Deutsche Wirtschaft wächst überraschend, doch der Aufschwung bleibt schwach

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die deutsche Wirtschaft ist im dritten Quartal 2026 überraschend gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt stieg von Juli bis September gegenüber dem Vorquartal um 0,2 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Freitag, 30. Oktober, auf Grundlage vorläufiger Berechnungen mitteilte. Die Bundesbank hatte noch wenige Tage zuvor mit einer Stagnation gerechnet. Trotz des Zuwachses verlor die Konjunktur gegenüber der ersten Jahreshälfte an Tempo.

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Wachstum schwächt sich im Sommer ab

Das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal übertraf das Niveau der vorangegangenen drei Monate leicht. Maßgeblich für den Vergleich ist die preis-, saison- und kalenderbereinigte Wirtschaftsleistung. Die Bereinigung soll verhindern, dass etwa unterschiedliche Feiertage oder übliche saisonale Schwankungen den Quartalsvergleich verzerren.

Nach den zuletzt ausführlich veröffentlichten Zahlen war die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal um 0,4 Prozent und im zweiten Quartal um 0,3 Prozent gewachsen. Damit setzte sich der Anstieg im Sommer fort, allerdings deutlich langsamer. Auch Ende 2025 hatte die Wirtschaftsleistung bereits zugelegt.

Für das zweite Quartal wies Destatis außerdem ein preisbereinigtes Plus von 1,0 Prozent gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum aus. Über die Entwicklung einzelner Wirtschaftsbereiche im dritten Quartal enthielt die erste Schnellmeldung zunächst keine näheren Angaben.

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Bundesbank erwartete Stillstand

In ihrem am 21. Oktober veröffentlichten Monatsbericht hatte die Bundesbank eine Unterbrechung der wirtschaftlichen Erholung erwartet. Ihre Fachleute verwiesen insbesondere auf außergewöhnlich niedrige Wasserstände des Rheins. Die eingeschränkte Binnenschifffahrt erschwerte den Transport von Rohstoffen und anderen Gütern und erhöhte nach Einschätzung der Notenbank die Kosten in Teilen der Industrie.

Zusätzlich sah die Bundesbank Belastungen für den Außenhandel. Wettbewerbsvorteile deutscher Unternehmen gegenüber ausländischen Konkurrenten, die zuvor durch Lieferprobleme im Zusammenhang mit dem Krieg im Nahen Osten entstanden waren, seien ausgelaufen. Die hohen Energiepreise drückten zudem auf die Kaufkraft der privaten Haushalte.

Die jüngste Wachstumszahl fällt damit günstiger aus als diese Einschätzung. Sie widerlegt jedoch nicht, dass einzelne Wirtschaftsbereiche im Sommer unter Druck standen.

Außenhandel trug die Erholung im Frühjahr

Wie unterschiedlich sich die Konjunktur entwickeln kann, zeigen die Detailzahlen zum zweiten Quartal. Nach Berechnungen von Destatis nahmen die preisbereinigten Exporte gegenüber dem Vorjahresquartal um 3,7 Prozent zu. Bei den Warenexporten lag der Anstieg sogar bei 5,0 Prozent. Besonders gefragt waren unter anderem chemische Erzeugnisse sowie Datenverarbeitungsgeräte und elektrische und optische Produkte.

Die Importe von Waren und Dienstleistungen stiegen im gleichen Zeitraum um 2,5 Prozent. Gleichzeitig blieben die Bauinvestitionen schwach. Damit beruhte die Erholung im Frühjahr nicht auf einem gleichmäßigen Aufschwung sämtlicher Wirtschaftsbereiche.

Wie viel Konsum, Investitionen, staatliche Ausgaben und Außenhandel zum Wachstum zwischen Juli und September beitrugen, lässt sich aus der ersten veröffentlichten Quartalszahl noch nicht beziffern. Die positive Gesamtentwicklung allein erlaubt keine Aussage darüber, welcher Bereich den Ausschlag gab.

Deutschland zuletzt unter europäischem Durchschnitt

Im zweiten Quartal entwickelte sich die deutsche Wirtschaft schwächer als der Euroraum insgesamt. Während Deutschland gegenüber dem Vorquartal um 0,3 Prozent wuchs, erreichte der Euroraum nach aktualisierten Eurostat-Zahlen 0,6 Prozent.

Unter den großen EU-Volkswirtschaften verzeichnete Spanien nach dem im August veröffentlichten europäischen Vergleich ein Wachstum von 0,7 Prozent. Frankreich und Italien kamen damals jeweils auf 0,2 Prozent. Damit fiel das deutsche Ergebnis zwar besser aus als in diesen beiden Ländern, blieb aber hinter dem europäischen Durchschnitt zurück.

Eine neue Schnellschätzung für das dritte Quartal hat Eurostat für den 30. Oktober angekündigt. Ob Deutschland den Abstand zur europäischen Wirtschaft insgesamt im Sommer verringert hat, war zunächst noch offen.

Regierung rechnet für 2026 mit 1,3 Prozent Wachstum

Die Bundesregierung erwartet in ihrer Herbstprojektion für das laufende Jahr ein preisbereinigtes Wirtschaftswachstum von 1,3 Prozent. Für 2027 prognostiziert sie 1,1 Prozent, für 2028 noch 0,6 Prozent. Staatliche Investitionen sollen wichtige Impulse für die wirtschaftliche Entwicklung liefern.

Gleichzeitig rechnet die Regierung für 2026 mit einer Arbeitslosenquote von 6,4 Prozent. Auch die Bundesbank beschrieb die Lage am Arbeitsmarkt zuletzt als angespannt: Im August sank die saisonbereinigte Zahl der Erwerbstätigen nach ihren Angaben um 29.000.

Der Anstieg des Bruttoinlandsprodukts im dritten Quartal ist somit ein positives Signal, aber noch kein Beleg für eine kräftige und breit getragene Erholung. Die weitere Entwicklung hängt unter anderem von der Nachfrage, den Exporten und den Energiepreisen ab.

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