
US-Präsident Donald Trump hat unmittelbar vor Beginn des jährlichen Großmanövers Ulchi Freedom Shield eine deutliche Verkleinerung der gemeinsamen Militärübungen mit Südkorea angeordnet. In einem Beitrag auf Truth Social erklärte Trump am Sonntag, er sei angesichts seiner „very good relationship“ zu Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un unzufrieden mit der amerikanischen Teilnahme. Die Übungen seien teuer und sendeten ein „totally inappropriate and hostile“ Signal an Nordkorea. Weil es für eine Absage zu spät sei, habe er Verteidigungsminister Pete Hegseth angewiesen, die gemeinsamen Übungen „substantially“ zu reduzieren.
Die Übung Ulchi Freedom Shield 2026 begann am Montag wie geplant und soll bis zum 27. August dauern. Nach Angaben des südkoreanischen Generalstabs nehmen rund 18.000 Soldaten aus Südkorea teil, etwa so viele wie im Vorjahr. Trainiert werden unter anderem Reaktionen auf Drohnen, Störungen von GPS-Signalen und Cyberangriffe. Hinzu kommen gemeinsame Operationen im Feld, darunter Schießausbildung, Flussüberquerungen und die Verteilung vorpositionierten Militärmaterials.
Schon vor Trumps Anordnung war der Umfang bestimmter Feldübungen geringer geplant als 2025. Nach Angaben des südkoreanischen Generalstabs sind 2026 insgesamt 14 gemeinsame Feldübungen auf Bataillonsebene oder darüber vorgesehen. Im Jahr 2025 waren es 17. Die Streitkräfte begründeten die geringere Zahl damit, dass gemeinsames Feldtraining inzwischen stärker über das gesamte Jahr verteilt werde. Rund 70 Angehörige aus elf weiteren Mitgliedstaaten des United Nations Command sollen ebenfalls teilnehmen.
Unklar blieb zunächst, welche Teile von Ulchi Freedom Shield durch Trumps kurzfristige Weisung tatsächlich entfallen oder verkleinert werden. Südkoreas Verteidigungsministerium bestätigte am Montag, dass die Übung planmäßig begonnen habe. Ein Sprecher des Pentagon verwies Fragen zur konkreten Umsetzung der Präsidentenanweisung an das Weiße Haus. Behördliche Angaben dazu, welche Übungsabschnitte zusätzlich gestrichen werden, lagen zunächst nicht vor.
Damit ist auch die bereits vorab geplante Reduzierung von 17 auf 14 größeren Feldübungen nicht mit Trumps neuer Anordnung gleichzusetzen. Diese Zahl war bereits eine Woche vor seinem Truth-Social-Beitrag öffentlich angekündigt worden. Trump reduziert Militärübungen mit Südkorea damit zusätzlich zu einer zuvor vereinbarten Anpassung, deren praktischer Umfang am Montagvormittag noch nicht feststand.
Das Präsidialamt in Seoul reagierte zurückhaltend. Es erklärte, Trumps Äußerungen würden geprüft. Zugleich äußerte die südkoreanische Regierung die Hoffnung, dass das persönliche Verhältnis zwischen Trump und Kim zu einem erneuten Dialog zwischen Washington und Pjöngjang beitragen könne. Südkorea werde die Abstimmung mit den USA über die gemeinsame Verteidigungsbereitschaft und die Militärübungen fortsetzen.
Trump verband seine Kritik an den Übungen außerdem mit Südkoreas Haltung zum Iran. Er erklärte, Präsident Lee Jae Myung habe eine Beteiligung an den amerikanischen Bemühungen zur Denuklearisierung Irans abgelehnt. Seoul widersprach einer Darstellung als endgültige Absage und erklärte, mögliche militärische Beiträge würden unter Berücksichtigung der Sicherheitslage auf der koreanischen Halbinsel und der eigenen rechtlichen Verfahren geprüft.
Nordkorea hatte Ulchi Freedom Shield schon vor Trumps Anordnung verurteilt. Das Außenministerium in Pjöngjang bezeichnete die Übung am Freitag über staatliche Medien als Vorbereitung auf einen Angriff und als provokativer als im Vorjahr. Zudem kündigte es an, auf ein höheres Bedrohungsniveau mit stärkerer Abschreckung zu reagieren. Eine gesonderte Reaktion Nordkoreas auf Trumps spätere Weisung zur Reduzierung war am Montagvormittag zunächst nicht bekannt.
Die USA und Südkorea weisen die nordkoreanische Darstellung zurück und bezeichnen Ulchi Freedom Shield als defensive Übung. Kurz vor dem Manöver hatte Nordkorea erneut ballistische Raketen gestartet. Gleichzeitig verweisen US-Militärvertreter darauf, dass nordkoreanische Soldaten aus ihrem Einsatz an der Seite Russlands im Krieg gegen die Ukraine Kampferfahrung mitgebracht hätten. Diese Entwicklung werde bei der Ausgestaltung des Trainings berücksichtigt.
Die gemeinsamen Übungen gehören seit Jahrzehnten zum militärischen Kern der amerikanisch-südkoreanischen Allianz. Rund 28.500 US-Soldaten sind in Südkorea stationiert. Eine Änderung dieser Truppenpräsenz oder des gegenseitigen Verteidigungsvertrags hat Trump mit seiner Anordnung nicht angekündigt. Die unmittelbare Entscheidung betrifft zunächst den Umfang gemeinsamer Übungen.
Für die regionale Sicherheitsarchitektur ist dennoch relevant, dass Washington seine Bündnisse mit Südkorea, Japan und weiteren Partnern als zentralen Bestandteil seiner Indo-Pazifik-Strategie bezeichnet. Das US-Militär hat Ulchi Freedom Shield wiederholt als Instrument zur Verbesserung der Einsatzbereitschaft, der gemeinsamen Führung und der Zusammenarbeit zwischen den Streitkräften beschrieben. Zugleich fordert die Trump-Regierung von Verbündeten in Asien mehr Verantwortung für ihre eigene Verteidigung. Wie weit die aktuelle Kürzung reicht, dürfte deshalb vor allem daran zu messen sein, welche Fähigkeiten und gemeinsamen Abläufe bei UFS 26 tatsächlich noch trainiert werden.
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