
Arbeitsspeicher ist innerhalb weniger Monate erheblich teurer geworden. Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung bei DDR5-Modulen für Desktop-PCs. Im deutschen Einzelhandel lag das durchschnittliche Preisniveau ausgewählter DDR5-Produkte im Oktober 2026 etwa 5,6-mal so hoch wie im Juli 2025. Haupttreiber ist die große Nachfrage nach Speicherchips für KI-Rechenzentren. Die steigenden Kosten treffen inzwischen auch Hersteller von Notebooks und Smartphones. Eine neue Marktanalyse vom 6. November zeigt, dass einige Smartphone-Hersteller zunehmend wiederaufbereitete Speicherchips einsetzen.
Wie stark die Speicherpreise gestiegen sind, zeigt eine Auswertung des Technikportals 3DCenter vom 17. Oktober 2026. Dafür wurden die günstigsten lieferbaren Angebote verschiedener Speicherkategorien im deutschen Einzelhandel anhand des Preisvergleichsdienstes Geizhals untersucht. Der Vergleich umfasst 20 DDR5-Produktklassen und reicht bis in den Sommer 2025 zurück.
Der durchschnittliche Preisindex für DDR5-Arbeitsspeicher erreichte im Oktober 559 Prozent des Ausgangsniveaus vom Juli 2025. Das entspricht einer Verteuerung um 459 Prozent. Allein zwischen September und Oktober 2026 stiegen die erfassten Preise im Durchschnitt um weitere 2,7 Prozent.
Besonders anschaulich ist die Entwicklung bei einem DDR5-Speicherkit mit zweimal 16 Gigabyte und einer Geschwindigkeit von mindestens 5.600 Megatransfers pro Sekunde. Das günstigste lieferbare Angebot dieser Kategorie lag im Juli 2025 bei 75 Euro. Am 17. Oktober 2026 waren es bereits 447 Euro. Bei einem Kit mit zweimal 32 Gigabyte und mindestens 6.000 Megatransfers pro Sekunde stieg der Vergleichswert im selben Zeitraum von 158 auf 960 Euro.
Die Zahlen beschreiben Preisveränderungen innerhalb definierter Produktklassen und nicht zwingend die Entwicklung eines einzelnen unveränderten Modells. Auch ergeben sie keinen einheitlichen Preisaufschlag für sämtliche Speicherprodukte. Sie verdeutlichen jedoch, welche Größenordnung der Anstieg im deutschen Einzelhandel inzwischen erreicht hat.
Hinter der Preisentwicklung steht eine grundlegende Veränderung des internationalen Speichermarktes. Betreiber großer Rechenzentren benötigen für künstliche Intelligenz erhebliche Mengen leistungsfähiger Speicherchips. Dabei geht es sowohl um besonders schnellen HBM-Speicher für KI-Beschleuniger als auch um DDR5-Arbeitsspeicher für Server.
HBM steht für High Bandwidth Memory. Diese besonders leistungsfähige Speichertechnik kommt unter anderem bei Prozessoren für das Training und den Betrieb großer KI-Modelle zum Einsatz. Zusätzlich benötigen die zahlreichen Serverprozessoren in Rechenzentren herkömmlicheren DRAM-Speicher, allerdings häufig in größeren Kapazitäten und speziellen Serverausführungen.
Die großen Speicherhersteller Samsung Electronics, SK hynix und Micron bedienen damit einen Markt, in dem die Nachfrage nach leistungsfähigen Produkten besonders hoch ist. Gleichzeitig sind die Produktionskapazitäten begrenzt. Werden zusätzliche Kapazitäten für HBM und Server-DRAM eingesetzt, stehen sie nicht im gleichen Umfang für gewöhnlichen PC-Arbeitsspeicher zur Verfügung.
Das Marktforschungsunternehmen TrendForce beschreibt diese Verlagerung als wesentlichen Grund für das knappe Angebot. Besonders moderne Fertigungsanlagen werden zunehmend für Speicherprodukte eingesetzt, die in Servern und KI-Systemen benötigt werden. Damit verschärft sich die Konkurrenz um verfügbare Chips und Produktionskapazitäten.
