
Deutschland verliert seit Jahren mehr eigene Staatsangehörige an das Ausland, als Deutsche aus anderen Ländern zurückkehren. Im Jahr 2025 hat sich diese Entwicklung noch einmal verstärkt. Nach endgültigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes zogen 288.579 Menschen mit deutscher Staatsangehörigkeit ins Ausland. Gleichzeitig kamen 191.890 Deutsche aus dem Ausland nach Deutschland. Der Wanderungssaldo lag damit bei minus 96.689 Personen. Ein Jahr zuvor hatte das Minus bei 80.879 Personen gelegen.
Die Auswanderung aus Deutschland erhält zusätzliche Bedeutung, weil Untersuchungen zeigen, dass international mobile Deutsche überdurchschnittlich häufig gut ausgebildet sind. Eine aktuelle amtliche Statistik darüber, wie viele der 2025 ausgewanderten Deutschen Akademiker, Fachkräfte oder Gutverdiener waren, gibt es allerdings nicht. Entsprechende Aussagen müssen deshalb von der reinen Wanderungszahl getrennt werden. Für den Arbeitsmarkt ist die Entwicklung dennoch relevant, weil Deutschland gleichzeitig in zahlreichen Berufen Schwierigkeiten hat, genügend qualifiziertes Personal zu finden.
Insgesamt registrierte das Statistische Bundesamt für 2025 rund 1,48 Millionen Zuzüge nach Deutschland und rund 1,245 Millionen Fortzüge ins Ausland. Unter dem Strich ergab sich damit noch eine Nettozuwanderung von 235.000 Personen. Sie fiel allerdings deutlich niedriger aus als 2024, als der Wanderungsüberschuss bei rund 430.000 Personen lag.
Bei deutschen Staatsangehörigen zeigt sich ein anderes Bild. Hier besteht bereits seit 2005 durchgehend eine Nettoabwanderung. Von 2024 auf 2025 stieg die Zahl der Fortzüge deutscher Staatsangehöriger von 269.986 auf 288.579. Gleichzeitig erhöhte sich der Wanderungsverlust gegenüber dem Ausland auf knapp 97.000 Menschen.
Besonders häufig zog es Deutsche 2025 in die Schweiz. Rund 22.700 Fortzüge wurden dorthin registriert. Etwa 13.500 Deutsche gingen nach Österreich und rund 9.700 nach Spanien. Knapp 8.900 zogen in die Vereinigten Staaten. Die geografische Nähe und die fehlende Sprachbarriere machen insbesondere die Schweiz und Österreich zu wichtigen Zielländern deutscher Auswanderer.
Die Wanderungsstatistik erfasst nicht, welchen Beruf Auswanderer ausüben oder welches Einkommen sie erzielen. Aussagen, wonach 2025 vor allem Gutverdiener Deutschland verlassen hätten, lassen sich deshalb aus den neuen Destatis Zahlen nicht ableiten. Einen Einblick in die soziale Struktur deutscher Auswanderer liefert jedoch die German Emigration and Remigration Panel Study des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung.
In dieser repräsentativen Untersuchung zu Deutschen, die 2017 und 2018 ausgewandert waren, verfügten rund 76 Prozent der Befragten über einen Hochschulabschluss. In der zum Vergleich herangezogenen Bevölkerung in Deutschland lag der entsprechende Anteil bei etwa 25 Prozent. Die Auswandernden waren zudem mit durchschnittlich rund 35 Jahren deutlich jünger als die Vergleichsgruppe der nicht international mobilen Bevölkerung.
Berufliche Motive spielten eine zentrale Rolle. Rund 58 Prozent bewerteten eigene berufliche Gründe als sehr wichtig für ihre Entscheidung, ins Ausland zu ziehen. Bei weiteren 29 Prozent spielte die berufliche Situation des Partners oder der Partnerin eine wichtige Rolle. Die Untersuchung zeigt allerdings ebenfalls, dass Auswanderung häufig nicht als endgültiger Abschied geplant wird. Rund 69 Prozent wollten lediglich für einige Jahre im Ausland leben.
