9,5 Prozent mehr Gehalt: Banken vor neuer Tarifrunde

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Wenige Wochen vor dem Start der Tarifverhandlungen im privaten Bankgewerbe verschärft sich die Auseinandersetzung um höhere Gehälter. Der Deutsche Bankangestellten-Verband, kurz DBV, fordert 9,5 Prozent mehr Tarifgehalt bei einer Laufzeit von 24 Monaten. Zur Begründung verweist die Gewerkschaft auf eine eigene Beschäftigtenbefragung, die Entwicklung der Kaufkraft und die Ertragslage der Banken. Der Arbeitgeberverband des privaten Bankgewerbes, AGV Banken, hält die Forderung dagegen für deutlich zu hoch. Die erste Verhandlungsrunde ist für den 8. Oktober 2026 angesetzt.

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Die Tarifrunde private Banken 2026 betrifft nach Angaben von ver.di rund 150.000 Beschäftigte in gut 80 Instituten. Der AGV Banken hatte beim vorherigen Abschluss von rund 135.000 Beschäftigten in seinen Mitgliedsunternehmen gesprochen. Die häufig genannte Größenordnung von etwa 140.000 Beschäftigten bezieht sich damit auf das private Bankgewerbe. Die öffentlichen Banken verhandeln getrennt mit den Gewerkschaften. Ihr derzeitiger Tarifvertrag läuft nach Angaben des DBV bis zum 31. Januar 2027.

DBV stützt Forderung auf Beschäftigtenbefragung

Der DBV hat seine Forderung bereits vor dem eigentlichen Verhandlungsauftakt festgelegt. Neben 9,5 Prozent mehr Gehalt bei 24 Monaten Laufzeit verlangt die Gewerkschaft monatlich 160 Euro mehr für Auszubildende und dual Studierende. Hinzu kommen Forderungen zu zusätzlichen Urlaubstagen, Lebensarbeitszeitkonten und Altersteilzeit.

Zur Unterstützung seiner Position verweist der Verband auf eine eigene Onlinebefragung unter mehr als 2.000 Beschäftigten. Nach DBV-Angaben hielten 60,7 Prozent der Teilnehmer ein Gehaltsplus von mindestens acht Prozent für angemessen. Die Ergebnisse stammen aus einer Gewerkschaftsumfrage und sind daher keine repräsentative Erhebung für sämtliche Beschäftigten des privaten Bankgewerbes. Sie belegen jedoch die Erwartungen der Teilnehmer der Befragung.

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Der DBV argumentiert außerdem mit der Kaufkraftentwicklung. Nach seinen Berechnungen erhöhten sich die Tarifentgelte zwischen 2019 und 2025 um 18,8 Prozent, während die Verbraucherpreise im selben Zeitraum um rund 21,9 Prozent stiegen. Die Gewerkschaft sieht deshalb weiterhin Nachholbedarf.

Ver.di legt Forderung erst Ende September fest

Die zweite große Gewerkschaft in der Tarifrunde, ver.di, verfolgt ein anderes Verfahren. Eine endgültige prozentuale Forderung lag mit Stand 19. September noch nicht vor. Ver.di hatte einen Korridor von vier bis acht Prozent genannt und will die konkrete Höhe unter anderem von der Unterstützung und Mitgliederentwicklung bis Ende September abhängig machen. Für Nachwuchskräfte liegt der vorgesehene Forderungskorridor zwischen 150 und 350 Euro mehr im Monat.

Neben dem Gehalt nennt ver.di die Sicherung von Arbeitsplätzen, Regelungen zur Altersteilzeit sowie den Umgang mit Künstlicher Intelligenz und dem Umbau der Branche als Themen der Tarifrunde. Nach dem Auftakt am 8. Oktober sind weitere Verhandlungen für den 2. und 23. November vorgesehen.

