Audi bereitet zeitweisen Einsatz von Beschäftigten bei Rüstungsfirmen vor

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Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Ingolstadt. Der angeschlagene Autohersteller Audi will Beschäftigten ermöglichen, vorübergehend bei Unternehmen der Verteidigungsindustrie zu arbeiten. Bei einer zweitägigen Informationsveranstaltung am 29. und 30. Oktober 2026 in Ingolstadt konnten sich Mitarbeiter über entsprechende Angebote informieren. Mehr als 2.000 Anmeldungen gingen nach Unternehmensangaben ein. Das freiwillige Programm soll Personalüberhänge beim Autobauer mit dem steigenden Fachkräftebedarf der Rüstungsindustrie verbinden. Die Beschäftigten bleiben während ihres Einsatzes bei Audi angestellt und erhalten ein Rückkehrrecht.

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Mehr als 2.000 Anmeldungen für das neue Personalmodell

Audi hat das Kooperationsmodell gemeinsam mit Unternehmen der Verteidigungsindustrie, dem Verband der Bayerischen Metall- und Elektroindustrie, der Bundesagentur für Arbeit und dem bayerischen Wirtschaftsministerium entwickelt.

Auf dem Beschäftigungsmarktplatz im Ingolstädter Audi-Werk präsentierten Diehl Defence, MBDA und KNDS ihre Einsatzmöglichkeiten. Angesprochen werden insbesondere Ingenieure, Qualitätsfachkräfte, Projektmanager und Beschäftigte aus der technischen Entwicklung sowie der Qualitätssicherung.

Die mehr als 2.000 Anmeldungen beziehen sich auf die Informationsveranstaltung. Sie bedeuten nicht, dass bereits entsprechend viele Beschäftigte einen Wechsel vereinbart hätten.

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Nach Angaben des Bayerischen Rundfunks rechnet Audi-Rekrutierungsleiter Andreas Zelzer mit rund 400 Mitarbeitern, die vorübergehend bei den beteiligten Unternehmen eingesetzt werden könnten. Dabei handelt es sich um eine Einschätzung, nicht um eine bestätigte Zahl abgeschlossener Vereinbarungen.

Beschäftigte behalten ihren Arbeitsvertrag bei Audi

Für das neue Modell gilt ein tariflich geregelter regionaler Personaleinsatz. Die Mitarbeiter bleiben während ihrer Tätigkeit bei einem anderen Unternehmen weiterhin bei Audi beschäftigt.

Nach der jüngsten Audi-Mitteilung ist eine Einsatzdauer von mindestens 24 Monaten vorgesehen. Der Bayerische Rundfunk berichtete über eine mögliche Höchstdauer von drei Jahren. Erste Wechsel könnten demnach 2027 beginnen.

Voraussetzung ist die Zustimmung aller Beteiligten: der Beschäftigten, von Audi und des aufnehmenden Unternehmens. Die Vergütung soll erhalten bleiben. Nach dem befristeten Einsatz besteht die Möglichkeit, zum Autobauer zurückzukehren.

Die IG Metall unterstützt das Modell unter der Voraussetzung, dass der Wechsel freiwillig bleibt und bestehende tarifliche sowie soziale Schutzrechte gewahrt werden. Der zugrunde liegende Tarifvertrag wurde nach Gewerkschaftsangaben bereits im April 2026 geschlossen.

Diehl, MBDA und KNDS beteiligt, Rolle von Airbus offen

Zu Beginn des Projekts hatte Audi neben Diehl Defence, MBDA und KNDS auch den Luftfahrtkonzern Airbus als möglichen Partner genannt.

In der offiziellen Mitteilung zum Auftakt am 29. Oktober werden dagegen ausdrücklich nur Diehl Defence, MBDA und KNDS als beteiligte Verteidigungsunternehmen aufgeführt. Airbus wird dort nicht mehr genannt. Ob der Konzern zu einem späteren Zeitpunkt ebenfalls Personal übernehmen soll, blieb zunächst offen.

Die beteiligten Unternehmen verfügen über Standorte in Bayern. MBDA ist unter anderem in Schrobenhausen ansässig, KNDS in München und Diehl Defence in der Region Nürnberg vertreten.

Diehl Defence erklärte im Zusammenhang mit dem Projekt, derzeit mehr als 600 offene Stellen ausgeschrieben zu haben. Das Unternehmen entwickelt und produziert unter anderem Luftverteidigungssysteme. MBDA ist auf Lenkflugkörpersysteme spezialisiert, während KNDS militärische Landfahrzeuge herstellt.

Audis Geschäftszahlen zeigen den wirtschaftlichen Druck

Das Vorhaben fällt in eine wirtschaftlich schwierige Phase für Audi. Am 30. Oktober veröffentlichte der Volkswagen-Tochterkonzern seine Geschäftszahlen für die ersten neun Monate 2026.

Der Umsatz ging von rund 48,4 Milliarden Euro im entsprechenden Vorjahreszeitraum auf 42,1 Milliarden Euro zurück. Das operative Ergebnis sank von rund 1,56 Milliarden auf 1,15 Milliarden Euro. Die operative Umsatzrendite lag bei 2,7 Prozent nach 3,2 Prozent im Vorjahr.

Besonders belastend entwickelten sich die Absatzmärkte China und Nordamerika. Die weltweiten Auslieferungen der Marke Audi gingen in den ersten neun Monaten um 11,4 Prozent zurück.

Als Ursachen nennt der Konzern unter anderem den intensiveren Wettbewerb, den Preisdruck, die chinesische Marktentwicklung und Belastungen durch US-Zölle. Audi hat deshalb angekündigt, seine Maßnahmen zur Kostensenkung und Effizienzsteigerung zu verstärken.

Bei Audi sollen bis zu 7.500 Stellen wegfallen

Schon im März 2025 hatten Unternehmensleitung und Betriebsrat eine Zukunftsvereinbarung beschlossen. Sie sieht vor, bis 2029 im sogenannten indirekten Bereich bis zu 7.500 Stellen sozialverträglich abzubauen. Gleichzeitig wurde die Beschäftigungssicherung für die deutschen Standorte damals bis Ende 2033 verlängert.

Das neue Programm für den befristeten Personaleinsatz ergänzt die bestehenden Maßnahmen. Bei vorübergehendem Personalüberhang sollen qualifizierte Mitarbeiter eine Beschäftigungsmöglichkeit außerhalb des Autobauers erhalten, ohne ihren bisherigen Arbeitsvertrag aufgeben zu müssen.

Audi und Rüstungsunternehmen verfolgen damit unterschiedliche betriebliche Ziele. Während der Autohersteller Personal flexibler einsetzen und Beschäftigung sichern möchte, suchen die Verteidigungsunternehmen Fachkräfte für ihre wachsenden Kapazitäten.

Ob aus den zahlreichen Interessensbekundungen tatsächlich mehrere Hundert befristete Wechsel entstehen, war zum Abschluss der Informationsveranstaltung noch nicht bestätigt.

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