Auch beim Einkommen zeigte die Untersuchung deutliche Veränderungen nach einem Umzug ins Ausland. Bei vollzeitbeschäftigten Teilnehmern stieg der persönliche monatliche Nettoverdienst zwischen der Zeit vor der Auswanderung und der Befragung rund zwölf Monate später im Durchschnitt um 1.186 Euro. Die Forscher berücksichtigten dabei auch Veränderungen der Arbeitszeit und verglichen die Entwicklung mit nicht ausgewanderten Personen mit ähnlichen Merkmalen.
Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass die 2025 ausgewanderten Deutschen allein wegen höherer Gehälter gegangen sind oder überwiegend bereits vor ihrer Auswanderung zu den Gutverdienern gehörten. Aktuelle Daten zu den individuellen Motiven der knapp 289.000 deutschen Fortzüge liegen in dieser Form nicht vor. Frühere Untersuchungen sprechen vielmehr für eine Mischung aus Karrierechancen, beruflichen Entscheidungen innerhalb von Partnerschaften, persönlichen Gründen und dem Wunsch nach zeitweiliger internationaler Erfahrung.
Für Deutschland ist insbesondere die Qualifikation der Auswandernden wirtschaftlich relevant. Die Bundesagentur für Arbeit stellte in ihrer Fachkräfteengpassanalyse für 2025 Engpässe in 157 Berufsgattungen fest. Besonders betroffen waren unter anderem Pflege und medizinische Berufe sowie Bau, Handwerk, Erziehung, Berufskraftverkehr und einzelne technische Berufe. Gleichzeitig betont die Bundesagentur, dass kein allgemeiner Arbeitskräftemangel in allen Bereichen besteht. In zahlreichen Berufen ist weiterhin ausreichend Personal verfügbar.
Der langfristige demografische Trend verschärft die Herausforderung. Nach Einschätzung der OECD dürfte die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter in Deutschland innerhalb von zehn Jahren um rund neun Prozent schrumpfen. Die Organisation sieht Fachkräfteengpässe deshalb als mögliches Hindernis für Wachstum, Investitionen sowie die digitale und ökologische Transformation. Neben einer höheren Erwerbsbeteiligung und besserer Aus und Weiterbildung spielt aus Sicht der OECD auch die Gewinnung qualifizierter Zuwanderer eine wichtige Rolle.
Die steigende Nettoabwanderung deutscher Staatsangehöriger bedeutet nicht automatisch einen dauerhaften Verlust von fast 97.000 Fachkräften pro Jahr. Ein Teil der Auswanderer ist nicht erwerbstätig, andere kehren nach einigen Jahren zurück. Auch die hohe Zahl der Rückkehrer zeigt, dass internationale Mobilität häufig keine endgültige Entscheidung ist.
Dennoch entsteht für Deutschland ein strukturelles Problem, wenn überdurchschnittlich qualifizierte Menschen häufiger ins Ausland gehen, während Unternehmen und öffentliche Einrichtungen gleichzeitig qualifiziertes Personal suchen. Die Herausforderung besteht deshalb nicht allein darin, Fachkräfte aus dem Ausland zu gewinnen. Ebenso wichtig sind Arbeitsbedingungen, Karrierechancen und wirtschaftliche Rahmenbedingungen, die qualifizierte Beschäftigte im Land halten oder nach einem Auslandsaufenthalt zur Rückkehr bewegen.
Die Zahlen für 2025 zeigen jedenfalls eine klare Entwicklung: Die Zahl deutscher Fortzüge ist gestiegen und der negative Wanderungssaldo deutscher Staatsangehöriger hat sich vergrößert. Ob daraus ein dauerhafter Verlust besonders vieler Gutverdiener entsteht, lässt sich mit den verfügbaren Daten nicht belegen. Dass international mobile Deutsche überdurchschnittlich häufig hoch qualifiziert sind, ist dagegen durch repräsentative Untersuchungen gut dokumentiert.
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