
Louey Ben Farhat ist beim Karlsruher SC noch nicht dort angekommen, wo er in der vergangenen Saison sportlich aufgehört hatte. Nach fünf Einsätzen in der 2. Bundesliga wartet der 20 Jahre alte Offensivspieler 2026/27 noch auf seinen ersten Treffer. Trainer Maximilian Senft will daraus jedoch keine Grundsatzfrage machen und fordert Geduld mit dem jungen Angreifer. „Das ist ein Mensch und kein Roboter“, sagte Senft am Mittwoch in Karlsruhe. Die Deutsche Presse-Agentur verbreitete die Aussage am Nachmittag, Sportschau/SWR veröffentlichte sie um 17.38 Uhr.
Die Zahlen zeigen den Unterschied zur Vorsaison deutlich. In der Spielzeit 2025/26 kam Ben Farhat in 20 Zweitligapartien auf sechs Tore und zwei Vorlagen. Wegen eines Mittelfußbruchs hatte er mehrere Monate gefehlt, nach der Winterpause stand er jedoch in allen Ligaspielen auf dem Platz und erzielte fünf seiner sechs Saisontore.
In der laufenden Saison stehen bislang fünf Zweitligaeinsätze zu Buche. Viermal begann Ben Farhat von Anfang an. Ein Tor gelang ihm noch nicht, eine Vorlage dagegen schon. Hinzu kommt ein Einsatz im DFB-Pokal. Damit kommt er 2026/27 bislang auf sechs Pflichtspiele für Karlsruhe, ohne eigenen Treffer. Die offizielle Statistik der 2. Bundesliga führt ihn als Angreifer.
Damit bleibt Louey Ben Farhat beim KSC bislang deutlich hinter seiner Torquote aus dem Vorjahr zurück. Senft stellt sich dennoch ausdrücklich vor den Spieler und verweist darauf, dass dessen Situation nicht allein anhand der aktuellen Ausbeute bewertet werden solle.
Ben Farhat steht sportlich vor einer ungewöhnlichen Saison. Der Karlsruher SC verkaufte sein Eigengewächs am 1. September an den Bundesligisten SC Freiburg. Gleichzeitig vereinbarten beide Vereine eine direkte Rückleihe nach Karlsruhe für die Saison 2026/27. Der KSC bestätigte den Transfer ebenso wie der SC Freiburg.
Über die finanziellen Einzelheiten schweigen die Clubs. Sky berichtete zunächst von einer festen Ablöse zwischen sieben und 7,5 Millionen Euro sowie möglichen Bonuszahlungen von weiteren 2,5 Millionen Euro. Später wurde eine Sockelablöse von 7,5 Millionen Euro genannt. Auch dpa verwies unter Berufung auf die Badischen Neuesten Nachrichten auf 7,5 Millionen Euro plus mögliche Boni. Eine offizielle Bestätigung dieser Summen gibt es nicht.
Auch die Laufzeit seines neuen Vertrags beim SC Freiburg wurde nicht bekanntgegeben. Der Bundesligist erklärte ausdrücklich, über Vertragsinhalte sei Stillschweigen vereinbart worden. Ben Farhats vorheriger Vertrag beim KSC wäre nach damaligen Angaben bis 2029 gelaufen.
Ben Farhat wurde am 19. Juli 2006 in Waiblingen geboren und ist 20 Jahre alt. Der KSC führt ihn als Offensivspieler, die Deutsche Fußball Liga als Angreifer. In Karlsruhe spielte er bevorzugt im offensiven Mittelfeld und in verschiedenen Rollen im Angriff. Vor seinem Wechsel in die KSC-Akademie war er im Nachwuchs der Stuttgarter Kickers und zuvor beim FSV Waiblingen aktiv.
Kurz vor seinem 16. Geburtstag kam Ben Farhat nach Karlsruhe. Sein Zweitligadebüt folgte im März 2024 mit 17 Jahren. 2024 erhielt er seinen ersten Profivertrag, im Mai 2025 verlängerte der KSC vorzeitig. Damals erklärte Sportgeschäftsführer Mario Eggimann, Ben Farhat solle perspektivisch „eine zentrale Rolle in der Kaderstruktur“ einnehmen.
Diese Entwicklung führte schließlich zu dem Transfer nach Freiburg. Aus einem Spieler der eigenen Akademie wurde binnen weniger Jahre ein Profi, für den der KSC eine Ablöse in Millionenhöhe erzielen konnte.
Für die Karlsruher Verantwortlichen war entscheidend, Ben Farhat trotz des Verkaufs noch eine Saison im eigenen Kader zu halten. Geschäftsführer Sport Mario Eggimann bezeichnete die Rückleihe Anfang September gegenüber SWR Sport als „eine tolle Lösung“. Trainer Senft erklärte damals über den Offensivspieler: „Er ist ein Spieler, der zur Art und Weise, wie wir spielen, sehr gut passt.“
Auch Direktor Profifußball Timon Pauls machte bei der Transferbekanntgabe deutlich, welchen sportlichen Stellenwert Ben Farhat weiterhin besitzt. Seine Unbekümmertheit, sein Tempo und seine Abschlussqualitäten seien für das Karlsruher Spiel „von enormer Bedeutung“. Der Verkauf sollte damit nicht zu einem unmittelbaren sportlichen Verlust führen. Gleichzeitig erhielt der KSC Planungssicherheit und Transfereinnahmen.
Der Club ordnete den Deal ausdrücklich in seine längerfristige Strategie ein, eigene Talente auszubilden, sportlich zu entwickeln und bei passenden Angeboten gewinnbringend abzugeben. Geschäftsführer Michael Becker verwies darauf, dass Transfers dieser Größenordnung für den KSC noch vor einigen Jahren kaum vorstellbar gewesen seien.
Ben Farhats bisherige Saison verlief unruhig. Nach dem langen Transferprozess im Sommer musste er sich sportlich neu orientieren, blieb aber gleichzeitig in Karlsruhe. Anfang September hatte Senft noch erklärt, der Spieler wirke nach der geklärten Zukunft „viel befreiter“. Ben Farhat selbst bezeichnete das Modell aus Freiburg-Wechsel und Rückleihe als „Win-Win-Situation“.
Einen Monat später fehlen vor allem die Tore. Seine fünf Ligaeinsätze und eine Vorlage zeigen, dass Ben Farhat weiterhin regelmäßig eingesetzt wird, die offensive Wirkung aus der vergangenen Rückrunde bislang aber nicht erreicht. Senfts Reaktion ist deshalb weniger eine öffentliche Kritik als ein Vertrauenssignal. Der 20-Jährige soll nach dem Willen seines Trainers nicht ausschließlich an den Erwartungen gemessen werden, die durch die starke Vorsaison und den millionenschweren Transfer entstanden sind.
Für Karlsruhe bleibt Ben Farhat damit trotz des bereits vollzogenen Verkaufs ein wichtiger Bestandteil des aktuellen Kaders. Die sportliche Aufgabe für die kommenden Monate ist klar umrissen: Der Offensivspieler soll wieder an die Leistungen anknüpfen, die ihn in der vergangenen Saison zu einem der wertvollsten Karlsruher Nachwuchsspieler gemacht hatten.
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