
Nach Trade Republic will offenbar auch Scalable Capital Privatanlegern in Deutschland die Zeichnung von Aktien des US-KI-Unternehmens Anthropic ermöglichen. Wie das Finanzportal neuebanken.de am Freitag, 6. November 2026, berichtet, informierte Scalable seine Kunden per E-Mail über eine voraussichtliche Beteiligung am geplanten Börsengang. Allerdings ist der Münchner Broker bislang nicht ausdrücklich auf der offiziellen Liste der vorgesehenen Vertriebspartner von Anthropic aufgeführt. Auch der genaue Zeitpunkt des Börsendebüts bleibt offen.
Mit der Ankündigung könnte Scalable Capital sein Angebot für Privatanleger erweitern. Bislang erklärt der Broker auf seiner eigenen Hilfeseite, dass Neuemissionen nicht direkt über seine Plattform gezeichnet werden können. Anfang November hatte Scalable gegenüber der WirtschaftsWoche bereits das grundsätzliche Ziel bekräftigt, Kunden den Zugang zu Börsengängen und den anschließenden Aktienhandel zu ermöglichen.
Die nun berichtete Kundenmitteilung geht einen Schritt weiter. Scalable stellt darin eine mögliche Beteiligung am Anthropic-Börsengang in Aussicht. Eine ausdrückliche Bestätigung durch den KI-Konzern lag zunächst nicht vor. Auf dessen offizieller Liste für den Europäischen Wirtschaftsraum und die Schweiz stehen unter anderem Trade Republic, Deutsche Bank, flatexDEGIRO, Revolut und Interactive Brokers. Scalable Capital wird dort nicht namentlich genannt. Ob eine Einbindung über einen bereits aufgeführten Vertriebspartner vorgesehen ist, blieb zunächst offen.
Anthropic plant ausdrücklich, auch Privatanlegern in Deutschland die Teilnahme am Börsengang zu ermöglichen. Neben Deutschland sind acht weitere Staaten des Europäischen Wirtschaftsraums für das öffentliche Aktienangebot vorgesehen. Grundlage soll ein europäischer Wertpapierprospekt sein, der von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht gebilligt werden muss.
Trade Republic hatte seine Beteiligung bereits am 2. November angekündigt. Allerdings stehen weder dort noch bei Scalable Capital die konkreten Konditionen für die Anthropic-Zeichnung fest. Offen sind insbesondere Zeichnungsfrist, Mindestanlage, mögliche Gebühren und der Beginn der Auftragsannahme. Auch eine vollständige Zuteilung der bestellten Aktien ist nicht garantiert. Bei hoher Nachfrage können Anleger weniger Anteile erhalten als gewünscht oder vollständig leer ausgehen.
Anthropic hatte seinen Börsenprospekt am 26. Oktober 2026 bei der US-Börsenaufsicht SEC veröffentlicht und am 2. November ergänzt. Das Unternehmen strebt eine Notierung seiner Aktien der Klasse A am Nasdaq Global Select Market unter dem Kürzel ANT an. Ein verbindlicher Handelstermin sowie der Ausgabepreis und die Zahl der angebotenen Aktien wurden noch nicht bekannt gegeben.
Ursprünglich war nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters vorgesehen, in der Woche ab dem 9. November mit der Vorstellung des Börsenangebots bei Investoren zu beginnen. Die Preisfestsetzung war demnach für die darauffolgende Woche geplant. Nach den jüngsten Kursverlusten im Technologiesektor äußerten jedoch mehrere potenzielle Investoren Zweifel am Zeitplan. Reuters berichtete am 5. November unter Berufung auf mit den Gesprächen vertraute Personen, dass Investoren niedrigere Bewertungen forderten. Anthropic äußerte sich nicht zu diesen Bedenken. Eine Verschiebung des Börsengangs war zunächst nicht offiziell angekündigt.
Die mögliche Bewertung gehört zu den zentralen offenen Fragen des Börsengangs. Im Mai 2026 hatte Anthropic bei einer Finanzierungsrunde 65 Milliarden US-Dollar eingesammelt. Dabei wurde das Unternehmen mit 965 Milliarden Dollar bewertet. Diese Bewertung bestätigte Anthropic selbst.
Für den Börsengang wurden zwischenzeitlich deutlich höhere Bewertungen diskutiert. Zuletzt stand nach Reuters-Informationen eine Größenordnung von 1,5 Billionen US-Dollar im Raum. Einige potenzielle Investoren betrachteten diesen Wert jedoch als zu hoch. Eine offizielle Bewertung für den Börsengang gibt es weiterhin nicht. Sie hängt insbesondere vom endgültigen Ausgabepreis und der Zahl der Aktien ab.
Anthropic wurde 2021 gegründet und entwickelt unter anderem den KI-Assistenten Claude. Das Unternehmen konkurriert im internationalen Markt für künstliche Intelligenz mit OpenAI und den großen Technologiekonzernen. Seine Anwendungen werden sowohl von Privatkunden als auch von Unternehmen genutzt.
Die beim Börsenregulator SEC eingereichten Finanzzahlen verdeutlichen das Wachstum und die wirtschaftlichen Herausforderungen. In den ersten neun Monaten 2026 erzielte Anthropic nach eigenen, noch ungeprüften Zwischenzahlen einen Umsatz von rund 33,2 Milliarden US-Dollar. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum waren es rund 2,5 Milliarden Dollar. Gleichzeitig verzeichnete das Unternehmen einen operativen Verlust von etwa 1,3 Milliarden Dollar.
Der ausgewiesene Nettoverlust von rund 104 Milliarden Dollar fiel wesentlich höher aus. Davon entfielen rund 94,3 Milliarden Dollar auf überwiegend nicht zahlungswirksame Bewertungseffekte bei wandelbaren Finanzinstrumenten und weiteren Verpflichtungen. Der Nettoverlust ist deshalb nicht mit einem gleich hohen unmittelbaren Geldabfluss gleichzusetzen. Zu den erheblichen Kostenfaktoren gehören der Betrieb und Ausbau der Recheninfrastruktur sowie die Entwicklung leistungsfähiger KI-Modelle.
Für Privatanleger ist neben dem Ausgabepreis die tatsächliche Zuteilung entscheidend. Eine rechtzeitig abgegebene Zeichnungsorder bedeutet nicht, dass Aktien im gewünschten Umfang ins Depot eingebucht werden. Wer dagegen erst nach dem Börsenstart kauft, muss den dann geltenden Marktpreis zahlen. Dieser kann erheblich vom ursprünglichen Ausgabepreis abweichen.
Hinzu kommen die Risiken der Unternehmensbewertung, der hohen Infrastrukturinvestitionen und der starken Konkurrenz auf dem KI-Markt. Auch die geplante Stimmrechtsstruktur ist relevant. Nach dem Börsenprospekt sollen die Gründer über eine besondere Aktienklasse zunächst 50,1 Prozent der Stimmrechte kontrollieren. Gewöhnliche Aktionäre hätten damit nur begrenzten Einfluss auf grundlegende Unternehmensentscheidungen.
Für Kunden von Scalable Capital und Trade Republic bleibt eine Beteiligung am Anthropic-Börsengang zunächst von den endgültigen Angebotsbedingungen abhängig. Erst mit der Veröffentlichung der verbindlichen Unterlagen und der jeweiligen Zeichnungsmodalitäten wird feststehen, wann und unter welchen Voraussetzungen Privatanleger tatsächlich Aktien bestellen können.
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