Bahn braucht mehr Zeit für die Sanierung zentraler Strecken

Münster sperrt Kanalpromenade an der Warendorfer Straße
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Die Deutsche Bahn muss ihren langfristigen Plan für die grundlegende Erneuerung wichtiger Schienenstrecken erneut anpassen. Konzernchefin Evelyn Palla hat am Donnerstag in Berlin bestätigt, dass die Korridorsanierungen länger dauern werden als bislang vorgesehen. Wie weit sich das Programm nach hinten verschiebt, ist allerdings noch offen. Ein überarbeitetes Konzept werde derzeit mit dem Bundesverkehrsministerium abgestimmt und solle anschließend vorgestellt werden. Konkrete Jahreszahlen nannte Palla zunächst nicht.

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Damit steht hinter dem bisherigen Zeitplan ein neues Fragezeichen. Die Korridorsanierungen der Deutschen Bahn sollten nach dem bislang offiziell bestätigten Programm mehr als 40 besonders stark belastete Strecken erfassen. Der detaillierte Fahrplan reichte bis 2036. Welche Projekte nun verschoben, gestreckt oder anders organisiert werden, wurde am Donnerstag noch nicht bekanntgegeben.

Neuer Gesamtzeitplan steht noch nicht fest

Die Bahn hatte den Ablauf der Generalsanierungen bereits 2025 gemeinsam mit Eisenbahnunternehmen, Ländern und Verbänden neu geordnet. Für 2026 waren die Korridore Hagen, Wuppertal und Köln, Nürnberg und Regensburg, Obertraubling und Passau sowie die rechte Rheinstrecke zwischen Troisdorf und Wiesbaden vorgesehen. Für 2027 folgten Rosenheim und Salzburg, Lehrte und Berlin, Bremerhaven und Bremen sowie Fulda und Hanau.

Von 2028 an sollte das Programm unter anderem mit den Strecken Köln, Koblenz und Mainz, München und Rosenheim, Hagen und Hamm sowie Lübeck und Hamburg weitergehen. In den folgenden Jahren waren unter anderem Hamburg und Hannover, Aachen und Köln, Stuttgart und Ulm, Mannheim und Karlsruhe, Bremen und Hamburg, Münster und Recklinghausen sowie Osnabrück und Münster vorgesehen. Als letzte Projekte waren nach diesem Plan unter anderem Minden und Wunstorf, Nordstemmen und Göttingen sowie Flensburg und Hamburg bis 2036 eingeordnet.

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Ob diese Reihenfolge bestehen bleibt, ist derzeit nicht bestätigt. Pallas Aussage bedeutet zunächst lediglich, dass die bisher vorgesehene Gesamtdauer nicht mehr Grundlage der aktuellen Planungen ist. Ein neues verbindliches Abschlussjahr liegt noch nicht vor.

Probleme bei bisherigen Sanierungen verändern das Konzept

Das Prinzip der Korridorsanierungen besteht darin, viele unterschiedliche Arbeiten auf einer stark beanspruchten Strecke zu bündeln. Gleise, Weichen, Oberleitungen, Stellwerkstechnik, Brücken und Bahnhöfe sollen möglichst innerhalb eines zusammenhängenden Bauzeitraums erneuert werden. Dafür werden Strecken teilweise über Monate vollständig gesperrt. Anschließend sollen deutlich weniger störungsanfällige Anlagen und längere Zeiträume ohne große Baustellen entstehen.

Die bisherigen Projekte zeigen allerdings, wie schwierig enge Zeitpläne bei umfangreichen Sanierungen sein können. Auf der Strecke Hamburg und Berlin musste die Wiederinbetriebnahme wegen des schweren Winters 2025/2026 verschoben und gestaffelt vorgenommen werden. Der nördliche Abschnitt wurde am 15. Mai wieder freigegeben, die gesamte 278 Kilometer lange Verbindung erst am 14. Juni. Ursprünglich sollte der durchgehende Zugverkehr deutlich früher wieder möglich sein.

Andere Vorhaben wurden hingegen planmäßig abgeschlossen. Die rund 65 Kilometer lange Verbindung zwischen Hagen, Wuppertal und Köln ging am 10. Juli nach fünf Monaten Sanierung wieder in Betrieb. Auch die Strecke Nürnberg und Regensburg wurde nach der Korridorsanierung zum 1. August wieder vollständig für den Zugverkehr freigegeben.

