
Gut einen Monat vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus ist das Rennen um Platz eins offen. In einer neuen INSA-Erhebung liegt die CDU knapp vor der Linkspartei. Doch der Abstand zwischen den stärksten Parteien ist gering und andere Befragungen der vergangenen Wochen kamen zu einer teilweise deutlich anderen Reihenfolge.
In der aktuellen Umfrage des Instituts INSA im Auftrag von Bild erreicht die CDU 20 Prozent. Die Linke folgt mit 19 Prozent, die AfD kommt auf 17 Prozent, die Grünen auf 16 Prozent und die SPD auf 15 Prozent. FDP und BSW liegen bei jeweils 3 Prozent und damit unter der Fünf-Prozent-Hürde. Auf sonstige Parteien entfallen zusammen 7 Prozent.
Für die Erhebung wurden vom 7. bis 13. August 2026 insgesamt 1.000 Wahlberechtigte über ein Online-Panel befragt. Die maximale statistische Fehlertoleranz wird mit plus oder minus 3,1 Prozentpunkten angegeben. Damit sind insbesondere die Abstände zwischen CDU, Linken, AfD und Grünen zu klein, um daraus eine sichere Rangfolge für den Wahltag abzuleiten. Die Umfrage zur Berlin-Wahl 2026 ist eine Momentaufnahme und ausdrücklich keine Prognose des Wahlergebnisses.
Wie beweglich das Berliner Parteiensystem derzeit ist, zeigen die vorausgegangenen Erhebungen. Civey sah in einer Umfrage für den Tagesspiegel, für die vom 20. Juli bis 3. August rund 3.000 Menschen befragt wurden, die Linke mit 21 Prozent vorn. Die CDU kam dort auf 19 Prozent, die AfD auf 18 Prozent, die Grünen auf 17 Prozent und die SPD auf 12 Prozent. Die maximale Fehlertoleranz lag bei 3,5 Prozentpunkten.
Eine zuvor veröffentlichte INSA-Umfrage im Auftrag von Nius ergab wiederum ein anderes Bild. Unter 1.000 Befragten vom 14. bis 21. Juli erreichte die AfD 19 Prozent. CDU und Linke lagen bei jeweils 18 Prozent, die Grünen bei 16 und die SPD bei 13 Prozent. Infratest dimap hatte Mitte Juli im Auftrag des RBB dagegen die Linke mit 22 Prozent vor CDU mit 20, Grünen mit 17, AfD mit 16 und SPD mit 12 Prozent gesehen. Die verschiedenen Ergebnisse unterstreichen, wie begrenzt einzelne Umfragen für Aussagen über den Wahlausgang sind.
Verglichen mit der Wiederholungswahl vom 12. Februar 2023 hat sich das Kräfteverhältnis deutlich verändert. Nach dem amtlichen Endergebnis erreichte die CDU damals 28,2 Prozent der Zweitstimmen und wurde klar stärkste Partei. SPD und Grüne kamen jeweils auf 18,4 Prozent, wobei die SPD nach absoluten Stimmen knapp vor den Grünen lag. Die Linke erreichte 12,2 Prozent, die AfD 9,1 Prozent und die FDP 4,6 Prozent.
Gemessen an der aktuellen INSA-Erhebung läge die CDU damit acht Prozentpunkte unter ihrem Ergebnis von 2023. Besonders deutlich höher als damals werden dagegen Linke und AfD gemessen. Die SPD, die seit 2023 gemeinsam mit der CDU regiert, bewegt sich in den aktuellen Umfragen ebenfalls unter ihrem damaligen Wahlergebnis.
Auch personell hat sich die Ausgangslage kurz vor der Wahl verändert. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner tritt nicht erneut als CDU-Spitzenkandidat an. Er zog seine Kandidatur am 10. Juli zurück, nachdem es über Monate Kritik an widersprüchlichen und falschen Angaben zu seinem Krisenmanagement während des großen Berliner Stromausfalls im Januar gegeben hatte. Wegner blieb zunächst Regierender Bürgermeister. Die CDU bestimmte Finanz- und Kultursenator Stefan Evers zu ihrem neuen Spitzenkandidaten.
Für die SPD tritt Steffen Krach an. Die Linke geht mit Elif Eralp in die Wahl. Bei den Grünen bilden Werner Graf und Bettina Jarasch das Spitzenduo, wobei Graf als Kandidat für das Amt des Regierenden Bürgermeisters auftritt. Spitzenkandidatin der AfD ist Kristin Brinker. Die FDP setzt auf Christoph Meyer. Das BSW führt seine Landesliste mit Alexander King und Michael Lüders an.
Nach den aktuellen INSA-Zahlen würde keine Zweierkoalition der Parteien oberhalb der Fünf-Prozent-Hürde eine rechnerische Mehrheit erreichen. Die derzeitige Koalition aus CDU und SPD käme zusammen auf 35 Prozent. Rechnerisch deutlich darüber liegen etwa CDU, Grüne und SPD mit zusammen 51 Prozent sowie Linke, Grüne und SPD mit 50 Prozent.
Welche Bündnisse politisch tatsächlich zustande kommen könnten, ist damit nicht entschieden. Mehrere Parteien schließen eine Zusammenarbeit mit der AfD aus. Zugleich gibt es zwischen Linken und SPD Streit über die Vergesellschaftung großer Wohnungsunternehmen. SPD-Spitzenkandidat Krach hat erklärt, keiner Koalition beitreten zu wollen, in der eine solche Maßnahme zur Voraussetzung gemacht wird. Koalitionsaussagen und rechnerische Mehrheiten können sich zudem bis zum Wahltag noch verändern.
Die Wahl findet am 20. September 2026 statt. Erstmals können dabei auch 16- und 17-Jährige über die Zusammensetzung des Berliner Abgeordnetenhauses abstimmen. Das Wahlalter auf Landesebene wurde Ende 2023 von 18 auf 16 Jahre gesenkt. Wahlberechtigt sind deutsche Staatsangehörige, die am Wahltag mindestens 16 Jahre alt sind und die weiteren Voraussetzungen des Berliner Wahlrechts erfüllen. Die Landeswahlleitung rechnet mit rund 2,5 Millionen Wahlberechtigten. Bei der Wiederholungswahl 2023 waren es gut 2,44 Millionen.
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