Die Entwicklung zeigt sich auch in den Geschäftszahlen der Speicherindustrie. SK hynix meldete am 28. Oktober 2026 für das dritte Quartal einen deutlichen Anstieg von Umsatz und operativem Gewinn. Das Unternehmen verwies dabei ausdrücklich auf die starke Nachfrage nach KI-Speicher sowie das wachsende Geschäft mit Server-DDR5 und HBM4.
Der südkoreanische Hersteller baut seine Produktionskapazitäten für fortschrittliche Speichertechnik weiter aus. Nach eigenen Angaben bestehen langfristige Vereinbarungen für mehr als die Hälfte der Produktionskapazitäten der Jahre 2027 und 2028. Solche Vereinbarungen sichern Kunden größere Liefermengen, verringern aber zugleich den frei verfügbaren Teil der Produktion.
Auch die jüngsten Marktdaten von TrendForce bestätigen das weiterhin hohe Preisniveau. In einem Bericht vom 30. Oktober heißt es, dass die Vertragspreise für PC-Arbeitsspeicher im vierten Quartal weiter steigen, wenn auch weniger stark als zuvor. Die Analyse vom 4. November beschreibt ebenfalls steigende Vertragspreise für Server-Speicher. Gleichzeitig fiel die Nachfrage am kurzfristigen Handelsmarkt verhaltener aus. Der Preisanstieg verläuft damit nicht in sämtlichen Marktsegmenten gleichmäßig.
Von den Veränderungen ist nicht nur moderner DDR5-Speicher betroffen. Auch ältere DDR4-Module haben sich deutlich verteuert. Nach dem Preisindex von 3DCenter lag das durchschnittliche DDR4-Preisniveau im Oktober 2026 bei etwa dem 3,9-Fachen des Wertes vom Juli 2025. Gegenüber September stiegen die erfassten DDR4-Preise um durchschnittlich 19 Prozent.
Ein Grund dafür ist, dass Hersteller ihre Produktion zunehmend auf neuere und wirtschaftlich attraktivere Speichertechnologien ausrichten. Damit kann selbst ältere Technik teurer werden, obwohl sie bei der Leistungsfähigkeit hinter aktuellen Standards zurückliegt.
Auch SSDs, die als schnelle Massenspeicher in Computern und anderen Geräten eingesetzt werden, stehen unter Kostendruck. Sie verwenden überwiegend NAND-Flash-Speicher und sind deshalb von einer anderen, aber ebenfalls angespannten Marktentwicklung betroffen.
TrendForce prognostizierte am 30. September für das vierte Quartal 2026 einen Anstieg der Vertragspreise für herkömmlichen DRAM um 10 bis 15 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Für NAND-Flash erwarteten die Analysten einen Anstieg von 15 bis 20 Prozent. Diese Angaben beziehen sich auf industrielle Vertragspreise und nicht unmittelbar auf Verkaufspreise im Einzelhandel.
Für Computerhersteller bedeutet der teurere Arbeitsspeicher steigende Produktionskosten. Besonders betroffen sind preisgünstigere Geräte, deren Hersteller nur begrenzte Möglichkeiten haben, zusätzliche Kosten aufzufangen.
Nach einer Analyse von TrendForce vom 8. Oktober 2026 entfielen bei einem beispielhaften Notebook mit einem empfohlenen Verkaufspreis von 900 US-Dollar im dritten Quartal rund 68 Prozent der gesamten Materialkosten auf Prozessor, Arbeitsspeicher und SSD. Steigen die Preise dieser zentralen Komponenten, erhöht sich der wirtschaftliche Druck auf die Gerätehersteller entsprechend.
Diese können die höheren Kosten teilweise selbst tragen, höhere Verkaufspreise verlangen oder die technische Ausstattung ihrer Geräte verändern. Dazu gehören beispielsweise kleinere Arbeitsspeicher- und SSD-Kapazitäten bei bestimmten Modellvarianten.
Das Marktforschungsunternehmen IDC hatte im Juni 2026 für das Gesamtjahr einen Anstieg der durchschnittlichen PC-Verkaufspreise um 17 Prozent prognostiziert. Zugleich erwartete IDC einen Rückgang der weltweiten PC-Auslieferungen um 11,3 Prozent. Dabei handelt es sich um Marktprognosen und nicht um bereits feststehende Jahresergebnisse.
