Amazon bringt erste eActros 600 in Deutschland auf die Straße

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Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Amazon setzt auf den eActros 600 für einen wachsenden Teil seines europäischen Transportnetzwerks. Mercedes-Benz Trucks hat dem Handelskonzern die ersten 27 batterieelektrischen Schwerlast-Lkw dieses Typs für den Einsatz in Deutschland übergeben. Bis Ende 2026 sollen mehr als 50 Fahrzeuge auf deutschen Straßen unterwegs sein. Sie gehören zu einem Großauftrag über mehr als 200 eActros 600, den Amazon Anfang 2025 erteilt hatte.

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Der Großteil der bestellten Fahrzeuge ist für Großbritannien vorgesehen. Dort begann die Auslieferung bereits Ende 2025. Mehr als 140 Lkw sollen nach früheren Angaben dort eingesetzt werden, mehr als 50 in Deutschland. Es handelt sich um Amazons bislang größte Bestellung von Elektro-Lkw und zugleich um einen der großen Einzelaufträge für den batterieelektrischen Fernverkehr von Mercedes-Benz Trucks.

Elektro-Lkw verbinden Amazons Logistikstandorte

Amazon will die neuen Fahrzeuge vor allem auf der sogenannten mittleren Meile einsetzen. Gemeint sind Transporte zwischen Logistikzentren, Sortierstandorten, Verteilzentren und Standorten in oder nahe größeren Städten. Damit rückt die Elektrifizierung bei Amazon von der Zustellung auf der letzten Meile zunehmend auch in den schweren Straßengüterverkehr vor.

Für Deutschland hatte Amazon bereits bei Bekanntgabe der Bestellung angegeben, dass die zusätzlichen elektrischen Lkw voraussichtlich mehr als 100 Millionen Pakete pro Jahr transportieren sollen. Für die gesamte Bestellung in Deutschland und Großbritannien nannten Amazon und Daimler Truck ein Volumen von mehr als 350 Millionen Paketen jährlich. Die Angaben beziehen sich auf die geplante Nutzung der Fahrzeuge und sind keine bereits erreichten Transportzahlen.

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eActros 600 kommt auf bis zu 500 Kilometer Reichweite

Der eActros 600 wurde von Mercedes-Benz Trucks speziell für schwere Transporte und längere Strecken entwickelt. Das Fahrzeug verfügt über drei Batteriepakete mit einer installierten Gesamtkapazität von 621 Kilowattstunden. Mercedes-Benz setzt dabei auf Lithium-Eisenphosphat-Zellen. Die technisch angegebene Reichweite liegt bei rund 500 Kilometern ohne Zwischenladen.

Diese Reichweitenangabe wurde vom Hersteller unter festgelegten Testbedingungen mit einer Sattelzugmaschine und einem Gesamtzuggewicht von 40 Tonnen ermittelt. Im tatsächlichen Betrieb können unter anderem Außentemperatur, Streckenprofil, Geschwindigkeit, Fahrzeugkonfiguration und Nebenverbraucher die erreichbare Distanz verändern.

Technisch ist der eActros 600 für ein Gesamtzuggewicht von bis zu 44 Tonnen ausgelegt. Mit einem üblichen Standardauflieger liegt die Nutzlast nach Herstellerangaben in der Europäischen Union bei rund 22 Tonnen. Produziert wird der elektrische Fernverkehrs-Lkw im Mercedes-Benz Werk in Wörth am Rhein. Die Serienproduktion begann Ende 2024.

Amazon baut hunderte Ladestationen für schwere Lkw auf

Der Aufbau der Fahrzeugflotte ist eng mit Investitionen in die Ladeinfrastruktur verbunden. Amazon installiert an europäischen Standorten hunderte Schnellladestationen für schwere Nutzfahrzeuge. Nach Angaben der Unternehmen können die eActros 600 dort unter entsprechenden Bedingungen in etwas mehr als einer Stunde von 20 auf 80 Prozent Batteriestand geladen werden.

Die genannte Ladezeit basiert auf einer Ladeleistung von 400 Kilowatt an einer Gleichstrom-Schnellladestation. Gerade bei schweren Elektro-Lkw spielt die Verfügbarkeit ausreichend leistungsfähiger Ladepunkte eine zentrale Rolle, weil lange Standzeiten die Einsatzplanung und Wirtschaftlichkeit im Güterverkehr stärker beeinflussen als bei vielen Pkw-Anwendungen.

Amazon beziffert seine Investitionen in die weitere Elektrifizierung und Dekarbonisierung seines europäischen Transportnetzwerks auf mehr als eine Milliarde Euro. Mehr als 400 Millionen Euro davon entfallen nach Angaben des Konzerns auf Deutschland. Dazu gehören neben Fahrzeugen auch die notwendige Ladeinfrastruktur und weitere Maßnahmen im Logistiknetz.

Elektro-Lkw wachsen deutlich, Diesel bleibt dominant

Der Amazon-Auftrag fällt in eine Phase, in der batterieelektrische Nutzfahrzeuge im europäischen Schwerlastverkehr an Bedeutung gewinnen, bislang aber nur einen kleinen Teil des Gesamtmarktes ausmachen. Nach Zahlen des europäischen Herstellerverbands ACEA entfielen im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 4,8 Prozent der neu zugelassenen Lkw in der Europäischen Union auf elektrisch aufladbare Modelle. Ein Jahr zuvor waren es 3,6 Prozent.

Die Zahl dieser Neuzulassungen stieg gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 um 47,7 Prozent. Deutschland gehörte dabei zu den stärksten Wachstumsmärkten. Die Neuzulassungen elektrisch aufladbarer Lkw legten hier laut ACEA um 88,5 Prozent zu. Gemeinsam entfielen auf Deutschland, die Niederlande und Frankreich rund drei Viertel der entsprechenden EU-Neuzulassungen.

Trotz des Wachstums bleibt der Dieselmotor im europäischen Lkw-Markt mit großem Abstand führend. Im ersten Halbjahr 2026 hatten Diesel-Lkw einen Anteil von 92,1 Prozent an den Neuzulassungen in der EU. Der aktuelle Großauftrag von Amazon zeigt damit vor allem, wie einzelne große Logistikunternehmen den Einsatz schwerer Elektro-Lkw inzwischen aus Pilotprojekten in größere Flotten überführen. Für eine breitere Marktdurchdringung bleiben neben Fahrzeugangebot und Betriebskosten vor allem leistungsfähige Ladepunkte und ausreichende Netzanschlüsse entscheidend.

Großauftrag gibt Mercedes-Benz Trucks zusätzliches Volumen

Für Mercedes-Benz Trucks ist der Amazon-Auftrag ein bedeutender Einsatzfall für den eActros 600. Das Modell wurde inzwischen in zahlreiche europäische Länder ausgeliefert und soll den batterieelektrischen Antrieb auch auf längeren Strecken etablieren. Amazon hatte vor der Bestellung bereits einen seriennahen Prototyp des Fahrzeugs in einem deutschen Logistikzentrum getestet.

Mit der Übergabe der ersten 27 Fahrzeuge erreicht der Auftrag nun auch in Deutschland den regulären Flottenbetrieb. Bis zum Jahresende soll sich die Zahl hier auf mehr als 50 eActros 600 erhöhen. Damit wird die Entwicklung schwerer Elektro-Lkw zunehmend nicht nur von Versuchsbetrieben, sondern auch von größeren kommerziellen Flotten geprägt.

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