
Die Aktie des Immobilienkonzerns Aroundtown ist zum Wochenstart deutlich unter Druck geraten. Auslöser war eine neue Einschätzung des Analysehauses Jefferies. Die Analysten senkten das Kursziel für die Aroundtown Aktie von 2,30 Euro auf 2,00 Euro und beließen die Einstufung auf Underperform. Damit bleibt Jefferies bei einer klar vorsichtigen Bewertung des luxemburgischen Immobilienunternehmens.
Am Handelstag des 8. Juni 2026 verlor die Aroundtown Aktie zeitweise deutlich. In einzelnen Marktübersichten wurde ein Minus von mehr als sechs Prozent genannt. Im Xetra-Handel lag der Schlusskurs nach den vorliegenden Marktdaten bei rund 2,35 Euro. Damit blieb die Aktie zwar oberhalb des neuen Jefferies Kursziels, die Reaktion zeigte jedoch, wie sensibel Immobilienwerte weiterhin auf Analysteneinschätzungen und Zinsthemen reagieren.
Im Mittelpunkt der Bewertung steht die Kennzahl FFO. Sie gilt bei Immobilienunternehmen als wichtige operative Größe, weil sie näher am laufenden Geschäft liegt als der klassische Konzerngewinn. Nach Einschätzung von Jefferies sieht die Studie für Aroundtown vorerst kein operatives Wachstum auf dieser Kennzahl. Zusätzlich verweisen die Analysten auf weiterhin spürbare Belastungen aus der Refinanzierung. Aroundtown habe zwar Schritte unternommen, um die eigene Verschuldung zu reduzieren. Dieser Prozess sei aber nicht abgeschlossen.
Aroundtown selbst hatte für das erste Quartal 2026 einen FFO I von rund 70 Millionen Euro berichtet, nach 76 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Als Hauptgrund nannte das Unternehmen höhere Finanzierungskosten. Damit deckt sich die operative Entwicklung mit der vorsichtigen Einschätzung der Analysten. Wie stark sich die Refinanzierung im weiteren Jahresverlauf auswirkt, hängt unter anderem davon ab, zu welchen Konditionen Aroundtown auslaufende Anleihen und Kredite ersetzen kann.
Aroundtown ist mit Schwerpunkt im Gewerbeimmobilienbereich aufgestellt. Dazu gehören vor allem Büroobjekte, Hotelimmobilien und gemischt genutzte Liegenschaften. Ein erheblicher Teil des Portfolios liegt in deutschen Großstädten wie Berlin, Frankfurt, München und in mehreren Standorten in Nordrhein-Westfalen, dazu kommen Bestände in den Niederlanden.
In Marktanalysen wird der Office-Bereich seit längerem kritisch beobachtet. Die Pandemie und veränderte Arbeitsmodelle haben die Nachfrage nach Büroflächen in vielen Metropolen verschoben. Bei Aroundtown wird unter anderem die Entwicklung der Leerstandsquote im Office-Geschäft als sensibler Faktor genannt. In einzelnen Auswertungen wurde ein Anstieg gegenüber Vorquartalen genannt. Solche Werte sind für Investoren relevant, weil Leerstand die Mieteinnahmen schwächen und zusätzliche Investitionen erforderlich machen kann.
Aroundtown versucht, das eigene Finanzprofil zu stabilisieren. Dazu gehören Verkäufe von Immobilien, Kapitalrecycling und Aktienrückkäufe. Nach Unternehmensangaben wurden im laufenden Jahr bereits Verkäufe in größerem Umfang unterzeichnet. Außerdem erhöhte Aroundtown nach Abschluss eines Aktientauschangebots die Beteiligung an Grand City Properties deutlich.
Diese Schritte können die Struktur des Konzerns verändern und die Ertragsbasis verbreitern. Sie lösen jedoch nicht automatisch das Zinsproblem. Für Immobilienunternehmen bleibt entscheidend, zu welchen Konditionen auslaufende Finanzierungen ersetzt werden können. Genau hier setzt die Kritik von Jefferies an. Die Verschuldung werde zwar angegangen, die Refinanzierung bleibe aber eine Belastung.
Die Entwicklung bei Aroundtown steht nicht isoliert. Immobilienaktien in Deutschland und Europa haben in den vergangenen Jahren besonders stark auf die restriktivere Geldpolitik reagiert. Höhere Zinsen wirken doppelt: Sie verteuern die Finanzierung und drücken zugleich auf Immobilienbewertungen, weil künftige Erträge stärker abgezinst werden.
Zwar haben sich einige Immobilienwerte nach den schweren Kursverlusten der Vorjahre zwischenzeitlich erholt. Der Markt bleibt jedoch empfindlich. Jede neue Einschätzung zu Finanzierungskosten, Leerstand oder operativer Ertragskraft kann deutliche Kursbewegungen auslösen. Bei Aroundtown kommt hinzu, dass der Konzern stark im Gewerbeimmobilienmarkt engagiert ist. Dieser Bereich gilt weiterhin als anspruchsvoller als der Wohnimmobilienmarkt.
Offiziell bestätigt war zunächst die neue Jefferies Einschätzung mit dem gesenkten Kursziel. Ebenfalls belastbar sind die veröffentlichten Quartalszahlen von Aroundtown und die darin genannten Angaben zu FFO I, Finanzierungskosten und Portfolioentwicklung. Eine unabhängige Bestätigung für darüber hinausgehende Sonderfaktoren, die den Kursrückgang am 8. Juni 2026 allein erklären würden, lag zunächst nicht vor.
Für Anleger bleibt damit die Kernfrage, ob Aroundtown die operative Entwicklung stabilisieren und zugleich die Finanzierungskosten kontrollieren kann. Die Jefferies Studie setzt hier ein deutlich skeptisches Signal. Der Kursrückgang zeigt, dass der Markt diese Zweifel ernst nimmt.
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