
Amazon könnte künftig auch auf dem europäischen Automarkt eine größere Rolle spielen. Der US-Handelskonzern, der in den Vereinigten Staaten bereits Neu- und Gebrauchtwagen über seine Plattform vermittelt, sucht in Großbritannien Personal für den Ausbau seines Automobilgeschäfts. Der britische Marktführer Autotrader rechnet mit einem Einstieg des Unternehmens. Damit könnte langfristig auch für die etablierten deutschen Fahrzeugbörsen mobile.de und AutoScout24 ein neuer Wettbewerber entstehen. Einen offiziellen Starttermin für Deutschland gibt es allerdings nicht.
Das Geschäftsmodell von Amazon Autos ist in den Vereinigten Staaten seit Dezember 2024 im Einsatz. Damals begann der Onlinehändler gemeinsam mit dem südkoreanischen Fahrzeughersteller Hyundai, Neuwagen über eine eigene Verkaufsplattform anzubieten.
Inzwischen hat Amazon das Angebot erheblich erweitert. Nach Unternehmensangaben arbeiten mehr als 1.000 Autohändler in über 130 amerikanischen Städten mit dem Dienst zusammen. Neben Hyundai sind unter anderem Fahrzeuge von Kia, Subaru, Mazda, Chevrolet und Jeep erhältlich.
Seit August 2025 können Händler außerdem gebrauchte Fahrzeuge sowie besonders geprüfte Gebrauchtwagen anbieten. Auch Fahrzeuge des Autovermieters Hertz gehören mittlerweile zum Sortiment.
Die Plattform unterscheidet sich von einer klassischen Gebrauchtwagenbörse. Interessenten können nicht nur Fahrzeuge suchen und Angebote vergleichen, sondern auch wesentliche Schritte des Kaufprozesses direkt online erledigen.
Dazu gehören die Auswahl einer Finanzierung, die Berechnung eines möglichen Eintauschwerts für das bisherige Auto und die Vorbereitung des Kaufabschlusses.
Anders als bei vielen gewöhnlichen Amazon-Bestellungen übernimmt der Handelskonzern nicht selbst die Rolle des Fahrzeugverkäufers. Die Autos stammen von angeschlossenen Händlern, die auch für die persönliche Betreuung und Fahrzeugübergabe zuständig bleiben.
Kunden suchen zunächst nach verfügbaren Fahrzeugen in ihrer Umgebung. Die angezeigten Angebote stammen aus einem Umkreis von bis zu 75 Meilen, entsprechend etwa 120 Kilometern.
Anschließend können Interessenten den Preis prüfen, Finanzierungsangebote vergleichen und ein Fahrzeug reservieren. Die persönliche Abholung erfolgt beim jeweiligen Autohaus.
Amazon verspricht seinen US-Kunden transparente Endpreise. Die Fahrzeugpreise werden von den Händlern festgelegt. Zusätzliche Transaktionsgebühren oder Provisionen für Käufer erhebt Amazon nach eigenen Angaben nicht.
Für gebrauchte und zertifizierte Gebrauchtwagen gibt es in den USA außerdem eine Rückgabemöglichkeit von mindestens drei Tagen beziehungsweise 300 Meilen. Maßgeblich ist die zuerst erreichte Grenze. Die konkreten Bedingungen können je nach Bundesstaat abweichen.
Diese Regelungen gelten für das amerikanische Angebot und lassen sich nicht ohne Weiteres auf einen möglichen europäischen Marktplatz übertragen.
Besonders deutlich werden die internationalen Ambitionen durch eine Stellenanzeige von Amazon in London. Gesucht wird ein Key Account Manager für den Automobilbereich.
Die ausgeschriebene Position umfasst die Betreuung von Fahrzeughändlern, den Aufbau strategischer Partnerschaften und die Weiterentwicklung des digitalen Handelsgeschäfts. Erfahrung mit dem britischen Automobilhandel zählt ausdrücklich zu den gewünschten Qualifikationen.
Bereits im Februar 2026 hatte das britische Fachmagazin Car Dealer über Vorbereitungen für einen möglichen Marktstart berichtet. Amazon-Manager Steve Johnson bezeichnete den Einstieg in Großbritannien damals sinngemäß als eine Frage des Zeitpunkts.
Gleichzeitig stellte Amazon gegenüber dem Magazin klar, dass sich das Unternehmen zunächst auf die Erweiterung des amerikanischen Angebots konzentriere. Einen verbindlichen Einführungstermin nannte der Konzern nicht.
Auch die britische Fahrzeugplattform Autotrader berücksichtigt den möglichen Markteintritt inzwischen ausdrücklich. Im Geschäftsbericht vom Mai 2026 nennt das Unternehmen Amazon Autos als erwarteten neuen Wettbewerber.
