Nach Baumarkt-Insolvenz: In Bayern entscheidet sich die Zukunft vieler Filialen

Ein multikulturelles Restaurant an der Wolbecker Straße in Münster schließt nach acht Jahren. Warum das Konzept endet – und wie es am Standort weitergeht.
Symbolbild: Evan Wise

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Bei BayWa Bau & Garten laufen in Bayern umfangreiche Räumungsverkäufe. Hintergrund sind die Insolvenzverfahren des Baumarktbetreibers und seiner Muttergesellschaft Hellweg. Während sich für einen Teil der Standorte neue Betreiber gefunden haben, sollen zahlreiche andere Filialen spätestens Ende November 2026 schließen, wenn bis dahin keine Übernahmelösung zustande kommt.

Insolvenzverfahren seit Ende August eröffnet

Hellweg und BayWa Bau & Garten hatten Mitte Juni Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Ende August eröffnete das Amtsgericht Essen die Verfahren. Die Geschäftsführung blieb dabei handlungsfähig, während ein gerichtlich bestellter Sachwalter das Verfahren überwacht.

Als Gründe für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten nannten die Unternehmen unter anderem eine schwache Konsumnachfrage, höhere Mieten und Betriebskosten, Belastungen durch die Inflation sowie Probleme in den Lieferketten. Eine Lösung für das gesamte Filialnetz ließ sich im Investorenprozess nicht erreichen. Auch die Zentralen in Dortmund und Garching mit zusammen rund 340 Beschäftigten sollen geschlossen werden.

Wichtig ist die Abgrenzung zur börsennotierten BayWa AG: Die BayWa Bau- & Gartenmärkte GmbH & Co. KG ist keine Konzerngesellschaft der BayWa AG. Die Baumärkte waren 2012 weitgehend an die Hellweg-Gruppe verkauft worden und wurden anschließend unter dem bekannten Namen weitergeführt.

Elf Standorte in Bayern mit Fortführungsperspektive

Für elf BayWa-Bau-und-Gartenmärkte in Bayern hatte die Sanierungsgeschäftsführung Ende August konkrete Fortführungslösungen genannt. Dabei handelt es sich um Bad Tölz, Burghausen, Dillingen, Grafenau, Murnau, Nördlingen, Pfarrkirchen, Poing, Schwabmünchen, Viechtach und Wolfratshausen. Teilweise standen die Vereinbarungen zunächst noch unter dem Vorbehalt kartellrechtlicher Freigaben oder einer Einigung mit Vermietern.

Für einzelne Märkte sind inzwischen auch die Käufer bekannt. Obi will unter anderem die Standorte Nördlingen und Wolfratshausen übernehmen. Die Übernahme ist für Anfang Dezember vorgesehen, anschließend sollen die Märkte umgebaut und voraussichtlich im Frühjahr 2027 unter der Obi-Marke wiedereröffnet werden.

In Bad Tölz, Pfarrkirchen und Viechtach sind Betreiber aus dem Hagebau-Verbund als Nachfolger vorgesehen. Der Markt in Grafenau wurde bereits zum 1. September von Bayerwald Bau und Garten übernommen. Dort bleiben nach Angaben aus der Branche auch die Arbeitsplätze der 25 Beschäftigten erhalten.

Für zahlreiche bayerische Märkte fehlt noch ein Käufer

Für eine deutlich größere Gruppe bayerischer Standorte war bislang keine Fortführungslösung bekannt. Dazu zählen unter anderem Bad Windsheim, Bindlach, Diespeck, Dinkelsbühl, Freilassing, Fürth, Günzburg, Gunzenhausen, Illertissen, Karlstadt, Mering, Neuburg, Nürnberg, Passau, Rothenburg, Schrobenhausen, Simbach, Traunreut, Waldkirchen, Waldkraiburg und Würzburg.

Den Beschäftigten dieser Märkte wurden vorsorglich Kündigungen ausgesprochen. Die Geschäftsführung betonte zugleich, dass weitere Gespräche mit möglichen Erwerbern laufen. Für Standorte ohne Käufer ist die Schließung bis Ende November vorgesehen. Bis dahin wird der Geschäftsbetrieb im Rahmen des Abverkaufs fortgeführt.

Auch der einzige Hellweg-Markt in Bayern, der Standort Bad Kissingen, gehörte Ende August zu den Filialen ohne bestätigte Übernahmelösung.

Räumungsverkäufe laufen seit Anfang September

An zahlreichen bayerischen BayWa-Standorten begann Anfang September der Räumungsverkauf. Angeboten werden unter anderem Werkzeuge, Baustoffe, Farben, Gartenartikel und Pflanzen mit Preisnachlässen. In 30 bayerischen Filialen startete Anfang September ein koordinierter Abverkauf.

Ein Räumungsverkauf bedeutet allerdings nicht automatisch, dass der jeweilige Standort dauerhaft verschwindet. Auch Märkte mit einer vorgesehenen Übernahme verkaufen derzeit Bestände ab, weil neue Betreiber die Standorte anschließend teilweise umbauen und unter einer anderen Marke neu eröffnen wollen.

So soll etwa der Markt in Poing in seiner bisherigen Form zum 30. November schließen, obwohl der Standort bereits zu den Märkten mit einer angekündigten Fortführungslösung gehört. Die weitere Nutzung hängt dort von der Umsetzung des Investorenkonzepts ab.

Hellweg und BayWa Bau & Garten verschwinden in bisheriger Form

Bundesweit betrieb Hellweg zuletzt 68 Märkte, BayWa Bau & Garten verfügte über 46 Standorte vor allem in Süddeutschland. Für zunächst 35 Filialen beider Unternehmen waren Ende August Käufer oder konkrete Fortführungslösungen gefunden worden. Für den überwiegenden Teil des Netzes bestand zu diesem Zeitpunkt noch keine gesicherte Perspektive.

Damit endet das bisherige Filialnetz von Hellweg und BayWa Bau & Garten in seiner bisherigen Form. Ein Teil der Standorte bleibt als Baumarkt erhalten, wird künftig aber von anderen Unternehmen und unter anderen Marken geführt. Für alle Märkte, für die kein Investor gefunden wird, ist spätestens Ende November Schluss.

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