Anthropic plant Nasdaq-Börsengang: Milliardenumsätze und hohe Verluste

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Der amerikanische KI-Entwickler Anthropic bereitet seinen Börsengang an der Technologiebörse Nasdaq vor. Das Unternehmen hinter dem KI-Assistenten Claude hat am 26. Oktober 2026 die erforderliche Registrierungserklärung bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht. Der veröffentlichte Börsenprospekt offenbart ein außergewöhnliches Umsatzwachstum, aber auch einen Nettoverlust von rund 80,7 Milliarden US-Dollar im ersten Halbjahr 2026. Ein konkreter Ausgabepreis für die Aktien steht noch nicht fest.

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Anthropic beantragt Börsennotierung unter dem Kürzel ANT

Mit der Einreichung des Formulars S-1 hat Anthropic einen entscheidenden Schritt in Richtung Börse vollzogen. Das 2021 gegründete Unternehmen aus San Francisco möchte seine Stammaktien der Klasse A am Nasdaq Global Select Market unter dem Börsenkürzel ANT notieren lassen.

Die Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley begleiten den geplanten Börsengang federführend. Vorgesehen ist sowohl die Ausgabe neuer Aktien als auch der Verkauf von Anteilen bisheriger Aktionäre. Während Erlöse aus neu ausgegebenen Aktien dem Unternehmen zufließen können, erhalten beim Verkauf bestehender Aktien die jeweiligen Anteilseigner den Verkaufserlös.

Wie viele Aktien angeboten werden und zu welchem Preis sie auf den Markt kommen sollen, ist bislang nicht festgelegt. Die Registrierungserklärung muss zunächst wirksam werden, bevor die Wertpapiere öffentlich angeboten werden dürfen.

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Umsatz steigt innerhalb eines Jahres auf das Vierzehnfache

Die veröffentlichten Geschäftszahlen verdeutlichen, wie schnell Anthropic gewachsen ist. In den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von rund 16,3 Milliarden Dollar. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum waren es lediglich 1,16 Milliarden Dollar gewesen. Damit haben sich die Halbjahreserlöse ungefähr vervierzehnfacht.

Zum Vergleich: Im gesamten Geschäftsjahr 2025 hatte Anthropic rund 4,6 Milliarden Dollar umgesetzt. Bereits die ersten sechs Monate 2026 übertrafen diesen Jahreswert deutlich.

Das Wachstum hängt wesentlich mit der zunehmenden Nutzung der KI-Modelle und Softwareangebote des Unternehmens zusammen. Anthropic verdient sowohl an Abonnements als auch an nutzungsabhängigen Gebühren, beispielsweise für den Zugriff auf seine KI-Modelle über Programmierschnittstellen.

Parallel stiegen die Ausgaben für Rechenleistung und Infrastruktur. Im ersten Halbjahr 2026 lagen sie bei rund 8,9 Milliarden Dollar, verglichen mit 2,3 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum. Die Kosten für leistungsfähige Rechenzentren und den Betrieb der KI-Systeme bleiben damit ein wesentlicher Ausgabenposten.

Milliardenverlust beruht überwiegend auf Bewertungseffekten

Besonders auffällig ist der ausgewiesene Nettoverlust. Für das erste Halbjahr 2026 verbuchte Anthropic einen Fehlbetrag von 80,7 Milliarden Dollar. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum lag der Nettoverlust bei knapp 13 Milliarden Dollar.

Die enorme Differenz erklärt sich allerdings überwiegend durch buchhalterische Bewertungseffekte. Rund 72,4 Milliarden Dollar entfielen auf Veränderungen des beizulegenden Zeitwerts von Wandelanleihen und weiteren Finanzierungsinstrumenten. Insbesondere die gestiegene Unternehmensbewertung führte dazu, dass bestimmte Verpflichtungen bilanziell höher angesetzt werden mussten.

Diese Wertveränderungen sind nicht mit einem entsprechenden unmittelbaren Abfluss von Bargeld gleichzusetzen. Sie prägen jedoch das nach US-Rechnungslegungsstandards ausgewiesene Nettoergebnis erheblich.

Das operative Ergebnis fiel deutlich weniger negativ aus. Für das erste Halbjahr 2026 weist Anthropic einen operativen Verlust von 693 Millionen Dollar aus. Im zweiten Quartal allein erzielte das Unternehmen dagegen einen operativen Gewinn von 974 Millionen Dollar. Für das Gesamtjahr 2025 hatte der operative Verlust noch rund 8,1 Milliarden Dollar betragen.