Die tatsächliche Preisentwicklung einzelner Computer hängt weiterhin von mehreren Faktoren ab. Dazu zählen bestehende Lagerbestände, langfristige Lieferverträge, die jeweilige Ausstattung und der Wettbewerb zwischen den Anbietern. Ein hoher Aufschlag beim Arbeitsspeicher lässt sich daher nicht unmittelbar in dieselbe prozentuale Verteuerung eines vollständigen Computers umrechnen.
Auch die Smartphone-Industrie sucht nach Möglichkeiten, höhere Speicherkosten zu begrenzen. Eine am 6. November 2026 veröffentlichte Untersuchung von TrendForce beschreibt den zunehmenden Einsatz wiederaufbereiteter Arbeitsspeicherchips in günstigen Smartphones.
Bei diesem sogenannten Reballed Memory handelt es sich um Speicherbausteine, die für einen erneuten Einbau aufbereitet und mit neuen Lötverbindungen versehen werden. Besonders verbreitet ist nach Angaben von TrendForce derzeit LPDDR4X-Speicher mit vier Gigabyte Kapazität. Er wird vor allem in preisgünstigen Smartphones eingesetzt, die den Mobilfunkstandard 4G unterstützen.
TrendForce schätzt, dass solche wiederaufbereiteten Komponenten 2026 in etwa drei bis vier Prozent der Smartphones zum Einsatz kommen. Für 2027 halten die Analysten einen Anteil von sieben bis neun Prozent für möglich. Dabei handelt es sich um Schätzungen beziehungsweise Prognosen.
Die Wiederverwendung kann Produktionskosten senken, bringt jedoch zusätzliche Anforderungen an Auswahl und Qualitätskontrolle mit sich. TrendForce verweist auf mögliche Unterschiede bei der Zuverlässigkeit der Bauteile und daraus entstehende Risiken für die Lebensdauer der Geräte. Ein genereller Qualitätsmangel bei Smartphones mit wiederaufbereitetem Speicher ergibt sich daraus nicht.
Der Kostendruck betrifft insbesondere Hersteller günstiger Smartphones. Bei höherpreisigen Geräten besteht häufig mehr Spielraum, steigende Materialkosten über die Verkaufspreise oder die Gewinnmargen aufzufangen.
Eine schnelle Rückkehr zu den früheren Speicherpreisen zeichnet sich in den aktuellen Markteinschätzungen nicht ab. TrendForce rechnet auch 2027 mit einem angespannten Angebot bei PC-Arbeitsspeicher, weil die Nachfrage nach Serverprodukten weiterhin einen erheblichen Teil der fortschrittlichen Fertigungskapazitäten beanspruchen dürfte.
IDC erwartete in seiner Juni-Prognose ebenfalls keine wesentliche Entspannung der Versorgungslage vor Ende 2027. Wie sich die Preise tatsächlich entwickeln, hängt allerdings davon ab, wie schnell zusätzliche Produktionskapazitäten verfügbar werden und wie sich die Nachfrage aus Rechenzentren und dem klassischen Elektronikmarkt verändert.
Gleichzeitig zeigen die jüngsten Marktanalysen, dass der Anstieg nicht unbegrenzt und nicht in allen Bereichen mit derselben Geschwindigkeit weitergeht. Schwächere Nachfrage nach Notebooks und Smartphones begrenzt die Möglichkeiten, höhere Preise vollständig an Kunden weiterzugeben. Auch kurzfristige Preisrückgänge einzelner Speicherchips sind möglich.
Für Verbraucher bleibt vor allem die Entwicklung bei der Ausstattung neuer Geräte relevant. Neben einem höheren Kaufpreis können künftig auch geringere Speichergrößen bei unveränderten Verkaufspreisen eine Folge der gestiegenen Komponentenpreise sein. Der Ausbau der weltweiten KI-Infrastruktur wirkt sich damit zunehmend auf Produkte aus, die weit über den eigentlichen Rechenzentrumsmarkt hinausgehen.
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