Zahlreiche BayWa-Baumärkte in Bayern ohne Käufer

Ein multikulturelles Restaurant an der Wolbecker Straße in Münster schließt nach acht Jahren. Warum das Konzept endet – und wie es am Standort weitergeht.
Symbolbild: Evan Wise

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Für zahlreiche Bau- und Gartenmärkte mit dem Namen BayWa in Bayern ist die Zukunft offen. Nach der Eröffnung der Insolvenzverfahren der Betreibergruppe gibt es für viele Filialen bislang keinen Käufer. Den Beschäftigten dieser Standorte wurde vorsorglich gekündigt. Märkte, für die keine Fortführungslösung zustande kommt, sollen spätestens Ende November 2026 schließen. Zugleich gibt es für elf bayerische Standorte bereits eine Perspektive.

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Wichtig ist dabei eine Abgrenzung: Die betroffenen BayWa Bau- und Gartenmärkte gehören nicht zur BayWa AG. Betreiberin ist die BayWa Bau- und Gartenmärkte GmbH und Co. KG aus dem Umfeld der ebenfalls insolventen Baumarktkette Hellweg. Die Gesellschaft ist nach ausdrücklicher Angabe der Sanierungsverantwortlichen keine Konzerngesellschaft der BayWa AG. Hellweg hatte das Baumarktgeschäft bereits 2012 von der BayWa übernommen und den bekannten Namen weitergeführt. Die seit 2024 laufende Sanierung der BayWa AG ist deshalb ein eigenständiger Vorgang.

Für diese BayWa-Märkte in Bayern gibt es bislang keine Lösung

Die Sanierungsgeschäftsführung von Hellweg und BayWa Bau und Garten veröffentlichte am 28. August 2026 eine Liste der Standorte, für die bislang keine Fortführungslösung gefunden wurde. In Bayern betrifft dies die BayWa Bau- und Gartenmärkte in Bad Windsheim, Bindlach, Diespeck, Dinkelsbühl, Freilassing, Fürth, Günzburg, Gunzenhausen, Illertissen, Karlstadt, Kirchheim, Mering, Neuburg, Nürnberg, Passau, Schrobenhausen, Simbach, Traunreut, Waldkirchen, Waldkraiburg und Würzburg.

Das sind 21 bayerische BayWa-Bau- und Gartenmärkte. Hinzu kommt in Bayern der unter der Marke Hellweg betriebene Markt in Bad Kissingen, für den laut offizieller Standortliste ebenfalls noch keine Lösung vorliegt. Der Bayerische Rundfunk spricht deshalb von insgesamt 22 bislang nicht gesicherten Standorten der beiden insolventen Baumarktgesellschaften im Freistaat.

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Eine bereits endgültig beschlossene Schließung sämtlicher 21 BayWa-Standorte lässt sich daraus noch nicht ableiten. Die Geschäftsführung erklärte ausdrücklich, dass für weitere Filialen weiterhin Gespräche mit potenziellen Erwerbern geführt werden. Offiziell bestätigt war zunächst nur, dass für die genannten Märkte bislang keine Übernahmelösung vorliegt und die dortigen Arbeitsverhältnisse vorsorglich gekündigt wurden.

Sollte sich kein Investor finden, werden die nicht übernommenen Filialen nach Angaben der Sanierungsverantwortlichen bis Ende November 2026 geschlossen. Bis dahin läuft der Geschäftsbetrieb im Rahmen des Abverkaufs weiter. Löhne und Gehälter sollen nach Auslaufen des Insolvenzgeldzeitraums bis einschließlich November von den Gesellschaften bezahlt werden.

Beschäftigte erhalten vorsorgliche Kündigungen

Eine exakte Gesamtzahl der in den 21 bayerischen BayWa-Märkten gekündigten Beschäftigten wurde bislang nicht veröffentlicht. Die Gesellschaft nannte für BayWa Bau und Garten insgesamt rund 1.300 Beschäftigte in 46 Märkten im süddeutschen Raum. Der Bayerische Rundfunk berichtet unter Berufung auf Unternehmensangaben von durchschnittlich etwa 30 bis 35 Beschäftigten pro Filiale. Diese Durchschnittszahl erlaubt jedoch keine belastbare Berechnung der tatsächlichen Zahl der Kündigungen in Bayern.

