
Der geplante Börsengang des KI-Unternehmens Anthropic soll sich nach Angaben von Insidern um mehrere Wochen verschieben. Statt bereits Anfang September einen öffentlichen Börsenprospekt vorzulegen, soll das Unternehmen diesen Schritt nun erst gegen Ende des Monats planen. Die eigentliche Vermarktung der Aktien könnte demnach frühestens Mitte Oktober beginnen. Anthropic selbst hat den neuen Zeitplan bislang nicht bestätigt.
Das Unternehmen hinter dem KI-Modell Claude hatte bereits zuvor vertraulich Unterlagen für einen Börsengang eingereicht. Damit ist grundsätzlich bestätigt, dass Anthropic einen Gang an den Kapitalmarkt vorbereitet. Offen blieb zunächst jedoch, an welchem Tag der Börsengang tatsächlich stattfinden soll und zu welcher Bewertung Aktien angeboten werden könnten.
Nach Angaben mehrerer mit den Planungen vertrauter Personen war zunächst vorgesehen, den Börsenprospekt bereits Anfang September öffentlich zugänglich zu machen. Dieser Schritt soll nun erst Ende September erfolgen. Die Vermarktung des Angebots könnte anschließend frühestens Mitte Oktober beginnen.
Damit würde sich der Anthropic-IPO gegenüber dem zuletzt erwarteten Zeitplan verschieben. Eine unabhängige Bestätigung des neuen Termins durch das Unternehmen lag zunächst nicht vor. Auch die endgültige Größe des Angebots und der Ausgabepreis stehen noch nicht fest.
Änderungen im Zeitplan sind bei großen Börsengängen nicht ungewöhnlich. Unternehmen stimmen vor einem IPO unter anderem regulatorische Unterlagen, die Zusammensetzung des Bankenkonsortiums, Finanzierungsfragen und Gespräche mit potenziellen Investoren aufeinander ab. Auch die Entwicklung an den Aktienmärkten kann beeinflussen, wann ein Angebot tatsächlich gestartet wird.
Die Dimension des möglichen Börsengangs ist außergewöhnlich. Anthropic schloss im Mai 2026 eine Finanzierungsrunde über 65 Milliarden Dollar ab. Das Unternehmen wurde dabei mit 965 Milliarden Dollar nach Einbeziehung des neuen Kapitals bewertet.
Noch im Februar hatte die Bewertung nach einer Finanzierungsrunde von 30 Milliarden Dollar bei 380 Milliarden Dollar gelegen. Innerhalb weniger Monate vervielfachte sich damit der Wert, den private Investoren dem KI-Unternehmen beimessen.
Anthropic erklärte im Mai zudem, dass der hochgerechnete Jahresumsatz zu diesem Zeitpunkt bereits die Marke von 47 Milliarden Dollar überschritten habe. Solche Umsatzangaben basieren auf dem zu einem bestimmten Zeitpunkt erreichten Geschäftsniveau und sind nicht mit einem bereits abgeschlossenen Jahresumsatz gleichzusetzen.
Im Zusammenhang mit dem geplanten Börsengang wird inzwischen auch über deutlich höhere Bewertungen gesprochen. Einzelne Investoren sollen Größenordnungen von bis zu zwei Billionen Dollar für möglich halten. Eine solche Bewertung ist jedoch nicht bestätigt. Erst die endgültigen Angebotsunterlagen und die Preisfestsetzung würden zeigen, mit welchem Unternehmenswert Anthropic tatsächlich an die Börse gehen könnte.
Der mögliche Börsengang von Anthropic fällt in eine Phase außergewöhnlich großer Technologieemissionen. SpaceX hatte im Juni 2026 mit seinem Börsengang rund 75 Milliarden Dollar eingesammelt. Das Raumfahrt-, Satelliten- und Technologieunternehmen wurde beim Ausgabepreis mit etwa 1,77 Billionen Dollar bewertet.
Damit übertraf das Angebot frühere Rekorde bei klassischen Börsengängen deutlich. Die Aufnahme der SpaceX-Aktien durch den Markt gilt zugleich als wichtiger Bezugspunkt für weitere sehr große Technologieunternehmen, die einen Schritt an die Börse vorbereiten.
