
BioNTech hat bei der Entwicklung einer neuen Krebsimmuntherapie einen Rückschlag erlitten. Die mRNA-Krebsimmuntherapie BNT113 konnte in einer wichtigen klinischen Studie keinen statistisch signifikanten Vorteil beim progressionsfreien Überleben nachweisen. Das teilte das Mainzer Biotechnologieunternehmen am Dienstag, 13. Oktober 2026, mit. Die Aktie reagierte mit deutlichen Kursverlusten. Dennoch wird die Untersuchung fortgesetzt, denn ein zweites entscheidendes Studienziel ist noch offen.
Die Ergebnisse stammen aus der internationalen Phase-2/3-Studie AHEAD-MERIT. Darin untersucht BioNTech den Wirkstoffkandidaten BNT113 in Kombination mit dem bereits eingesetzten Krebsmedikament Pembrolizumab. Die Kombination wird mit einer alleinigen Behandlung durch Pembrolizumab verglichen.
Im Mittelpunkt stehen Patienten mit fortgeschrittenem Kopf-Hals-Krebs, deren Tumoren mit dem humanen Papillomavirus vom Typ 16 zusammenhängen. Die Erkrankung muss entweder inoperabel zurückgekehrt sein oder bereits Metastasen gebildet haben.
Ein zentraler Messwert der Studie ist das progressionsfreie Überleben. Dieser beschreibt den Zeitraum, in dem die Krebserkrankung nicht weiter fortschreitet und die Patienten noch leben. Genau bei diesem Kriterium konnte die zusätzliche Behandlung mit BNT113 keinen statistisch signifikanten Vorteil gegenüber der bisherigen Therapie nachweisen.
Damit wurde eines der beiden primären Studienziele nicht erreicht.
Für BioNTech bedeutet das Ergebnis allerdings noch kein endgültiges Scheitern des Wirkstoffkandidaten. Ein unabhängiges Datenüberwachungskomitee hat empfohlen, AHEAD-MERIT planmäßig fortzusetzen.
Untersucht wird nun insbesondere das Gesamtüberleben. Anders als beim progressionsfreien Überleben geht es dabei um die Frage, ob Patienten durch die neue Behandlung insgesamt länger leben.
Nach dem vorab festgelegten Studiendesign kann ein statistisch signifikanter Vorteil beim Gesamtüberleben weiterhin zu einem positiven Studienergebnis führen. Voraussetzung dafür ist, dass die entsprechenden Wirksamkeitsdaten diesen Vorteil tatsächlich bestätigen.
BioNTechs Medizinvorständin Özlem Türeci sieht deshalb weiterhin Gründe für die Untersuchung des Behandlungsansatzes. Das Unternehmen verweist darauf, dass sich bestimmte Immunreaktionen gegen Tumoren erst über längere Zeiträume entwickeln können. Ein nachgewiesener Überlebensvorteil liegt mit den jetzt veröffentlichten Ergebnissen jedoch noch nicht vor.
An der Börse löste die Mitteilung Kursverluste aus. Auf der Handelsplattform Tradegate notierte die BioNTech-Aktie am Dienstag um 13:17 Uhr bei 82,50 Euro. Das entsprach einem Minus von 3,96 Prozent gegenüber dem vorherigen Schlusskurs an diesem Handelsplatz.
Für Anleger sind die Ergebnisse von besonderer Bedeutung, weil BioNTech nach dem Erfolg seines gemeinsam mit Pfizer entwickelten Coronaimpfstoffs verstärkt an neuen Krebstherapien arbeitet.
Das Unternehmen investiert in verschiedene Wirkstoffklassen. Neben mRNA-basierten Immuntherapien gehören dazu unter anderem Antikörper-Wirkstoff-Konjugate und Medikamente, die gezielt in die Immunabwehr gegen Krebs eingreifen sollen.
Der Rückschlag bei BNT113 betrifft damit einen wichtigen Forschungsbereich, bedeutet aber nicht das Scheitern der gesamten Krebsstrategie.
BNT113 nutzt die mRNA-Technologie, für die BioNTech insbesondere durch seinen Coronaimpfstoff bekannt geworden ist. Anders als bei einer vorbeugenden Schutzimpfung richtet sich dieser Ansatz jedoch gegen eine bereits bestehende Krebserkrankung.
Der Wirkstoff soll das Immunsystem dazu bringen, bestimmte Proteine von HPV16 zu erkennen. Diese als E6 und E7 bezeichneten Proteine kommen in entsprechenden Tumorzellen vor. Ziel ist eine verstärkte Immunreaktion gegen die Krebszellen.
Im Januar 2026 erhielt BNT113 von der US-Arzneimittelbehörde FDA den sogenannten Fast-Track-Status. Dieser soll die Entwicklung und regulatorische Prüfung vielversprechender Behandlungen für schwere Erkrankungen erleichtern. Eine Zulassung ist damit nicht verbunden.
Wann die abschließenden Ergebnisse zum Gesamtüberleben verfügbar sein werden, geht aus der aktuellen Unternehmensmitteilung nicht hervor.
Für die weitere Entwicklung von BNT113 kommt es nun darauf an, ob die Kombination mit Pembrolizumab das Leben der behandelten Patienten nachweislich verlängert. Erst mit diesen Daten lässt sich beurteilen, ob die neue Immuntherapie trotz des verfehlten ersten Studienziels einen entscheidenden klinischen Vorteil bietet.
Die bisherigen Ergebnisse begrenzen zunächst die Erfolgsaussichten beim progressionsfreien Überleben. Die abschließende Bewertung der Therapie steht dagegen noch aus.
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