
Die mittelhessische Bäckereikette Moos befindet sich in finanziellen Schwierigkeiten und will sich mithilfe eines gerichtlichen Schutzschirmverfahrens sanieren. Das Unternehmen mit Sitz in Aßlar hat Mitte Oktober 2026 einen entsprechenden Antrag beim Amtsgericht Wetzlar gestellt. Nach Unternehmensangaben wurde das Verfahren bereits angeordnet. Die Bäckerei Moos beschäftigt rund 480 Menschen und betreibt 59 Filialen. Für Kunden soll sich zunächst nichts ändern.
Trotz des Sanierungsverfahrens bleiben die Standorte vorerst in Betrieb. Auch die Produktion und Belieferung sollen im bisherigen Umfang fortgesetzt werden. Die Arbeitsverhältnisse der Beschäftigten bestehen nach Angaben des Unternehmens weiter.
Für die Monate Oktober, November und Dezember 2026 sollen die Lohn- und Gehaltsansprüche über das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit abgesichert werden. Ab Januar müsste das Unternehmen die laufenden Personalkosten wieder selbst tragen.
Welche Veränderungen die Sanierung für einzelne Filialen oder Arbeitsplätze haben könnte, ist bislang offen. Unternehmenssprecher Holger Voskuhl rechnet mit der Eröffnung des eigentlichen Insolvenzverfahrens im Januar 2027.
Bei dem Verfahren handelt es sich um eine besondere Form der Sanierung in Eigenverwaltung. Das Unternehmen behält die Kontrolle über seine Geschäfte, während ein gerichtlich bestellter Sachwalter die Interessen der Gläubiger überwacht.
Voraussetzung für den Schutzschirm ist, dass noch keine Zahlungsunfähigkeit eingetreten ist und die angestrebte Sanierung nicht offensichtlich aussichtslos erscheint. Für die Erstellung eines Insolvenzplans kann das Gericht eine Frist von höchstens drei Monaten gewähren.
Als Sachwalter wird der Insolvenzrechtsexperte Jan Roth genannt. Der Sanierungsexperte Stefan Hofherr wurde Mitte Oktober als Geschäftsführer der Bäckerei Moos eingetragen.
Als wesentliche Gründe für die finanziellen Schwierigkeiten nennt das Unternehmen höhere Kosten für Rohstoffe und Energie. Insbesondere Mehl und die Energieversorgung der Backöfen seien teurer geworden. Die zusätzlichen Ausgaben könnten nach Darstellung des Unternehmens nicht vollständig durch höhere Verkaufspreise ausgeglichen werden.
Die Bäckerei wurde 1986 von Hartmut Moos gegründet und entwickelte sich über mehrere Jahrzehnte zu einer größeren regionalen Filialkette. Im April 2026 schied der Gründer aus der Geschäftsführung aus. Seit 2018 ist die Beteiligungsgesellschaft Hannover Finanz an dem Unternehmen beteiligt.
Die wirtschaftlichen Probleme bei Moos fallen in eine Phase anhaltender Veränderungen im deutschen Bäckerhandwerk. Nach Angaben des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks sank die Zahl der handwerklichen Bäckereibetriebe von 8.912 im Jahr 2024 auf 8.659 im Jahr 2025.
Gleichzeitig stieg der Branchenumsatz 2025 um 1,3 Prozent auf 18,14 Milliarden Euro. Der Verband verweist dennoch auf erhebliche Belastungen durch Energiepreise, Personalkosten und bürokratische Anforderungen.
Bei Moos soll nun ein Sanierungsplan die Grundlage für die wirtschaftliche Fortführung schaffen. Konkrete Entscheidungen über mögliche Einsparungen oder Veränderungen des Filialnetzes waren zunächst nicht bekannt.
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