Unimicron schließt Leiterplattenwerk in Geldern: Rund 240 Arbeitsplätze betroffen

Ein multikulturelles Restaurant an der Wolbecker Straße in Münster schließt nach acht Jahren. Warum das Konzept endet – und wie es am Standort weitergeht.
Symbolbild: Evan Wise

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Der taiwanische Elektronikkonzern Unimicron zieht sich mit seiner deutschen Tochtergesellschaft aus der Leiterplattenproduktion in Geldern zurück. Die Unimicron Germany GmbH soll zum 1. November 2026 aufgelöst werden. Die Produktion wird voraussichtlich im ersten Halbjahr 2027 eingestellt. Betroffen sind rund 240 Beschäftigte. Gleichzeitig verzeichnet der Mutterkonzern in Taiwan kräftig steigende Umsätze und Gewinne.

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Unimicron Germany wird zum 1. November aufgelöst

Die Entscheidung zur Auflösung der deutschen Gesellschaft fiel am 27. Oktober 2026. Wie Unimicron Germany in einer offiziellen Mitteilung vom 30. Oktober bestätigte, wird die Gesellschaft im Rahmen einer freiwilligen Liquidation abgewickelt. Eine Insolvenz liegt ausdrücklich nicht vor.

Das Unternehmen begründet die Entscheidung mit anhaltenden wirtschaftlichen Verlusten am deutschen Standort und einem schwierigen Marktumfeld. Die Unternehmensgruppe habe die Produktion über mehrere Jahre finanziell unterstützt. Verschiedene Möglichkeiten zur Fortführung seien geprüft worden, eine wirtschaftlich tragfähige Lösung habe sich jedoch nicht ergeben.

Das Unimicron-Werk in Geldern soll nicht unmittelbar stillgelegt werden. Bestehende Aufträge und Lieferverpflichtungen werden während der Abwicklung weiterbearbeitet und mit den Kunden abgestimmt. Die Fertigung soll anschließend schrittweise reduziert werden und spätestens im Laufe des ersten Halbjahres 2027 enden.

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Rund 240 Beschäftigte von der Schließung betroffen

Die geplante Stilllegung betrifft die gesamte Belegschaft am Standort. Nach aktuellen Angaben handelt es sich um rund 240 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Der Betriebsrat wurde über die Entscheidung unterrichtet. Das Unternehmen hat ihn zu Verhandlungen über einen Interessenausgleich und einen Sozialplan eingeladen. Dabei geht es unter anderem um die Folgen der Betriebsschließung für die Beschäftigten und mögliche finanzielle Ausgleichsregelungen.

Konkrete Vereinbarungen zu Abfindungen oder weiteren Unterstützungsmaßnahmen wurden zunächst nicht bekannt gegeben.

Gelderns Bürgermeister Sven Kaiser bezeichnete die Entscheidung in einer am 30. Oktober veröffentlichten Stellungnahme als schweren Schlag für die Beschäftigten. Nach seinen Angaben hatte sich die Stadt in Gesprächen mit der Unternehmensführung für eine Fortsetzung der Produktion eingesetzt. Auch bei einem Besuch einer taiwanischen Delegation im August sei die Situation des Werks angesprochen worden. Eine Lösung zum Erhalt des Standorts sei daraus nicht entstanden.

Mutterkonzern meldet deutlich höhere Gewinne

Die Entscheidung in Deutschland fällt in eine wirtschaftlich erfolgreiche Phase des taiwanischen Mutterkonzerns Unimicron Technology.

Nach den am 27. Oktober veröffentlichten Geschäftszahlen erzielte das Unternehmen in den ersten neun Monaten 2026 einen auf die Aktionäre der Muttergesellschaft entfallenden Nettogewinn von rund 28,21 Milliarden Taiwan-Dollar. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum waren es rund 3,14 Milliarden Taiwan-Dollar gewesen. Damit hat sich der Gewinn nahezu verneunfacht.

Auch der Umsatz entwickelte sich deutlich positiv. In den ersten drei Quartalen 2026 erreichte er rund 132,99 Milliarden Taiwan-Dollar, nach 96,55 Milliarden Taiwan-Dollar im Vorjahreszeitraum. Das entspricht einem Wachstum von rund 37,7 Prozent.

