ADAC testet Winterreifen: Bei Kleinwagen überzeugen nur zwei

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Wer vor dem Winter neue Reifen benötigt, sollte nicht allein auf Preis, Marke oder Schneeeigenschaften achten. Der ADAC Winterreifentest 2026 zeigt erhebliche Unterschiede zwischen den geprüften Modellen. Besonders schwach fällt das Ergebnis bei der verbreiteten Kleinwagengröße 185/65 R15 aus. Von 16 Reifen erreichen lediglich der Continental WinterContact TS 870 und der Michelin Alpin 7 das Gesamturteil „gut“. Neun Modelle werden vom Automobilclub nicht empfohlen. In der ebenfalls getesteten Dimension 225/50 R17 für viele Mittelklassefahrzeuge sieht die Bilanz etwas besser aus, allerdings erhalten auch dort sechs von 16 Reifen nur die Note „mangelhaft“.

Insgesamt umfasst der am 22. September veröffentlichte Winterreifentest 32 Modelle aus zwei Größenklassen. Geprüft wurden Fahrverhalten und Bremsleistung auf trockener und nasser Straße sowie auf Schnee und Eis. Zusätzlich fließen Eigenschaften wie Laufleistung, Reifenabrieb, Effizienz, Geräusch und weitere Nachhaltigkeitsaspekte in die Bewertung ein.

Continental und Michelin führen bei Kleinwagenreifen

Testsieger in der Dimension 185/65 R15 ist der Continental WinterContact TS 870 mit der Gesamtnote 2,2. Seine Fahrsicherheit bewertet der ADAC mit 2,0. Das Modell erreicht sowohl auf trockener und nasser Straße als auch unter winterlichen Bedingungen ausgewogene Ergebnisse. Die Umweltbilanz bekommt die Note 2,8.

Auf Rang zwei folgt der Michelin Alpin 7 mit der Gesamtnote 2,5. Die Fahrsicherheit wird mit 2,3 bewertet, die Umweltbilanz mit 2,9. Damit sind diese beiden Produkte die einzigen der 16 getesteten Kleinwagenreifen, die noch innerhalb des ADAC-Notenbereichs „gut“ von 1,6 bis 2,5 liegen.

Fünf weitere Modelle schaffen ein „befriedigend“. Der Hankook Winter i*cept RS3 und der Linglong Sport Master Winter kommen jeweils auf 3,1. Dahinter folgen der Optimo Winter Touring OW41 mit 3,2, der Goodyear UltraGrip Performance 3 mit 3,3 und der GT Radial WinterPro2 Evo mit 3,5.

Neun von 16 Kleinwagenreifen werden nicht empfohlen

Deutlich größer ist die Gruppe am unteren Ende des Testfelds. Sechs Reifen erhalten lediglich die Gesamtnote „ausreichend“: Bridgestone Blizzak LM 005, Nokian Tyres Snowproof 2, Vredestein Wintrac und Barum Polaris 6 erreichen jeweils 3,8. Der Kumho WinterCraft WP52+ und der Viking WinTech NewGen kommen jeweils auf 3,9.

Noch schlechter schneiden drei Modelle ab. Der Sunny Winter-max NW611 erhält die Gesamtnote 4,8. Der Atlas Polarbear HP und der Rockblade Rock 868S landen jeweils bei 5,5. Alle drei werden damit als „mangelhaft“ bewertet. Entscheidend sind nach den Testergebnissen Schwächen bei der Fahrsicherheit.

Wie stark sich die Eigenschaften unterscheiden können, zeigt der Bremstest auf nasser Straße. Wenn der Testwagen mit einem besonders gut bremsenden Reifen bereits zum Stillstand gekommen war, fuhr dasselbe Fahrzeug mit Sunny, Atlas oder Rockblade noch mit einer Geschwindigkeit zwischen 38 und 47 Kilometern pro Stunde weiter. Gleichzeitig zeigen einige der schwachen Modelle durchaus gute Leistungen auf Schnee und Eis. Das unterstreicht, weshalb eine einzelne gute Eigenschaft für eine überzeugende Gesamtwertung nicht ausreicht.

Auch sechs Mittelklasse-Reifen fallen durch

Besser, aber keineswegs einheitlich, fällt das Ergebnis in der Dimension 225/50 R17 aus. Hier erhalten vier von 16 Modellen die Gesamtnote „gut“. Testsieger ist der Pirelli Cinturato Winter 3 mit 2,2. Dahinter folgen der Continental WinterContact TS 870 mit 2,3, der Goodyear UltraGrip Performance 3 mit 2,4 und der Michelin Alpin 7 mit 2,5.

