expertin für europäische Sicherheits- und Russlandpolitik kann sie erklären, welche strategischen Möglichkeiten die EU besitzt und wo weiterhin Abhängigkeiten von den USA bestehen. Annett Meiritz ergänzt die Runde um eine journalistische und wirtschaftspolitische Perspektive.
Eine zentrale Frage des Abends lautet, ob Europa seine eigene Sicherheit auch ohne verlässliche Unterstützung aus Washington gewährleisten könnte. Die europäischen NATO-Staaten haben ihre Verteidigungsausgaben in den vergangenen Jahren deutlich erhöht. Dennoch fehlen in mehreren Bereichen weiterhin gemeinsame Strukturen und militärische Kapazitäten.
Dazu gehören unter anderem Luftverteidigung, Aufklärung, Transportmöglichkeiten, Satellitentechnik und eine abgestimmte Rüstungsproduktion. Auch außenpolitisch tritt die Europäische Union nicht immer geschlossen auf. Unterschiedliche Interessen der Mitgliedstaaten erschweren gemeinsame Entscheidungen zu Russland, der Ukraine, dem Iran und den Beziehungen zu den USA.
Die Diskussion bei Maybrit Illner dürfte deshalb nicht nur um höhere Verteidigungsausgaben kreisen. Ebenso wichtig ist die Frage, ob die europäischen Regierungen zu einer gemeinsamen außenpolitischen Linie fähig sind. Militärische Unabhängigkeit setzt schließlich auch voraus, dass Europa politische Entscheidungen schneller und verbindlicher treffen kann.
Die Sendung am 23. Juli ist die letzte reguläre Ausgabe von „maybrit illner“ vor der Sommerpause. Danach übernimmt ab dem 30. Juli donnerstags das neue Talkformat „Sarah Tacke“ den Sendeplatz um 22:15 Uhr. Maybrit Illner kehrt nach der Pause am Donnerstag, 3. September 2026, ins ZDF-Programm zurück.
Die heutige Ausgabe läuft von 22:15 bis 23:15 Uhr im ZDF. Im Zentrum steht damit eine der wichtigsten sicherheitspolitischen Debatten der Gegenwart: Wie kann Europa seine Interessen zwischen einer unberechenbarer auftretenden US-Regierung und dem anhaltenden Druck aus Russland vertreten?
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