Für einzelne Standorte gibt es konkretere Angaben. Für den Markt in Waldkirchen berichtete die Passauer Neue Presse am 27. August von 13 Beschäftigten, die ihre Kündigung erhalten sollten. Der Markt solle spätestens zum 30. November schließen, falls keine andere Lösung zustande komme. Für Grafenau dagegen wurde ein Käufer gefunden. Nach Angaben der Passauer Neuen Presse übernimmt dort der Bayerwald-Profimarkt den Standort samt Personal.

Auch für Nürnberg und Fürth gab es am 28. August noch keine Fortführungslösung. Wie viele Menschen an diesen beiden Standorten beschäftigt sind, war nach Angaben von dpa und t-online zunächst unklar. Dort wurde ebenfalls auf den durchschnittlichen Personalbestand von ungefähr 30 bis 35 Beschäftigten pro Filiale verwiesen.

Elf Standorte in Bayern haben eine Perspektive

Nicht alle BayWa Baumärkte Bayern stehen vor dem Aus. Für elf Standorte im Freistaat zeichnet sich nach Angaben der Sanierungsverantwortlichen eine Fortführungslösung ab. Dabei handelt es sich um Bad Tölz, Burghausen, Dillingen, Grafenau, Murnau, Pfarrkirchen, Poing, Schwabmünchen, Viechtach, Weil und Wolfratshausen.

Die Käufer sollen nach Angaben der Geschäftsführung die jeweiligen Standorte einschließlich der dort beschäftigten Mitarbeiter übernehmen. Einige Transaktionen stehen allerdings noch unter dem Vorbehalt kartellrechtlicher Freigaben oder einer endgültigen Einigung mit den Vermietern. Die Erwerber wollen ihre konkreten Pläne jeweils selbst bekanntgeben.

Deutschlandweit gibt es für insgesamt 35 der mehr als 110 Standorte von Hellweg und BayWa Bau und Garten voraussichtlich Käufer, wie der Bayerische Rundfunk unter Berufung auf die Angaben aus dem Investorenprozess berichtete. Für einen erheblichen Teil des Filialnetzes war am 28. August dagegen noch keine Lösung gefunden.

Insolvenzverfahren seit August offiziell eröffnet

Hellweg und BayWa Bau und Garten hatten Mitte Juni 2026 beim Amtsgericht Essen Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Ende August wurden die Verfahren eröffnet. Nach Angaben der Sanierungsgeschäftsführung erfolgte die Eröffnung am 26. August. Rechtsanwalt Stefan Denkhaus von der Kanzlei BRL wurde als Sachwalter eingesetzt.

Die Unternehmen führen als Belastungen unter anderem Lieferkettenprobleme, geopolitische Unsicherheiten, Konsumzurückhaltung, steigende Mieten und inflationsbedingte Kostensteigerungen an. Eine Gesamtlösung für das komplette Filialnetz konnte im Investorenprozess nicht erreicht werden.

Bereits zuvor war entschieden worden, auch die beiden Unternehmenszentralen in Dortmund und Garching zu schließen. Davon sind nach Angaben der Sanierungsverantwortlichen insgesamt rund 340 Beschäftigte betroffen. Hellweg beschäftigt demnach rund 2.900 Menschen, BayWa Bau und Garten etwa 1.300.

Warum die Baumarkt-Insolvenz nicht die BayWa AG betrifft

Der gemeinsame Name kann leicht zu Missverständnissen führen. Die heutige BayWa Bau- und Gartenmärkte GmbH und Co. KG gehört nicht zum BayWa-Konzern. Dies stellen die Sanierungsverantwortlichen ausdrücklich klar. Hellweg hatte das Geschäft mit den Bau- und Gartenmärkten bereits 2012 von der BayWa übernommen und durfte die Filialen unter der bisherigen Marke weiterführen.

