
Deutschlands erster Offshore-Windpark Alpha Ventus steht vor einem Eigentümerwechsel. Die Energieunternehmen EWE, RWE und Vattenfall verkaufen ihre Beteiligungen an dem Windpark in der Nordsee an Ocean Breeze Energy aus Bremen. Das Unternehmen betreibt bereits den deutlich größeren Offshore-Windpark BARD Offshore 1 und will Alpha Ventus über die ursprünglich vorgesehene Betriebsdauer hinaus nutzen.
Der Abschluss der Transaktion wird im vierten Quartal 2026 erwartet. Über den Kaufpreis und weitere finanzielle Einzelheiten haben die Beteiligten Stillschweigen vereinbart. Damit beginnt für eines der wichtigsten Pionierprojekte der deutschen Offshore-Windenergie eine neue Phase.
Alpha Ventus gehört bislang über die gemeinsame Betreibergesellschaft Deutsche Offshore-Testfeld und Infrastruktur GmbH & Co. KG, kurz DOTI, den drei Energieunternehmen EWE, RWE und Vattenfall. EWE hält 47,5 Prozent der Anteile, RWE und Vattenfall jeweils 26,25 Prozent.
Diese Beteiligungen sollen vollständig an Ocean Breeze Energy übergehen. Der Käufer hat seinen Sitz in Bremen und gehört zu 100 Prozent Fonds, die von Macquarie Asset Management verwaltet werden.
Ocean Breeze Energy ist in der deutschen Offshore-Branche bereits etabliert. Das Unternehmen besitzt und betreibt BARD Offshore 1 in der Nordsee. Der Windpark liegt rund 100 Kilometer vor der deutschen Küste und verfügt über 80 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von 400 Megawatt.
Gerade diese Erfahrung ist für die Zukunft von Alpha Ventus relevant. Ocean Breeze Energy verweist darauf, bereits seit mehr als zehn Jahren mit älterer und nicht mehr neu produzierter Windturbinentechnik zu arbeiten. Das Unternehmen sieht deshalb Möglichkeiten, auch die Anlagen von Alpha Ventus länger wirtschaftlich zu betreiben.
Der Eigentümerwechsel verändert die Perspektive für den Offshore-Windpark Alpha Ventus deutlich. Noch im Mai 2025 hatten die bisherigen Betreiber zum 15-jährigen Betriebsjubiläum erklärt, dass ein Konzept für einen umweltverträglichen Rückbau erarbeitet werde.
Alpha Ventus war ursprünglich für eine Betriebsdauer von rund 20 Jahren vorgesehen. Nach der Inbetriebnahme im Jahr 2010 hätte sich damit gegen Ende dieses Jahrzehnts zunehmend die Frage gestellt, wie lange die Anlagen weiterlaufen können und wann der Rückbau beginnt.
Ocean Breeze Energy plant nun ausdrücklich einen Betrieb über diesen Zeitraum hinaus. Eine konkrete neue Laufzeit wurde allerdings nicht genannt. Entscheidend wird sein, wie lange Anlagen, Fundamente, Kabel und weitere Infrastruktur technisch sicher und wirtschaftlich betrieben werden können und welche regulatorischen Voraussetzungen dafür erfüllt werden müssen.
Ein bereits feststehender Endtermin für Alpha Ventus wurde im Zusammenhang mit dem Verkauf nicht genannt.
Alpha Ventus liegt rund 45 Kilometer nördlich der Insel Borkum in der deutschen ausschließlichen Wirtschaftszone der Nordsee. Der Windpark besteht aus zwölf Windenergieanlagen mit jeweils fünf Megawatt Leistung. Zusammen erreicht er eine Nennleistung von 60 Megawatt.
Die vergleichsweise geringe Größe zeigt, wie stark sich die Offshore-Technik seit dem Bau des Parks entwickelt hat. Alpha Ventus war jedoch bewusst als Demonstrations- und Testprojekt angelegt. Je sechs Anlagen stammen aus zwei unterschiedlichen Baureihen und wurden auf unterschiedlichen Fundamenttypen errichtet.
Damit konnten unter realen Hochseebedingungen Erfahrungen gesammelt werden, die es in Deutschland zuvor nicht gab. Getestet wurden unter anderem Bauverfahren, Fundamente, Netzanschlüsse, Wartungskonzepte und logistische Abläufe auf See.
Die ersten Anlagen speisten bereits 2009 Strom ins Netz ein. Im April 2010 wurde Alpha Ventus offiziell in Betrieb genommen. Zwischen 2010 und April 2025 erzeugte der Windpark insgesamt 2,93 Terawattstunden Strom. Im Durchschnitt waren es rund 193 Millionen Kilowattstunden pro Jahr.
Bei seinem Bau war Alpha Ventus ein Projekt mit erheblichem technischem Neuland. Die zwölf Anlagen entstanden in rund 30 Meter tiefem Wasser weit vor der Küste. Der Windpark diente nicht nur der Stromproduktion, sondern insbesondere dazu, Erkenntnisse für den späteren Ausbau der Offshore-Windenergie zu gewinnen.
Für Planung, Errichtung und Betrieb gründeten EWE, E.ON und Vattenfall bereits 2006 die gemeinsame Projektgesellschaft DOTI. EWE erhöhte seinen Anteil später auf 47,5 Prozent. Im Zuge der Neuordnung der Energiegeschäfte von E.ON und RWE gingen die bisherigen E.ON-Anteile 2019 an RWE über.
Aus dem damaligen Versuchsprojekt entwickelte sich in Deutschland inzwischen ein eigenständiger großer Energiesektor. Moderne Offshore-Windparks besitzen ein Vielfaches der Leistung von Alpha Ventus und nutzen wesentlich leistungsstärkere Einzelanlagen.
Für Ocean Breeze Energy ist Alpha Ventus eine Ergänzung zu seinem bestehenden Offshore-Geschäft. BARD Offshore 1 liegt ebenfalls in der deutschen Nordsee und nutzt wie Alpha Ventus Anlagen der Fünf-Megawatt-Klasse.
Ocean Breeze Energy sieht deshalb Möglichkeiten, vorhandene Erfahrungen, technische Lösungen und betriebliche Strukturen auch für Alpha Ventus einzusetzen. Ob sich daraus tatsächlich ein langfristiger Betrieb über die bisher geplante Lebensdauer hinaus ergibt, hängt von den technischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen der kommenden Jahre ab.
Mit dem geplanten Eigentümerwechsel bekommt der Pionierpark jedenfalls eine andere Perspektive als noch beim 15-jährigen Jubiläum 2025. Statt eines absehbaren Übergangs zum Rückbau soll zunächst geprüft und genutzt werden, wie lange die bestehende Infrastruktur weiterhin erneuerbaren Strom erzeugen kann.
Der Vollzug des Verkaufs ist für das vierte Quartal 2026 vorgesehen. Bis dahin bleiben EWE, RWE und Vattenfall die bisherigen Eigentümer.






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