Im dritten Quartal allein erzielte Unimicron einen Nettogewinn von rund 10,05 Milliarden Taiwan-Dollar. Das war der zweithöchste Quartalsgewinn der Unternehmensgeschichte. Für die ersten neun Monate erreichte der Konzern beim Gewinn einen neuen Höchstwert für diesen Vergleichszeitraum.

Die positive Entwicklung steht im Zusammenhang mit der starken Nachfrage nach hochwertigen Leiterplatten und Chipträgern, insbesondere für KI-Anwendungen und Rechenzentren.

Die hohen Konzerngewinne stehen damit den wirtschaftlichen Problemen der deutschen Tochtergesellschaft gegenüber. Die Ergebnisse des Gesamtkonzerns lassen allerdings keine unmittelbaren Rückschlüsse auf die Rentabilität des einzelnen Werks zu.

Bis zu 35 Millionen Euro für die Abwicklung vorgesehen

Für die Auflösung der deutschen Gesellschaft hat der taiwanische Konzern finanzielle Mittel von bis zu 35 Millionen Euro vorgesehen. Das geht aus den veröffentlichten Konzernunterlagen hervor.

Das Geld soll über die Holding UniRuwel an Unimicron Germany weitergeleitet werden. Vorgesehen ist es unter anderem für die Bearbeitung bestehender Kundenaufträge, mögliche Abfindungen, die Rückzahlung von Bankkrediten und konzerninternen Darlehen sowie weitere Kosten der Liquidation.

Die Summe ist damit nicht ausschließlich für die Beschäftigten bestimmt.

Parallel zur geplanten Schließung in Deutschland verfolgt die Konzernmutter ihre Investitionspläne an anderen Standorten weiter. Ende Oktober genehmigte das Unternehmen zusätzliche Vorbestellungen von Produktionsanlagen mit einem Volumen von rund 50,9 Milliarden Taiwan-Dollar. Damit sollen neue Fertigungskapazitäten geschaffen und bestehende Produktionsverfahren ausgebaut werden. Die tatsächliche Umsetzung soll sich nach der Nachfrage und den Marktbedingungen richten.

Traditionsreicher Leiterplattenstandort verliert seine Produktion

Die Schließung beendet die industrielle Geschichte eines traditionsreichen Leiterplattenstandorts. Die Wurzeln des Betriebs liegen beim früheren Hersteller Ruwel, dessen Unternehmensgeschichte bis 1945 zurückreicht.

2009 beteiligte sich die taiwanische Unimicron-Gruppe an Ruwel. Zwei Jahre später wurde sie Alleineigentümerin. Seit 2017 firmiert die deutsche Gesellschaft unter dem Namen Unimicron Germany GmbH.

Das Unternehmen fertigt technisch anspruchsvolle Leiterplatten, die beispielsweise in der Automobilindustrie, der Industrieelektronik und der Medizintechnik eingesetzt werden. Zum Produktionsspektrum gehören mehrlagige Leiterplatten und spezielle Lösungen für hohe elektrische oder thermische Anforderungen.

In den vergangenen Jahren wurde noch erheblich in die Produktion investiert. Nach einem Brand Ende 2016 eröffnete das Unternehmen 2018 eine neue Fertigung. Im Jahr 2022 folgten Investitionen von rund zwölf Millionen Euro in Produktionsanlagen und Infrastruktur.

Mit der angekündigten Schließung wird nun auch diese modernisierte Fertigung eingestellt.

Elektronikindustrie entwickelt sich international unterschiedlich

Der Fall Unimicron verdeutlicht die unterschiedlichen wirtschaftlichen Entwicklungen innerhalb der internationalen Elektronikindustrie.

Während insbesondere Hersteller von Komponenten für leistungsfähige Rechenzentren von der Nachfrage nach KI-Technologie profitieren, stehen andere Bereiche der Leiterplattenfertigung unter wirtschaftlichem Druck. Die Märkte unterscheiden sich hinsichtlich Produktionsmengen, technischer Anforderungen und Kundennachfrage erheblich.

Für den deutschen Standort nennt Unimicron anhaltende Verluste und fehlende wirtschaftliche Perspektiven. Welche einzelnen Kostenfaktoren bei der Entscheidung ausschlaggebend waren, hat das Unternehmen bislang nicht näher aufgeschlüsselt.

Fest steht dagegen der Zeitplan: Die Auflösung der Gesellschaft beginnt zum 1. November 2026. Die Leiterplattenproduktion in Geldern soll im Laufe des ersten Halbjahres 2027 vollständig eingestellt werden.

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