Damit verdichten sich die Hinweise auf eine Expansion. Wann Kunden in Großbritannien tatsächlich Fahrzeuge über Amazon kaufen können, ist jedoch weiterhin nicht offiziell bestätigt.
Sollte Amazon sein Autogeschäft nach Deutschland ausweiten, würde der Konzern auf bereits etablierte Wettbewerber treffen.
Zu den wichtigsten Anbietern gehören mobile.de und AutoScout24. Beide Plattformen vermitteln Fahrzeugangebote zwischen Händlern, privaten Verkäufern und Kaufinteressenten. Zusätzlich gewinnen digitale Finanzierungsangebote und weitere Dienstleistungen rund um den Autokauf an Bedeutung.
Die starke Marktposition von mobile.de wurde Anfang Oktober auch bei einer Entscheidung des Bundeskartellamts deutlich. Die Behörde genehmigte am 8. Oktober 2026 die geplante Übernahme des deutschen Geschäfts von Carwow durch die Muttergesellschaft von mobile.de.
Carwow konzentriert sich insbesondere auf die Vermittlung von Neuwagen und Leasingangeboten. Die Wettbewerbshüter sahen deshalb nur begrenzte Überschneidungen mit dem Gebrauchtwagengeschäft von mobile.de.
Für einen möglichen Neueinsteiger wie Amazon wäre der deutsche Markt somit von einer hohen Reichweite bestehender Plattformen und langjährigen Beziehungen zwischen Autohändlern und Vermittlern geprägt.
Ob Amazon Händler mit günstigeren Konditionen, zusätzlichen Kaufinteressenten oder neuen digitalen Dienstleistungen gewinnen könnte, ist bislang offen.
Unabhängig von einem möglichen Amazon-Einstieg verändert sich die digitale Fahrzeugvermittlung bereits.
AutoScout24 setzt zunehmend auf künstliche Intelligenz, um Kaufinteressenten bei der Suche zu unterstützen und Anfragen gezielter an passende Händler weiterzuleiten.
Auch andere Plattformbetreiber entwickeln digitale Werkzeuge, mit denen Fahrzeugangebote ausgewertet, Preise verglichen und Kaufentscheidungen vorbereitet werden können.
Für Autohändler sind solche Entwicklungen wirtschaftlich relevant. Die Portale übernehmen einen Teil der Kundengewinnung und stellen damit eine Verbindung zwischen dem digitalen Interesse und dem tatsächlichen Verkauf im Autohaus her.
Amazon könnte bei einer europäischen Expansion auf seine Erfahrung mit großen Online-Marktplätzen zurückgreifen. Ob sich diese Erfahrung auch im komplexen Fahrzeughandel in einen Wettbewerbsvorteil umsetzen lässt, wäre jedoch erst im praktischen Betrieb erkennbar.
Das amerikanische Modell von Amazon Autos lässt sich nicht unverändert auf europäische Märkte übertragen.
Unterschiede bestehen beispielsweise bei den Vertriebsstrukturen der Automobilhersteller. Während amerikanische Händler häufig bereits produzierte Fahrzeuge aus größeren Lagerbeständen verkaufen, spielt in Europa die individuelle Fahrzeugbestellung eine wichtige Rolle.
Hinzu kommen unterschiedliche rechtliche Anforderungen an Finanzierung, Datenschutz, Verbraucherschutz und die Abwicklung von Fahrzeugkäufen.
Auch ein erfolgreicher Einstieg in Großbritannien würde deshalb nicht automatisch einen Start innerhalb der Europäischen Union bedeuten. Das Vereinigte Königreich gehört seit dem Brexit nicht mehr zur EU und verfügt über eigene regulatorische Rahmenbedingungen.
Für Deutschland müsste Amazon entsprechende Händlerpartnerschaften aufbauen und sein Angebot an die hiesigen Marktbedingungen anpassen.
Für deutsche Verbraucher ändert sich durch die aktuellen Entwicklungen zunächst nichts. Ein regulärer Fahrzeugkauf über Amazon Autos ist in Deutschland weiterhin nicht verfügbar.
Weder ein konkreter Einführungstermin noch eine Liste deutscher Partnerhändler oder ein verbindliches Geschäftsmodell für den deutschen Markt wurden angekündigt.
Die Personalsuche in Großbritannien und die Erwartungen des dortigen Wettbewerbers Autotrader sprechen allerdings dafür, dass Amazon eine internationale Erweiterung seines Automobilgeschäfts vorbereitet.
Ob daraus tatsächlich eine neue Fahrzeugbörse für Deutschland entsteht, hängt von weiteren Entscheidungen des Konzerns und möglichen Vereinbarungen mit Autohändlern ab.
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