Arbeitgeber verweisen auf Umbau und Kostendruck

Der AGV Banken hat die 9,5-Prozent-Forderung des DBV bereits zurückgewiesen. Hauptgeschäftsführer Carsten Rogge-Strang verwies dabei auf eine tiefgreifende Transformation der Branche und die Notwendigkeit von Kostendisziplin. Als Belastungsfaktoren nennt die Arbeitgeberseite unter anderem politische und wirtschaftliche Unsicherheit, Rationalisierung, Konsolidierung sowie mögliche weitere Veränderungen beim Personalbedarf durch Digitalisierung und Künstliche Intelligenz.

Ein konkretes Gegenangebot für die Tarifrunde lag zunächst nicht vor. Damit liegen vor dem Auftakt vor allem die gewerkschaftlichen Forderungen und die grundsätzliche Ablehnung der DBV-Forderung durch die Arbeitgeber auf dem Tisch.

Letzte Tarifrunde brachte 10,5 Prozent in drei Stufen

Die Ausgangslage unterscheidet sich von der vorherigen Tarifrunde. Im Juli 2024 hatten sich Arbeitgeber, ver.di und DBV nach drei Verhandlungsrunden auf eine Erhöhung der Tarifgehälter um insgesamt 10,5 Prozent geeinigt. Die erste Stufe lag ab August 2024 bei 5,5 Prozent, im August 2025 folgten drei Prozent und seit Juli 2026 gelten weitere zwei Prozent. Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit von 28 Monaten bis Ende September 2026.

Die Ausbildungsvergütungen wurden in drei Stufen um insgesamt 250 Euro monatlich angehoben. Die letzte Erhöhung aus diesem Abschluss ist damit erst seit Juli wirksam. Ver.di argumentiert, dass ein wesentlicher Teil der damaligen Steigerungen den Kaufkraftverlust der Jahre mit besonders hoher Inflation ausgeglichen habe.

Deutsche Banken erzielten 2025 hohe Gewinne

Bei der wirtschaftlichen Einordnung treffen unterschiedliche Perspektiven aufeinander. Die Bundesbank stellte für das Jahr 2025 eine weiterhin außergewöhnlich starke Ertragslage der deutschen Kreditinstitute fest. Die operativen Erträge lagen bei 172,5 Milliarden Euro und damit 4,1 Prozent über dem Vorjahreswert. Der aggregierte Jahresüberschuss vor Steuern lag bei 52,3 Milliarden Euro, 1,8 Prozent höher als 2024 und auf einem neuen Höchststand.

Die Zahlen umfassen allerdings die deutschen Kreditinstitute insgesamt und dürfen nicht unmittelbar mit dem Tarifbereich der privaten Banken gleichgesetzt werden. Zudem weist die Bundesbank darauf hin, dass ein erheblicher Teil des Gewinnanstiegs auf ein einzelnes Großinstitut zurückging. Auch ohne diesen Effekt hätten die operativen Erträge nach Bundesbank-Angaben allerdings einen neuen Höchststand erreicht.

Inflation zieht wieder auf 2,9 Prozent an

Auch die Preisentwicklung dürfte in den Verhandlungen eine zentrale Rolle spielen. Die Inflationsrate in Deutschland lag im August 2026 nach endgültigen Angaben des Statistischen Bundesamtes bei 2,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Im Juli waren es 2,8 Prozent und im Juni 2,3 Prozent gewesen. Die Kerninflation ohne Nahrungsmittel und Energie lag im August bei 2,4 Prozent.

Gleichzeitig stiegen die Nominallöhne in Deutschland im zweiten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahresquartal um 4,1 Prozent. Wegen einer Verbraucherpreisentwicklung von 2,5 Prozent in diesem Zeitraum lagen die Reallöhne um 1,5 Prozent höher. Im Bereich Finanz- und Versicherungsdienstleistungen fiel der Nominallohnanstieg laut Destatis mit 7,5 Prozent überdurchschnittlich aus.

Damit beginnt die neue Tarifrunde in einem Spannungsfeld aus wieder höherer Inflation, einer zuletzt sehr profitablen Bankenbranche und einem zugleich beschleunigten technologischen Umbau. Wie weit Gewerkschaften und Arbeitgeber bei ihren Vorstellungen auseinanderliegen, dürfte sich erstmals am 8. Oktober zeigen.

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