
Die deutsche Wirtschaft kommt nach Einschätzung des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung auch 2026 kaum aus der Schwächephase heraus. Die neue Konjunkturprognose 2026 des Sachverständigenrats sieht nur noch ein preisbereinigtes Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 0,5 Prozent. Im Jahresgutachten 2025 hatten die Fachleute für 2026 noch mit 0,9 Prozent gerechnet.
Für 2027 prognostiziert das Gremium ein Wachstum von 0,8 Prozent. Zugleich rechnen die Fachleute mit einer deutlich höheren Inflation als im Vorjahr. Die Verbraucherpreise sollen 2026 im Jahresdurchschnitt um 3,0 Prozent steigen, 2027 dann um 2,8 Prozent.
Der Sachverständigenrat begründet die schwächere Prognose vor allem mit den Folgen des Iran-Kriegs und den stark gestiegenen Preisen für fossile Energieträger. Höhere Energiepreise verteuern Produktion, Transport und Konsum. Für Deutschland bedeutet das eine Belastung auf mehreren Ebenen: Unternehmen haben höhere Kosten, private Haushalte verlieren Kaufkraft, Investitionen werden zurückgestellt.
Besonders deutlich wirkt sich der Energiepreisschock auf den privaten Konsum aus. Wenn Strom, Gas, Kraftstoffe und andere energieabhängige Güter teurer werden, bleibt vielen Haushalten weniger Spielraum für andere Ausgaben. Damit fällt ein wichtiger Wachstumstreiber schwächer aus.
Nach der Prognose des Sachverständigenrats dürfte die Inflation 2026 im Jahresdurchschnitt bei 3,0 Prozent liegen. Für 2027 erwartet das Gremium 2,8 Prozent. Damit bleibt der Preisdruck höher, als es für eine breite konjunkturelle Erholung günstig wäre.
Die Kerninflation, also die Teuerung ohne besonders schwankungsanfällige Komponenten, soll 2026 bei 2,4 Prozent liegen und 2027 auf 2,9 Prozent steigen. Das deutet darauf hin, dass sich höhere Kosten nicht nur kurzfristig bei Energie zeigen, sondern verzögert auch in anderen Bereichen ankommen können.
Trotz der schwachen Aussichten rechnet der Sachverständigenrat nicht mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung. Ein Grund dafür sind höhere öffentliche Ausgaben. Dazu zählen vor allem staatlicher Konsum sowie Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung.
Diese Impulse können die Konjunktur stabilisieren, lösen nach Einschätzung der Fachleute aber nicht die tieferliegenden Probleme der deutschen Wirtschaft. Die Prognose zeigt deshalb ein gemischtes Bild: Ohne staatliche Unterstützung wäre die wirtschaftliche Dynamik noch schwächer, zugleich bleibt der private Sektor unter Druck.
Die Wirtschaftsweisen sehen die deutsche Schwäche nicht nur als kurzfristige Folge von Energiepreisen und geopolitischen Risiken. Sie verweisen auch auf strukturelle Ursachen: schwache Industrieproduktion, rückläufige private Investitionen, demografische Belastungen und wachsender internationaler Wettbewerbsdruck.
Besonders die Exportwirtschaft steht unter Druck. Die deutschen Warenexporte sind nach Angaben des Sachverständigenrats bereits mehrere Jahre in Folge gesunken. Gleichzeitig nimmt die Konkurrenz aus China in klassischen deutschen Industriebranchen zu, darunter im Maschinenbau.
Die Bundesregierung hatte ihre eigene Erwartung für 2026 bereits auf 0,5 Prozent Wachstum gesenkt. Damit liegt sie beim Wachstum inzwischen auf einer Linie mit dem Sachverständigenrat. Bei der Inflation fällt die Regierungsprognose allerdings etwas niedriger aus: Sie erwartet für 2026 eine Teuerungsrate von 2,7 Prozent und für 2027 von 2,8 Prozent.
Die neue Einschätzung der Wirtschaftsweisen verstärkt den wirtschaftspolitischen Druck. Deutschland wächst nur langsam, während Energiepreise, Abgabenlast, Investitionsschwäche und internationale Konkurrenz gleichzeitig auf Unternehmen und Verbraucher wirken.
Neben der Konjunkturprognose widmet sich das Frühjahrsgutachten auch den Sozialversicherungen. Der Sachverständigenrat warnt vor einem deutlichen Anstieg der Beitragssätze. Für 2026 nennt das Gutachten einen Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz von 42,3 Prozent der beitragspflichtigen Einnahmen. Bis 2040 könnte dieser Wert demnach auf fast 50 Prozent steigen.
Ein solcher Anstieg hätte Folgen für Arbeitnehmer und Unternehmen. Beschäftigte hätten weniger verfügbares Nettoeinkommen, Betriebe müssten höhere Arbeitskosten schultern. Die Fachleute sehen deshalb Reformbedarf bei Ausgaben, Einnahmenbasis und langfristiger Finanzierung.
Die Prognose des Sachverständigenrats zeichnet ein verhaltenes Bild der deutschen Wirtschaft. Für 2026 bleibt nur ein kleines Wachstum, während die Inflation wieder deutlich über zwei Prozent liegt. Der Iran-Krieg und die Energiepreise bremsen die Erholung, die strukturellen Schwächen machen sie zusätzlich anfällig.
Für Verbraucher bedeutet das weiter steigende Preise und begrenzte Entlastung. Für Unternehmen bleibt das Umfeld unsicher, vor allem wegen Energie, Investitionskosten, internationaler Konkurrenz und schwacher Nachfrage. Die deutsche Wirtschaft wächst zwar noch, doch der Aufschwung fällt deutlich schwächer aus als zuvor erwartet.
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