Amazon baut eigene Chips mit Milliardenvereinbarung weiter aus

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Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Amazon und Synopsys vertiefen ihre Zusammenarbeit bei der Entwicklung eigener Prozessoren und KI-Hardware. Der US-Online- und Cloudkonzern hat mit dem Chipdesign-Spezialisten eine mehrjährige Vereinbarung im Wert von mehr als einer Milliarde US-Dollar geschlossen. Sie soll Amazon Zugriff auf zusätzliche Technologien für kundenspezifische Halbleiter verschaffen und zugleich die Entwicklung von Chips für die Cloud-Infrastruktur von Amazon Web Services beschleunigen.

Amazon und Synopsys arbeiten nach Angaben des Softwarekonzerns bereits seit mehr als 15 Jahren zusammen. Die neue Vereinbarung geht jedoch deutlich über die bisherige Kooperation hinaus. Amazon wird zum führenden Kunden für eine erweiterte Sparte von Synopsys, die sogenannte anwendungsoptimierte Silicon-IP anbietet. Dabei handelt es sich um wiederverwendbare technische Bausteine und Entwürfe, die auf bestimmte Aufgaben und Prozessortypen zugeschnitten werden können.

Amazon erweitert Zugriff auf Chipdesign-Technologie

Synopsys gehört zu den wichtigsten Anbietern von Software und geistigem Eigentum für die Entwicklung moderner Halbleiter. Mit den Werkzeugen des Unternehmens können Chipentwickler komplexe Schaltungen entwerfen, simulieren und überprüfen. Zusätzlich lizenziert Synopsys fertige technische Bausteine, die Hersteller in eigene Prozessoren integrieren können.

Mit der neuen Vereinbarung weitet Amazon die Nutzung dieser Technologien aus. Neben zusätzlicher Silicon-IP umfasst die Zusammenarbeit auch Software für Electronic Design Automation, Simulation und Analyse sowie KI-gestützte Entwicklungswerkzeuge. Synopsys und Amazon wollen außerdem gemeinsam KI stärker in Entwicklungsprozesse für Chips und komplette Computersysteme integrieren. Dazu gehören Anwendungen für Entwurf, Analyse, Optimierung und Validierung.

Welche konkreten Amazon-Prozessoren künftig die neu lizenzierten Entwürfe von Synopsys einsetzen werden, wurde nicht genannt. Amazon entwickelt bereits mehrere eigene Chipfamilien. Dazu gehören Graviton-Prozessoren für allgemeine Cloud-Anwendungen, Trainium-Chips für Training und Ausführung von KI-Modellen sowie die Nitro-Technologie für Netzwerk-, Speicher- und Sicherheitsfunktionen innerhalb von AWS.

KI-Chips werden für AWS immer wichtiger

Eigene Halbleiter haben für Amazon wirtschaftlich stark an Bedeutung gewonnen. Der Konzern versucht damit, Rechenzentren stärker auf die Anforderungen seiner Cloud-Kunden zuzuschneiden und zugleich eine Alternative zu vollständig extern eingekauften Prozessoren und KI-Beschleunigern aufzubauen.

Amazon bezifferte den annualisierten Umsatz seiner Chip-Sparte zuletzt auf mehr als 25 Milliarden US-Dollar. Zu diesem Geschäft zählt das Unternehmen insbesondere Trainium, Graviton und Nitro. Nach Amazon-Angaben wächst der Bereich derzeit mit dreistelligen Prozentsätzen im Jahresvergleich. Trainium ist speziell auf das Training und die Ausführung von KI-Modellen zugeschnitten, während Graviton als Prozessor für allgemeine Cloud-Aufgaben eingesetzt wird.

Die neue Vereinbarung mit Synopsys ist damit Teil einer langfristigen Strategie, bei zentraler Rechenzentrums-Hardware stärker auf eigene Entwicklungen zu setzen. Sie bedeutet allerdings nicht, dass Synopsys komplette Amazon-Prozessoren entwerfen oder herstellen wird. Im Mittelpunkt stehen lizenzierbare technische Bausteine sowie Software für die Entwicklung und Prüfung komplexer Chips.

Synopsys verändert Geschäftsmodell bei Chip-IP

Für Synopsys hat der Vertrag ebenfalls strategische Bedeutung. Das Unternehmen baut sein Geschäft mit Silicon-IP aus und entwickelt das Vergütungsmodell in Richtung einer Kombination aus Lizenzzahlungen und umsatz- beziehungsweise volumenabhängigen Gebühren weiter. Nach Angaben von Synopsys soll Amazon dabei der führende Kunde für die neue Generation anwendungsoptimierter IP sein.

Das Geschäft mit Chip-Bausteinen ist für Synopsys bereits ein bedeutender Umsatzbringer. Im zuletzt abgeschlossenen Geschäftsjahr erzielte der Bereich nach Reuters-Angaben rund 1,75 Milliarden US-Dollar Umsatz. Während Synopsys früher vor allem standardisierte Komponenten lizenzierte, umfasst das Angebot inzwischen auch komplexere Rechenbausteine und stärker auf einzelne Einsatzzwecke zugeschnittene Designs.

Die Vereinbarung verbindet damit zwei Entwicklungen in der Halbleiterbranche: Große Cloudanbieter investieren verstärkt in eigene Prozessoren, während Anbieter von Entwicklungssoftware und Chip-IP ihr Geschäft auf immer komplexere Spezialchips ausrichten.

Synopsys setzt im Gegenzug stärker auf AWS

Die Zusammenarbeit funktioniert zugleich in die andere Richtung. Synopsys will für seine eigene Produktentwicklung verstärkt Dienste von Amazon Web Services einsetzen. Vorgesehen sind unter anderem Amazon EC2, Cloud-Speicher sowie Amazon Bedrock für die Entwicklung und Bereitstellung von KI-Anwendungen und KI-Agenten.

Beide Unternehmen wollen außerdem Software von Synopsys für Amazons Trainium- und Graviton-Plattformen optimieren. Damit betrifft die Vereinbarung nicht allein den Einkauf von Chipdesign-Technologie durch Amazon, sondern auch die Cloud- und KI-Infrastruktur, auf der Synopsys Teile seiner eigenen Entwicklung betreiben will.

Die genaue finanzielle Aufteilung des Vertrags wurde nicht veröffentlicht. Bekannt ist lediglich ein Gesamtwert von mehr als einer Milliarde US-Dollar über mehrere Jahre. Ebenso offen blieb zunächst, welcher Anteil auf klassische Lizenzzahlungen, mögliche spätere Gebühren in Abhängigkeit von Produktionsmengen und weitere Leistungen entfällt.

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