Kaufbeurer Traditionsbrauerei rettet Produktion und baut Jobs ab

Ein multikulturelles Restaurant an der Wolbecker Straße in Münster schließt nach acht Jahren. Warum das Konzept endet – und wie es am Standort weitergeht.
Symbolbild: Evan Wise

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Die mehr als 700 Jahre alte Aktienbrauerei Kaufbeuren steht vor einem tiefgreifenden Umbau. Das Insolvenzverfahren über die operative ABK Betriebsgesellschaft der Aktienbrauerei Kaufbeuren GmbH ist in Eigenverwaltung eröffnet worden. Der Braubetrieb in Kaufbeuren soll weiterlaufen, zugleich wird die Belegschaft erheblich verkleinert. Künftig sollen am Produktionsstandort noch 38 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt sein.

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Damit zeichnet sich für die Aktienbrauerei Kaufbeuren in Insolvenz erstmals ein konkreter Weg für die Fortführung des Geschäfts ab. Der bisherige Mehrheitsgesellschafter ROKiT hat dem Sanierungskonzept zugestimmt. Nach Angaben des Unternehmens wurden auch die für dessen Umsetzung erforderlichen finanziellen Mittel bereitgestellt. Die Produktion der Biere und weiterer Getränke soll im bisherigen Umfang aufrechterhalten werden.

38 Beschäftigte sollen am Standort bleiben

Der Personalabbau gehört zu den zentralen Bestandteilen der Restrukturierung. Als das vorläufige Eigenverwaltungsverfahren im Juni eingeleitet wurde, waren nach damaligen Unternehmensangaben 84 Beschäftigte betroffen. Nach dem nun beschlossenen Konzept sollen künftig 38 Stellen bestehen bleiben. Damit entfällt rechnerisch mehr als die Hälfte der damaligen Arbeitsplätze.

Für die Beschäftigten, deren Arbeitsplätze wegfallen, ist der Wechsel in eine Transfergesellschaft vorgesehen. Solche Gesellschaften sollen Arbeitnehmern nach größeren betrieblichen Einschnitten den Übergang in neue Beschäftigung erleichtern und können unter anderem Qualifizierung und Unterstützung bei der Arbeitssuche anbieten.

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Sanierungsgeschäftsführer Volker P. Zimmerer bleibt während des Eigenverwaltungsverfahrens im Amt und führt die Geschäfte weiter. Als gerichtlich bestellter Sachwalter begleitet Olaf Spiekermann das Verfahren. Anders als bei einem regulären Insolvenzverfahren bleibt die Unternehmensleitung bei einer Eigenverwaltung grundsätzlich handlungsfähig, steht dabei aber unter insolvenzrechtlicher Aufsicht.

Braubetrieb in Kaufbeuren soll vollständig erhalten bleiben

Der eigentliche Braustandort in Kaufbeuren soll von der Verkleinerung nicht grundsätzlich infrage gestellt werden. Nach dem Sanierungskonzept wird die Produktion fortgesetzt. Das gilt neben den klassischen Biersorten auch für weitere Getränke aus dem Sortiment des Unternehmens.

Verändert werden sollen dagegen Teile der betrieblichen Organisation. Die Belieferung von Gaststätten, Veranstaltungen und Handelskunden soll teilweise durch bestehende Geschäfts- und Handelspartner übernommen werden. Damit will das Unternehmen seine Strukturen verschlanken und Kosten reduzieren, ohne die Produktion in Kaufbeuren einzustellen.

Von dem Insolvenzverfahren betroffen ist die ABK Betriebsgesellschaft der Aktienbrauerei Kaufbeuren GmbH. Sie ist vom börsennotierten Unternehmen Aktienbrauerei Kaufbeuren AG rechtlich zu unterscheiden. Die AG hält eine Beteiligung an der Betriebsgesellschaft. Bereits in ihrem Geschäftsbericht war die wirtschaftliche Entwicklung der operativen Gesellschaft als unbefriedigend bezeichnet und ein umfassendes Sanierungskonzept als notwendig eingestuft worden.

