
American Express will trotz wachsender Geschäfte weltweit rund 3.500 Arbeitsplätze streichen. Konzernchef Stephen Squeri kündigte am Freitag, 23. Oktober 2026, an, etwa fünf Prozent der Belegschaft abzubauen. Gleichzeitig meldete der US-Kreditkartenkonzern für das dritte Quartal einen Rekordumsatz, einen deutlich höheren Gewinn und eine angehobene Jahresprognose. Die Aktie gab im New Yorker Handel nach.
Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters entspricht die geplante Kürzung etwa 3.500 Stellen. Squeri erläuterte die Pläne im Gespräch mit Analysten nach Veröffentlichung der Quartalszahlen. Ziel sei eine beweglichere und effizientere Organisation. Welche Länder, Standorte und Abteilungen besonders betroffen sind, wurde zunächst nicht konkretisiert. Auch eine Aufteilung nach freiwilligem Ausscheiden und betriebsbedingten Kündigungen sowie ein verbindlicher Zeitplan lagen zunächst nicht vor.
Wie umfangreich der Stellenabbau bei American Express ist, zeigt die bislang veröffentlichte Personalstatistik. Zum 31. Dezember 2025 beschäftigte das Unternehmen nach seinem Geschäftsbericht rund 76.800 Menschen. Davon arbeiteten 25.900 in den USA und 50.900 in anderen Ländern. Ein Jahr zuvor hatte der Konzern 75.100 Beschäftigte gezählt. Die Belegschaft war damit 2025 noch um rund 1.700 Menschen gewachsen. Die nun geplanten Kürzungen entsprechen somit einem erheblichen Teil der zuletzt ausgewiesenen Beschäftigtenzahl.
Für die Neuorganisation verbuchte American Express im dritten Quartal bereits einen Restrukturierungsaufwand von 336 Millionen US-Dollar vor Steuern. Daraus lässt sich allerdings weder die Höhe der künftigen jährlichen Einsparungen noch die Zahl der Kündigungen an einzelnen Standorten ableiten.
Im dritten Quartal, das am 30. September endete, steigerte American Express seine Erträge nach Zinsaufwand gegenüber dem Vorjahr um neun Prozent auf 20,06 Milliarden Dollar. Damit erreichte der Konzern nach eigenen Angaben einen Rekordwert für ein drittes Quartal. Der ausgewiesene Nettogewinn stieg um 28 Prozent von 2,90 auf 3,71 Milliarden Dollar. Der Gewinn je Aktie erhöhte sich von 4,14 auf 5,42 Dollar.
Allerdings enthält das Ergebnis einen Sondereffekt. Der Verkauf einer Beteiligung an der Global Business Travel Group brachte einen Vorsteuergewinn von 982 Millionen Dollar ein. Zugleich belasteten die Restrukturierungskosten das Quartal. Bereinigt um beide Effekte lag der Nettogewinn bei 3,21 Milliarden Dollar und damit elf Prozent über dem Vorjahreswert. Der bereinigte Gewinn je Aktie stieg um 13 Prozent auf 4,68 Dollar.
Das mit American-Express-Karten abgerechnete Zahlungsvolumen wuchs um acht Prozent auf 454 Milliarden Dollar. Ausgaben für Reisen und Unterhaltung nahmen um zehn Prozent zu, darunter Flugausgaben um 13 Prozent und Restaurantumsätze um neun Prozent. Höhere Kartenausgaben, gestiegene Zinseinnahmen und Kartenentgelte trugen zum Umsatzwachstum bei. Allein die Nettoerträge aus Kartengebühren legten um 16 Prozent auf knapp drei Milliarden Dollar zu.
Auch bei der Kreditqualität zeigen die Quartalszahlen eine vergleichsweise stabile Entwicklung. Die Aufwendungen für mögliche Kreditausfälle beliefen sich bei American Express im dritten Quartal auf 985 Millionen Dollar. Im entsprechenden Vorjahresquartal waren es 1,287 Milliarden Dollar gewesen. Das entspricht einem Rückgang um 23 Prozent.
Die niedrigere Risikovorsorge hatte allerdings auch bilanzielle Ursachen. Während der Konzern im Vorjahresquartal zusätzliche Reserven aufgebaut hatte, wurden im dritten Quartal 2026 Reserven aufgelöst. Nach Unternehmensangaben trugen Anpassungen an den Modellen zur Schätzung erwarteter Kreditausfälle zu dieser Entwicklung bei. Höhere tatsächliche Nettoabschreibungen wirkten dem Rückgang der Risikovorsorge teilweise entgegen.
Die Nettoabschreibungsquote für Forderungen aus privaten Kreditkarten und Karten kleiner Unternehmen lag bei 1,8 Prozent. Der Anteil der entsprechenden Kartenforderungen, die mindestens 30 Tage überfällig waren, erreichte 1,2 Prozent. Bei der Nettoabschreibungsquote berücksichtigt American Express ausschließlich Ausfälle auf den Forderungshauptbetrag, nicht jedoch Zinsen und Gebühren.
Gleichzeitig stiegen die Gesamtausgaben des Konzerns um neun Prozent auf 14,5 Milliarden Dollar. American Express verwies unter anderem auf höhere Kosten für Kundenbindungsangebote und die Überarbeitung seiner Platinum-Karte in den USA. Trotz steigender Erträge bleibt die Kostenentwicklung damit ein wichtiger Bestandteil der Geschäftsentwicklung.