Berlin und Hannover zeigen die Folgen für Fahrgäste

Wie weitreichend die Auswirkungen solcher Großbaustellen sein können, zeigt aktuell die Verbindung zwischen Hannover und Berlin. Dort beginnen am 2. Oktober umfangreiche Arbeiten. Die Bahn erneuert bis Dezember 2027 unter anderem mehr als 214 Weichen, rund 357 Kilometer Gleise, etwa 100 Kilometer Oberleitungen und 27 Bahnhöfe. Zusätzlich werden sechs Stellwerke grundlegend modernisiert.

Das Verkehrskonzept musste bereits angepasst werden, weil sich die Elektrifizierung der parallel verlaufenden Lehrter Stammbahn verzögert. Diese sollte ursprünglich ab Dezember 2026 als wichtige Umleitungsstrecke zur Verfügung stehen, kann nach Angaben der Bahn aber erst im Dezember 2027 vollständig genutzt werden.

Für Fahrgäste hat das konkrete Folgen. Im Fernverkehr werden Züge über Braunschweig und Magdeburg geführt. Zwischen Hannover und Berlin verlängert sich die Fahrzeit dadurch um rund 80 Minuten. Ab dem Fahrplanwechsel im Dezember sollen innerhalb von zwei Stunden jeweils drei Fernzüge pro Richtung sowie einzelne weitere Verbindungen verkehren. Für den Regionalverkehr ist ein Grundangebot vorgesehen. Wo kein Zugverkehr möglich ist, sollen Busse eingesetzt werden. Das detaillierte Nahverkehrskonzept befindet sich noch in Abstimmung.

Auch Güterverkehr und internationale Verbindungen betroffen

Die Auswirkungen der Korridorsanierungen reichen über den innerdeutschen Personenverkehr hinaus. Auf der Verbindung Hannover und Berlin müssen auch Güterzüge über Braunschweig und Magdeburg ausweichen. Ab Ende Januar 2027 soll zusätzlich eine Route über Halle und Eichenberg zur Verfügung stehen. Dafür verschiebt die DB InfraGO andere Bauarbeiten, um zusätzliche Kapazitäten für den Güterverkehr zu schaffen.

Auch mehrere weitere geplante Sanierungen betreffen wichtige europäische Verkehrsachsen. Die Strecke Rosenheim und Salzburg verbindet Deutschland mit Österreich und ist für Fernzüge und internationalen Güterverkehr von Bedeutung. Dort sind die Hauptarbeiten nach aktuellem Projektstand vom 7. Februar bis 9. Juli 2027 vorgesehen. Die Bauleistungen dafür waren im Sommer bereits vergeben.

Auf der Strecke Bremen und Bremerhaven ist für 2027 ein eingeschränkter, abschnittsweise eingleisiger Betrieb geplant. Die Verbindung ist insbesondere für den Verkehr zu und von den Seehäfen wichtig. Die Hauptbauphase soll nach derzeitigem Stand vom 9. Juli bis 12. Dezember 2027 laufen.

Für Reisende dürfte die Bauphase insgesamt länger werden

Für Fahrgäste bedeutet Pallas Ankündigung nicht automatisch, dass jede einzelne Strecke länger vollständig gesperrt wird. Möglich sind auch Änderungen bei der Reihenfolge, eine stärkere Aufteilung der Arbeiten oder längere Zeiträume für technische Abnahmen und die schrittweise Wiederinbetriebnahme. Welche Variante auf welchen Korridoren angewendet wird, soll erst mit dem neuen Konzept feststehen.

Klar ist jedoch, dass die umfassende Erneuerung des deutschen Schienennetzes länger dauern wird als nach dem bislang geltenden Programm vorgesehen. Das betrifft nicht nur die Deutsche Bahn selbst. Regionalbahnen, private Fernverkehrsanbieter und Güterbahnen nutzen dieselbe Infrastruktur und müssen bei längeren oder verschobenen Bauphasen ihre Fahrpläne und Umleitungen ebenfalls anpassen.

Für Reisende bleiben deshalb vor allem die konkreten Streckenfahrpläne entscheidend. Bei bereits begonnenen oder weit fortgeschritten geplanten Projekten gelten zunächst die veröffentlichten Bau- und Ersatzverkehrskonzepte. Welche Korridore in den Jahren ab 2028 neu terminiert werden und welches Endjahr die Bahn künftig für das Gesamtprogramm ansetzt, ist noch offen.

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