
Bei der Berlin-Wahl 2026 zeichnet sich am frühen Wahlabend ein deutlicher Vorsprung der Linken ab. In den ersten Prognosen zur Wahl des Abgeordnetenhauses liegt die Partei von Spitzenkandidatin Elif Eralp klar vor der CDU. Die bisher gemeinsam regierenden Parteien CDU und SPD verlieren gegenüber der Wiederholungswahl von 2023 deutlich. Grüne und AfD folgen dahinter. Noch handelt es sich allerdings nicht um ausgezählte Ergebnisse.
Die ARD-Prognose von Infratest dimap sah die Linke um 18 Uhr bei 24,5 Prozent. Die CDU erreichte demnach 20 Prozent, die AfD 16 Prozent, die Grünen 15 Prozent und die SPD 12 Prozent. Das BSW lag genau bei 5 Prozent und damit an der Schwelle zum Einzug ins Abgeordnetenhaus. Die FDP kam in dieser Prognose auf 2,5 Prozent.
Die Forschungsgruppe Wahlen kam für das ZDF zu einem ähnlichen Bild, allerdings mit Unterschieden bei einzelnen Parteien. Dort erreichte die Linke in der Prognose 26 Prozent und die CDU ebenfalls 20 Prozent. Die Grünen lagen bei 15,5 Prozent, die AfD bei 13,5 Prozent und die SPD bei 12 Prozent. Auch beim ZDF kam das BSW auf genau 5 Prozent.
Sollten sich die Prognosen im weiteren Verlauf des Abends bestätigen, würde sich das Kräfteverhältnis im Berliner Abgeordnetenhaus erheblich verschieben. Bei der Wiederholungswahl vom Februar 2023 hatte die CDU mit 28,2 Prozent klar auf Platz eins gelegen. SPD und Grüne kamen damals jeweils auf 18,4 Prozent, die Linke auf 12,2 Prozent und die AfD auf 9,1 Prozent.
Damit würde die Linke ihren damaligen Stimmenanteil nach beiden Prognosen ungefähr verdoppeln. Die CDU läge dagegen mehr als acht Prozentpunkte unter ihrem Ergebnis von 2023. Bei der SPD zeichnet sich ebenfalls ein deutlicher Rückgang ab. Die Grünen würden Stimmen verlieren, während die AfD gegenüber ihren 9,1 Prozent aus dem Jahr 2023 zulegen würde. Wie groß die Veränderungen tatsächlich ausfallen, entscheidet sich jedoch erst mit den Hochrechnungen und dem späteren vorläufigen Ergebnis.
Die Ausgangslage hatte sich bereits vor dem Wahltag verändert. Kai Wegner trat nicht erneut als CDU-Spitzenkandidat an. Für die CDU ging Stefan Evers ins Rennen. Die Linke trat mit Elif Eralp an, die Grünen mit Werner Graf, die SPD mit Steffen Krach und die AfD mit Kristin Brinker.
Auch bei der Wahlbeteiligung deutete sich am Sonntag ein deutlicher Anstieg an. Bis 16 Uhr hatten 952.936 Wahlberechtigte ihre Stimme persönlich in einem Berliner Wahllokal abgegeben. Unter Einbeziehung der ausgestellten Wahlscheine lag die Wahlbeteiligung zu diesem Zeitpunkt bei 58,2 Prozent. Bei der Wiederholungswahl 2023 waren es zum gleichen Zeitpunkt 48,8 Prozent gewesen. Der Abstand lag damit bei 9,4 Prozentpunkten.
Eine erste Schätzung für die Beteiligung am gesamten Wahltag lag bei rund 75 Prozent. Dieser Wert war am frühen Abend noch kein amtliches Endergebnis. Bei der Wiederholungswahl 2023 hatten insgesamt rund 62,9 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben.
Rund 2,49 Millionen Menschen waren zur Wahl des Berliner Abgeordnetenhauses aufgerufen. Erstmals konnten dabei auch 16 und 17 Jahre alte Berlinerinnen und Berliner an einer Abgeordnetenhauswahl teilnehmen. Die Wahllokale waren von 8 bis 18 Uhr geöffnet.
Aus den ersten Prognosen ergibt sich noch keine fertige Regierung. Klar ist zunächst nur, dass die bisherige Koalition aus CDU und SPD nach den 18-Uhr-Zahlen keine parlamentarische Mehrheit hätte. Für eine neue Regierung kommen deshalb vor allem Bündnisse aus drei Parteien in Betracht.
Als rechnerische Konstellationen ergeben sich insbesondere eine Zusammenarbeit von Linken, Grünen und SPD sowie ein Bündnis von CDU, Grünen und SPD. Das ZDF weist auf Grundlage seiner Prognose beide Varianten als mögliche Dreierbündnisse aus.
Eine Zusammenarbeit mit der AfD haben CDU, SPD, Grüne und Linke ausgeschlossen. CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers hatte vor der Wahl zudem ausdrücklich erklärt, dass es mit der AfD keine Zusammenarbeit geben werde. Zwischen CDU und Linken bestehen ebenfalls klare Abgrenzungen, wodurch die Zahl der politisch infrage kommenden Mehrheiten eingeschränkt wird.
Welche Kombination am Ende tatsächlich über eine Mehrheit verfügt, hängt auch davon ab, ob das BSW die Fünf-Prozent-Hürde überwindet. Sowohl ARD als auch ZDF sahen die Partei in ihren ersten Prognosen genau bei 5 Prozent. Schon kleinere Veränderungen während der Auszählung können deshalb Auswirkungen auf die Sitzverteilung haben.
Die Prognosen um 18 Uhr beruhen auf Befragungen von Wählerinnen und Wählern nach der Stimmabgabe. Bei der ARD erstellt Infratest dimap die Zahlen, beim ZDF die Forschungsgruppe Wahlen. Erst die folgenden Hochrechnungen beziehen bereits ausgezählte Wahlbezirke ein und werden im Laufe des Abends mehrfach aktualisiert.
Das vorläufige amtliche Ergebnis wird erst nach der Auszählung der Stimmen erwartet. Die Stimmen für die zwölf Bezirksverordnetenversammlungen werden nach den Stimmen für das Abgeordnetenhaus ausgezählt und stehen deshalb später fest.
Die Wahl beendet zugleich eine außergewöhnliche Berliner Legislaturperiode. Die reguläre Abgeordnetenhauswahl von September 2021 war nach organisatorischen Problemen vollständig wiederholt worden. Die Wiederholungswahl fand im Februar 2023 statt. Die ursprünglich 2021 begonnene Wahlperiode wurde dadurch jedoch nicht verlängert, weshalb Berlin bereits im September 2026 erneut ein neues Abgeordnetenhaus wählt.
Am frühen Wahlabend steht damit vor allem eine Veränderung fest: Die ersten beiden Prognosen sehen die Linke mit deutlichem Abstand vor der CDU. Wie groß dieser Vorsprung nach der Auszählung tatsächlich ausfällt und welche Mehrheiten sich daraus ergeben, entscheiden die Hochrechnungen und anschließend das amtliche Ergebnis.






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