Damit sind auch die Kündigungen und möglichen Filialschließungen nicht Teil des Stellenabbaus der BayWa AG. Die börsennotierte BayWa AG mit Sitz in München befindet sich allerdings unabhängig davon selbst seit 2024 in einem tiefgreifenden Sanierungsprozess.

Die wirtschaftliche Krise des Agrar-, Energie- und Baustoffkonzerns hatte 2024 erhebliche Bilanzfolgen. Im Konzernfinanzbericht für 2024 weist BayWa zum 31. Dezember 2024 ein Eigenkapital von 35,3 Millionen Euro aus. Ein Jahr zuvor waren es 1,713 Milliarden Euro gewesen. Die Eigenkapitalquote lag Ende 2024 nach Unternehmensangaben bei 0,3 Prozent. Das Fremdkapital lag zu diesem Zeitpunkt bei rund 10,82 Milliarden Euro.

Sanierungsfinanzierung der BayWa AG läuft bis Ende 2028

2025 wurde für die BayWa AG ein Restrukturierungsverfahren nach dem Unternehmensstabilisierungs- und -restrukturierungsgesetz, kurz StaRUG, umgesetzt. Die Finanzgläubiger stimmten dem Restrukturierungsplan im Mai 2025 mit 93,29 Prozent zu. Das Amtsgericht München bestätigte den Plan am 6. Juni 2025. Betroffen waren nach Unternehmensangaben rund 300 Finanzgläubiger.

Zu den zentralen Elementen gehörte die Verlängerung wesentlicher Finanzierungen bis zum 31. Dezember 2028. Hinzu kam eine Kapitalerhöhung. BayWa schloss diese im November 2025 mit einem Bruttoemissionserlös von insgesamt rund 179 Millionen Euro ab. Davon hatten die beiden Ankeraktionäre Bayerische Raiffeisen-Beteiligungs-Aktiengesellschaft und Raiffeisen Agrar Invest AG bereits im Sommer 2025 rund 125 Millionen Euro eingebracht.

Zur Sanierung gehören außerdem Beteiligungs- und Unternehmensverkäufe sowie ein Abbau von Kosten und Personal. Für das erste Quartal 2025 hatte BayWa mitgeteilt, dass seit Beginn der Transformation rund 700 Stellen abgebaut worden seien.

BayWa überarbeitet Sanierungsplan 2026 erneut

Die Restrukturierung ist allerdings noch nicht abgeschlossen. Im Mai 2026 teilte die BayWa AG mit, dass das bestehende Sanierungskonzept wegen einer geänderten Mittelfristplanung der Beteiligung BayWa r.e. angepasst werden soll. Mit den finanzierenden Banken wurde dafür eine Standstill-Vereinbarung bis Herbst 2026 getroffen.

Im ersten Quartal 2026 erzielte der BayWa-Konzern nach eigenen Angaben einen Umsatz von 2,3 Milliarden Euro. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum waren es 3,6 Milliarden Euro. Der Rückgang resultierte laut BayWa unter anderem aus Unternehmensverkäufen, der schwachen Baukonjunktur und einer gezielten Bereinigung des Produktsortiments. Das bereinigte EBITDA habe über den Vorgaben des damaligen Sanierungsplans gelegen.

Aktuell liegt noch kein veröffentlichter Konzernabschluss für das Geschäftsjahr 2025 vor. BayWa hatte die Veröffentlichung wegen der Überarbeitung des Sanierungskonzepts verschoben. Nach dem Finanzkalender des Unternehmens soll der Konzernfinanzbericht 2025 am 30. Oktober 2026 erscheinen. Auch ein Veröffentlichungstermin für den Halbjahresbericht 2026 war Ende August noch nicht angegeben.

Die Situation der Bau- und Gartenmärkte und die Restrukturierung der BayWa AG laufen damit parallel, sind gesellschaftsrechtlich aber klar voneinander zu trennen. Bei den Baumärkten entscheidet derzeit der Investorenprozess darüber, welche Filialen nach November weiterbestehen können. Bei der BayWa AG steht dagegen die Überarbeitung des mehrjährigen Sanierungskonzepts im Mittelpunkt.

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