Anthropic könnte nun zu den nächsten Unternehmen gehören, die den Kapitalmarkt in einer Größenordnung testen, die vor wenigen Jahren selbst im Technologiesektor kaum vorstellbar gewesen wäre. Entscheidend wird dabei nicht allein die Nachfrage nach KI-Produkten sein. Investoren müssen auch bewerten, wie nachhaltig die hohen Wachstumsraten sind und welche Investitionen für Rechenzentren, Chips und andere Infrastruktur langfristig erforderlich bleiben.
Neben Anthropic steht insbesondere OpenAI im Mittelpunkt der Erwartungen an weitere große Technologie-Börsengänge. Das Unternehmen hinter ChatGPT erreichte bei einer Finanzierungsrunde im Februar 2026 eine Bewertung von 840 Milliarden Dollar.
Auch OpenAI benötigt erhebliche Mittel für Rechenleistung, Forschung und den Ausbau seiner Infrastruktur. Ein Börsengang könnte dem Unternehmen langfristig einen zusätzlichen Zugang zu den öffentlichen Kapitalmärkten eröffnen. Ein endgültiger Termin für ein OpenAI-IPO ist jedoch nicht gesichert.
Damit könnten innerhalb relativ kurzer Zeit mehrere Unternehmen an die Börse kommen, deren Bewertungen im hohen dreistelligen Milliardenbereich oder sogar darüber liegen. Der bereits erfolgte Börsengang von SpaceX und die Vorbereitungen bei Anthropic haben die Größenordnung des amerikanischen IPO-Marktes 2026 deutlich verändert.
Andere bekannte Technologieunternehmen verfolgen dagegen unterschiedliche Strategien. Der Daten- und KI-Spezialist Databricks setzt bislang weiter auf private Finanzierungen und hat einen kurzfristigen Börsengang nicht in den Mittelpunkt seiner Kapitalplanung gestellt.
Anders als viele klassische Börsenkandidaten steht Anthropic nicht unmittelbar vor dem Problem, nur über einen IPO neues Kapital beschaffen zu können. Das Unternehmen hat in kurzer Folge enorme Summen von privaten und strategischen Investoren eingesammelt.
Zu den Investoren gehören große internationale Kapitalgesellschaften sowie Technologieunternehmen. Amazon hat seine Zusammenarbeit mit Anthropic in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut und im Frühjahr 2026 eine weitere Investition von fünf Milliarden Dollar angekündigt. Zusätzlich stellte Amazon weitere Investitionen in Aussicht, die an bestimmte Bedingungen geknüpft sind.
Anthropic verfügt damit über eine außergewöhnlich breite Finanzierungsbasis. Gleichzeitig steigen mit dem Ausbau leistungsfähiger KI-Systeme die Anforderungen an Rechenleistung und Infrastruktur erheblich. Das Unternehmen hat langfristige Vereinbarungen mit mehreren großen Cloud- und Chipherstellern getroffen.
Ein Börsengang würde Anthropic dennoch eine neue Finanzierungsquelle erschließen und zugleich erstmals einen laufenden öffentlichen Marktpreis für das Unternehmen schaffen. Darüber hinaus könnten bestehende Investoren und Beschäftigte abhängig von der endgültigen Struktur des Angebots Möglichkeiten erhalten, Anteile zu veräußern.
Der Anthropic-Börsengang bleibt damit eines der größten erwarteten Technologieereignisse an den Kapitalmärkten. Der aktuell genannte Zeitplan sieht nach Angaben von Insidern eine Veröffentlichung des Prospekts Ende September und den Beginn der Vermarktung frühestens Mitte Oktober vor.
Offiziell bestätigt war zunächst nur, dass Anthropic einen Börsengang vorbereitet und bereits vertrauliche Unterlagen dafür eingereicht hat. Wann die Aktien tatsächlich erstmals gehandelt werden und welche Bewertung dabei erreicht werden soll, war zunächst weiter offen.
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