Sechs weitere Reifen erreichen „befriedigende“ Werte zwischen 2,6 und 3,1. Sechs Produkte fallen dagegen mit „mangelhaft“ durch: Falken Eurowinter HS02 Pro mit 4,8, Toyo Tires Observe EWS1 mit 5,3, Tracmax Ice-Plus S210 und Aptany RW211 mit jeweils 5,4 sowie Royal Black Royalwinter UHP und Sunwide Snowide mit jeweils 5,5.

Gerade der Sunwide verdeutlicht das Problem stark unausgewogener Reifen. Auf Schnee erreicht er im ADAC-Test eine sehr gute Teilnote von 1,3. Auf trockener und nasser Straße zeigt das Modell dagegen erhebliche Schwächen. Beim Nassbremsen aus 80 Kilometern pro Stunde benötigt es fast zwölf Meter mehr als die besten Reifen dieser Dimension.

Fahrsicherheit bestimmt 70 Prozent der Gesamtnote

Seit 2023 setzt sich das ADAC-Gesamturteil zu 70 Prozent aus der Fahrsicherheit und zu 30 Prozent aus der Umweltbilanz zusammen. Bei Winterreifen wiederum fließen trockene Fahrbahn mit 30 Prozent, nasse Fahrbahn mit 40 Prozent und winterliche Bedingungen mit 30 Prozent in die Bewertung der Fahrsicherheit ein.

Auf trockener Straße werden unter anderem Fahrverhalten, Verhalten im Grenzbereich und Bremsweg geprüft. Auf nasser Fahrbahn kommen Aquaplaning, Handling und Seitenführung hinzu. Auf Schnee untersucht der ADAC Bremsen, Traktion und Handling, auf Eis die Bremsleistung.

Zur Umweltbilanz gehören zu 40 Prozent die prognostizierte Laufleistung, zu 20 Prozent der Reifenabrieb und zu weiteren 20 Prozent die Effizienz. Geräusch und Nachhaltigkeitsaspekte machen jeweils zehn Prozent aus. Dadurch kann ein langlebiger und effizienter Reifen Vorteile erzielen, solange er zugleich die notwendigen Sicherheitsanforderungen erfüllt.

Bei der Haltbarkeit fällt zudem ein deutlicher Unterschied zwischen den beiden Größen auf. Die Kleinwagenreifen erreichen laut ADAC durchschnittlich eine prognostizierte Laufleistung von rund 31.000 Kilometern. Beim Bridgestone Blizzak LM 005 werden lediglich rund 22.000 Kilometer erwartet. Die Reifen der Mittelklasse-Dimension kommen im Durchschnitt auf mehr als 45.000 Kilometer.

Das bedeutet der Test vor dem Reifenwechsel

Für Autofahrer ist zunächst entscheidend, die für das eigene Fahrzeug zugelassene Reifengröße zu prüfen. Sie findet sich unter anderem in der Zulassungsbescheinigung Teil I und im CoC-Dokument. Testergebnisse einer bestimmten Dimension können nicht ohne Weiteres auf jede andere Größe desselben Reifenmodells übertragen werden. Der ADAC nennt dafür nur begrenzte Übertragungsmöglichkeiten bei ähnlichen Abmessungen und identischer Bauart.

In Deutschland besteht keine starre Winterreifenpflicht für bestimmte Kalendermonate. Vorgeschrieben ist wintertaugliche Bereifung situativ bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch sowie Eis- oder Reifglätte. Entsprechende Reifen müssen das Alpine-Symbol mit Bergpiktogramm und Schneeflocke tragen. Reifen mit ausschließlich alter M+S-Kennzeichnung reichen bei winterlichen Straßenverhältnissen seit Oktober 2024 nicht mehr aus.

Gesetzlich sind mindestens 1,6 Millimeter Profiltiefe vorgeschrieben. Der ADAC empfiehlt für Winterreifen aus Sicherheitsgründen einen Austausch bereits bei weniger als vier Millimetern. Der aktuelle Test macht zugleich deutlich, dass die Kennzeichnung als Winterreifen allein wenig über die tatsächliche Qualität aussagt. Vor allem Bremsleistung, Fahrstabilität und Ausgewogenheit können sich von Modell zu Modell erheblich unterscheiden.

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