Brauereigeschichte reicht bis ins Jahr 1308 zurück

Die Kaufbeurer Brautradition reicht nach Unternehmensangaben bis 1308 zurück. Die Brauerei bezeichnet sich heute als letzte Vertreterin dieser jahrhundertealten örtlichen Braugeschichte. Damit gehört der Standort zu den traditionsreichsten Brauereien Deutschlands.

Die lange Geschichte schützt das Unternehmen allerdings nicht vor den wirtschaftlichen Veränderungen auf dem deutschen Biermarkt. Die Branche kämpft seit Jahren mit einem strukturellen Absatzrückgang. Gleichzeitig sind Kosten für Energie, Rohstoffe, Personal und Logistik für viele Betriebe zu einer zunehmenden Belastung geworden. Auch im Umfeld der ABK-Sanierung wurden hohe Energiekosten als ein Faktor der wirtschaftlichen Schwierigkeiten genannt. Eine konkrete Bezifferung der zusätzlichen Energiekosten des Unternehmens lag zunächst nicht vor.

Deutschlands Biermarkt schrumpft deutlich

Die Probleme in Kaufbeuren treffen auf einen ohnehin schwierigen Branchenmarkt. Deutsche Brauereien und Bierlager setzten 2025 rund 7,8 Milliarden Liter Bier ab. Das waren 6,0 Prozent weniger als ein Jahr zuvor und der stärkste Rückgang seit Beginn der entsprechenden Statistik im Jahr 1993. Gegenüber 2015 lag der Absatz sogar um 18,9 Prozent niedriger.

Auch die Zahl der Brauereien nimmt wieder deutlich ab. Im Jahr 2025 gab es in Deutschland noch 1.415 Brauereien. Ein Jahr zuvor waren es 1.468. Gegenüber dem Höchststand von 2019 verschwanden damit 137 Brauereien aus der Statistik. Besonders stark war der Rückgang in Bayern, obwohl der Freistaat mit 588 Betrieben weiterhin das wichtigste deutsche Brauereiland ist.

Für regionale und mittelständische Anbieter verschärft diese Entwicklung den Wettbewerbsdruck. Sinkende Mengen verteilen fixe Kosten auf weniger verkaufte Getränke. Gleichzeitig müssen viele Unternehmen weiterhin in energieintensive Anlagen, Abfüllung, Kühlung und Logistik investieren. Gerade bei älteren Produktionsstandorten können notwendige Modernisierungen zusätzliche Belastungen erzeugen.

Sanierung setzt auf kleinere Strukturen

In Kaufbeuren soll deshalb eine deutlich kleinere Organisation die Grundlage für die weitere Geschäftstätigkeit bilden. Der Braubetrieb bleibt erhalten, während Verwaltung, Vertrieb und Logistik teilweise neu organisiert oder stärker mit externen Partnern abgewickelt werden.

Mit der Zustimmung des Mehrheitsgesellschafters und der Bereitstellung der Finanzierung ist ein wichtiger Teil des Sanierungsplans abgesichert. Das Insolvenzverfahren selbst ist damit allerdings noch nicht abgeschlossen. Es dient nun dazu, die Restrukturierung unter gerichtlicher Aufsicht umzusetzen und die wirtschaftliche Grundlage des Betriebs neu zu ordnen.

Für Kaufbeuren bedeutet der Plan zunächst zweierlei: Die jahrhundertealte Bierproduktion bleibt am Standort bestehen, gleichzeitig verliert ein erheblicher Teil der bisherigen Belegschaft seinen Arbeitsplatz. Ob die deutlich verkleinerte Struktur ausreicht, um die Brauerei langfristig wirtschaftlich zu stabilisieren, hängt wesentlich davon ab, ob Kosten und Absatz künftig wieder in ein tragfähiges Verhältnis gebracht werden können.

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