Der jetzt angekündigte Schritt ist nicht die erste Restrukturierung bei American Express. Im Geschäftsbericht für 2025 weist der Konzern für frühere Programme Aufwendungen von 96 Millionen Dollar im Jahr 2025, 123 Millionen Dollar im Jahr 2024 und 179 Millionen Dollar im Jahr 2023 aus. Dabei ging es vor allem um Abfindungen und weitere Kosten im Zusammenhang mit organisatorischen Veränderungen. Die Beträge sind allerdings nicht mit einer bestimmten Zahl gestrichener Arbeitsplätze gleichzusetzen.
Die Beschäftigtenentwicklung verlief in diesen Jahren unterschiedlich. Ende 2023 zählte das Unternehmen rund 74.600 Mitarbeiter, Ende 2024 waren es 75.100 und Ende 2025 schließlich 76.800. Trotz laufender Restrukturierungsprogramme hatte sich die Belegschaft damit zuletzt vergrößert. Der Geschäftsbericht weist für die Ende 2025 noch laufenden Programme kumulierte Aufwendungen von 443 Millionen Dollar aus. Diese Programme waren zwischen 2022 und 2025 begonnen worden.
Die aktuellen Kürzungen fallen damit in eine Phase, in der American Express seine Geschäftstätigkeit weiter ausbaut. Neben dem klassischen Kreditkartengeschäft investiert der Konzern in zusätzliche Leistungen für Kartenkunden und die Gewinnung neuer Kundengruppen. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf jüngeren Kunden, insbesondere Angehörigen der Generation Z und Millennials.
Auch andere internationale Finanzunternehmen haben in diesem Jahr Beschäftigte entlassen oder entsprechende Pläne vorgestellt. Die britische Großbank Barclays kündigte am 22. Oktober an, 2026 insgesamt rund 5.000 Stellen abzubauen. Das entspricht etwa fünf Prozent der Belegschaft. Barclays verwies ausdrücklich auf technische Verbesserungen und den Einsatz künstlicher Intelligenz zur Kostensenkung. Rund 1.000 Arbeitsplätze waren zu diesem Zeitpunkt bereits weggefallen. Etwa 60 Prozent der vorgesehenen Kürzungen betreffen unterstützende Unternehmensfunktionen.
Bei der US-Investmentbank Morgan Stanley wurden im März nach Reuters-Informationen rund 2.500 Beschäftigte entlassen, etwa drei Prozent der Belegschaft. Die Kürzungen betrafen mehrere Geschäftsbereiche, darunter das Investmentbanking, die Vermögensverwaltung und das Investmentmanagement. Finanzberater waren von den Maßnahmen ausgenommen. Morgan Stanley hatte zuvor für 2025 Rekorderträge ausgewiesen.
Auch Citigroup setzt einen längerfristigen Personalabbau fort. Das US-Geldhaus hatte angekündigt, seine Belegschaft bis Ende 2026 um insgesamt rund 20.000 Stellen zu reduzieren. Bereits im Januar 2026 waren weitere Kürzungen vorgesehen. Die Maßnahmen sind Teil eines umfassenderen Konzernumbaus.
Die Unternehmen verfolgen dabei unterschiedliche Strategien. Während Barclays technologische Veränderungen und künstliche Intelligenz ausdrücklich als Gründe für den Personalabbau anführt, steht bei American Express nach den bisherigen Äußerungen der Konzernführung die organisatorische Effizienz im Vordergrund. Eine vergleichbare konkrete Begründung mit künstlicher Intelligenz wurde für die aktuellen Kürzungen bei American Express zunächst nicht genannt.
Für das Gesamtjahr 2026 erwartet American Express nun einen bereinigten Gewinn je Aktie von 17,60 bis 17,90 Dollar. Zuvor hatte die Prognosespanne bei 17,30 bis 17,90 Dollar gelegen. Die Untergrenze wurde damit angehoben, während das obere Ende unverändert blieb. Zudem erwartet das Unternehmen weiterhin ein Umsatzwachstum von etwa zehn Prozent.
Der ausgewiesene Gewinn je Aktie soll nach der aktualisierten Prognose zwischen 18,30 und 18,60 Dollar liegen. Diese Spanne berücksichtigt auch die Sondereffekte aus dem Verkauf der Beteiligung an der Global Business Travel Group und den Restrukturierungskosten.
An der Börse reichten die Quartalszahlen zunächst nicht aus, um die Aktie zu stützen. Laut einer von MarketScreener veröffentlichten Kursindikation von Cboe BZX notierte die American-Express-Aktie am Freitag, 23. Oktober 2026, um 9.56 Uhr New Yorker Zeit bei 320,65 Dollar. Das entsprach einem Minus von 1,39 Prozent gegenüber dem vorherigen Schlusskurs.
Damit fallen die starken Geschäftszahlen und die angekündigten Personalkürzungen zeitlich zusammen. Während American Express höhere Erlöse, steigende Gewinne und eine verbesserte Jahresprognose vorlegt, sollen weltweit Tausende Arbeitsplätze wegfallen. Wie die Kürzungen auf einzelne Regionen und Geschäftsbereiche verteilt werden, blieb zunächst offen.
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