Damit stehen dem hohen bilanziellen Nettoverlust eine stark verbesserte operative Entwicklung und weiterhin erhebliche Investitionen gegenüber.

Börsengang im November und Bewertung in Billionenhöhe möglich

Als möglicher Zeitraum für den Börsenstart gilt der November 2026. Nach Informationen des Wall Street Journal wird unter anderem die Woche ab dem 16. November als möglicher Termin ins Auge gefasst. Eine verbindliche Bestätigung des Handelstages liegt bislang nicht vor.

Auch die Unternehmensbewertung beim Börsengang ist noch offen. Im Gespräch sind Größenordnungen zwischen 1,5 und 2 Billionen Dollar. Dabei handelt es sich um Erwartungen aus dem Investorenumfeld, nicht um einen von Anthropic veröffentlichten Ausgabewert.

Eine gesicherte Vergleichsgröße liefert die jüngste große Finanzierungsrunde. Ende Mai 2026 hatte Anthropic eine Kapitalaufnahme von 65 Milliarden Dollar bekannt gegeben. Die Bewertung nach dieser Finanzierungsrunde lag bei 965 Milliarden Dollar.

Sollte Anthropic beim Börsendebüt tatsächlich eine Bewertung zwischen 1,5 und 2 Billionen Dollar erreichen, läge diese erheblich über dem zuletzt bestätigten Wert. Die endgültige Bewertung hängt jedoch von der Festlegung des Ausgabepreises und der Nachfrage der Investoren ab.

Gründer wollen Stimmrechtsmehrheit behalten

Eine Besonderheit des geplanten Börsengangs betrifft die Unternehmensführung. Anthropic sieht eine Aktienstruktur vor, bei der die sieben Gründer über eine gemeinsame Gesellschaft weiterhin 50,1 Prozent der allgemeinen Aktionärsstimmrechte kontrollieren sollen.

Dafür ist eine besondere Aktienklasse vorgesehen, deren Stimmrechtsgewicht auch bei der Ausgabe zusätzlicher Aktien geschützt bleibt. Gewöhnliche Aktionäre erhalten dadurch deutlich weniger Einfluss auf grundlegende Entscheidungen als bei einer herkömmlichen Verteilung der Stimmrechte.

Daneben spielt der sogenannte Long-Term Benefit Trust eine zentrale Rolle. Diese besondere Treuhandstruktur soll die langfristigen Ziele des Unternehmens berücksichtigen und verfügt über weitreichende Befugnisse bei der Besetzung des Verwaltungsrats.

Anthropic ist im US-Bundesstaat Delaware als Public Benefit Corporation organisiert. Diese Rechtsform verpflichtet das Unternehmen dazu, neben wirtschaftlichen Interessen auch den festgelegten öffentlichen Nutzen und die Interessen wesentlich betroffener Gruppen zu berücksichtigen.

Börsenpläne rücken Kosten und Risiken der KI-Branche in den Mittelpunkt

Der geplante Börsengang könnte zu einem wichtigen Gradmesser für die Bewertung großer KI-Unternehmen werden. Anthropic konkurriert unter anderem mit OpenAI und Google bei der Entwicklung leistungsfähiger Sprachmodelle und KI-Anwendungen.

Das Geschäft erfordert erhebliche Investitionen in Prozessoren, Rechenzentren, Energieversorgung und Forschung. Anthropic weist im Börsenprospekt ausdrücklich auf langfristige finanzielle Verpflichtungen für Rechenkapazitäten und auf Risiken bei der weiteren Expansion hin.

Zudem benennt das Unternehmen Gefahren im Zusammenhang mit KI-Systemen. Dazu gehören möglicher Missbrauch, unzureichende Kontrolle besonders leistungsfähiger Modelle und wirtschaftliche Veränderungen durch den Einsatz künstlicher Intelligenz.

Für Anthropic wird der Börsengang damit nicht allein von den bisher erreichten Umsätzen bestimmt. Entscheidend für die Bewertung am Kapitalmarkt werden auch die weitere Geschäftsentwicklung, die hohen Infrastrukturkosten und die Erwartungen an künftige Gewinne sein.

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