Kurz vor dem Auftritt: Alphaville und Festival streiten über politische Ansagen

Lecker aufs Land heute im SWR: Folge 104 aus dem Landkreis Rottweil
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Alphaville wird am Freitag nicht wie geplant beim Glücksgefühle-Festival auf dem Hockenheimring auftreten. Zwei Tage vor dem vorgesehenen Konzert sagte der Veranstalter den Auftritt der Band um Sänger Marian Gold ab. Über den unmittelbaren Ablauf und die Bewertung der Entscheidung vertreten beide Seiten unterschiedliche Positionen. Einig sind sie darin, dass politische Äußerungen auf der Festivalbühne der entscheidende Streitpunkt waren.

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Alphaville erhält kurzfristig Absage für Freitag

Marian Gold machte die Absage am Mittwoch, 2. September, über die offiziellen Kanäle von Alphaville öffentlich. Nach Darstellung des Sängers teilte der Veranstalter der Band mit, auf seinen Bühnen keine politischen Themen oder Äußerungen zulassen zu wollen. Deshalb werde vom geplanten Auftritt Abstand genommen. Alphaville bezeichnete diese Vorgabe als „Maulkorberlass“ und kritisierte sie als Einschränkung von Meinungs, Rede und Kunstfreiheit.

Die Veranstalterseite bestätigt, dass Alphaville nicht auftreten wird, widerspricht jedoch Golds Bewertung. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur erklärte sie, das Festival verstehe seine Bühne nicht als Plattform für politische Äußerungen. Diese Regel solle unabhängig davon gelten, welcher politischen Richtung eine Aussage zuzuordnen sei. Markus Krampe bezeichnete das Verhalten von Alphaville und Gold im Zusammenhang mit dem Streit als „inakzeptabel“.

Veranstalter verweist auf frühere Auftritte

Nach Darstellung der Veranstalter hatte Alphaville 2026 bereits bei zwei weiteren Veranstaltungen aus dem Umfeld der Markus Krampe Entertainment Group gespielt. Bei einem dieser Termine habe es mehrere politische Äußerungen gegeben. Vor einem weiteren Auftritt sei die Band deshalb gebeten worden, auf solche Aussagen zu verzichten. Diese Vorgabe sei dort eingehalten worden. Vor dem Glücksgefühle-Festival habe man die Position erneut deutlich gemacht. Eine Einigung sei diesmal nicht zustande gekommen.

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Welche beiden Veranstaltungen Krampe in seiner Erklärung konkret meinte, wurde darin nicht benannt. Belegt ist allerdings ein Alphaville-Auftritt am 18. Juli beim Konzertformat „Die 80er Live“ im Hamburger Volksparkstadion. Dort äußerte sich Gold von der Bühne deutlich gegen die AfD. Der Auftritt und die politische Ansage wurden unabhängig voneinander dokumentiert.

Auch am 8. August gehörte Alphaville zum Programm von „Die 80er Live“ im Frankfurter Deutsche Bank Park und trat dort auf. Ob dies der zweite Termin ist, auf den sich die Veranstalter in ihrer Erklärung beziehen, wurde nicht ausdrücklich bestätigt.

Bandmanager Christian Mielke erklärte der dpa, Gold habe sich bei einer Ansage zum Song „Carry Your Flag“ gegen rechtsradikale Tendenzen und für Freiheit, Toleranz und Demokratie positioniert. Diese Äußerungen hätten zu Diskussionen mit den Veranstaltern geführt. Weitere Einzelheiten zum damaligen Austausch zwischen Band und Veranstalter wurden zunächst nicht veröffentlicht.

Krampe will Festival bewusst unpolitisch halten

Krampe vertritt die Position, das Glücksgefühle-Festival solle „komplett unpolitisch“ bleiben. Besucher sollten nach seiner Darstellung für ein Wochenende Abstand vom Alltag gewinnen und sich auf Musik und gemeinsames Feiern konzentrieren können. Politische Aussagen seien deshalb unabhängig von ihrer inhaltlichen Ausrichtung nicht Teil des gewünschten Bühnenprogramms. Bereits Mitte August hatte Krampe diese grundsätzliche Haltung in einem Interview mit dem SWR vertreten.

Gold stellt dem die Auffassung entgegen, dass Künstler sich auch auf der Bühne für Demokratie, Freiheit und Toleranz einsetzen dürfen und sollen. Seine Bezeichnung der Vorgabe als „Maulkorberlass“ ist dabei eine politische und persönliche Bewertung des Sängers. Eine staatliche Untersagung des Auftritts gibt es nicht. Die Auseinandersetzung betrifft die Bedingungen, die ein privater Festivalveranstalter für seine Bühne festlegen will, und die Frage, ob Alphaville diese akzeptiert.

Alphaville war am Mittwoch noch im Festivalprogramm zu finden

Vorgesehen war Alphaville für Freitag, 4. September, um 14.30 Uhr auf der Dopamin Stage. Noch am Mittwoch wurde die Band auf der offiziellen Line-up-Seite des Festivals unter den Acts dieser Bühne geführt. Die Absage erfolgte damit unmittelbar vor dem Festivalwochenende.

Das Glücksgefühle-Festival findet offiziell vom 3. bis 6. September am Hockenheimring statt. Das reguläre Bühnenprogramm läuft am Freitag und Samstag, am Donnerstag gibt es unter anderem eine Pre-Party für Camper. Der Veranstalter kündigt mehr als 50 Acts auf drei Bühnen an.

Alphaville hatte sich zuletzt auch gegen Donald Trump gestellt

Dass Alphaville politische Positionierungen öffentlich macht, ist nicht neu. Im April wandte sich die Band gegen die Verwendung ihres Welthits „Forever Young“ durch US-Präsident Donald Trump. Trump hatte ein mit dem Song unterlegtes KI-Video auf Truth Social veröffentlicht. Alphaville distanzierte sich daraufhin von seinen politischen Positionen und erklärte, eine weitere Nutzung der eigenen Musik durch Trump und die Republikanische Partei nicht zu akzeptieren.

Ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen diesem Vorgang und der Absage am Hockenheimring ist allerdings nicht bestätigt. Für die aktuelle Entscheidung verweisen die Veranstalter auf politische Äußerungen bei ihren eigenen Veranstaltungen und auf die fehlende Verständigung mit Alphaville über die Regeln für den bevorstehenden Festivalauftritt.

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