
Das Bundeskriminalamt registriert innerhalb der Organisierten Kriminalität in Deutschland eine zunehmende Bedeutung schwerer Gewalt. Im Jahr 2025 wurden in diesem Bereich 20 vollendete Tötungsdelikte und 100 vollendete Körperverletzungsdelikte erfasst. Ein Jahr zuvor waren es 13 Tötungsdelikte und 77 Körperverletzungsdelikte. Zugleich stieg die Zahl der Ermittlungsverfahren gegen organisierte kriminelle Strukturen deutlich.
Das BKA Lagebild Organisierte Kriminalität 2025 zeigt damit eine Entwicklung, die sich von der allgemeinen Kriminalitätsentwicklung in Deutschland unterscheidet. Während die Polizeiliche Kriminalstatistik für 2025 insgesamt einen Rückgang der registrierten Gewaltkriminalität ausweist, nahm schwere Gewalt innerhalb bestimmter Strukturen der Organisierten Kriminalität zu.
Besonders beschäftigen die Sicherheitsbehörden neue Formen arbeitsteiliger Gewalt. Dabei werden Angriffe teilweise nicht mehr von festen Mitgliedern einer Gruppierung ausgeführt. Stattdessen können Auftraggeber, Organisatoren und ausführende Personen voneinander getrennt agieren. Für einzelne Gewalttaten werden auch Jugendliche angeworben.
Bund und Länder meldeten für 2025 insgesamt 683 Ermittlungsverfahren im Bereich der Organisierten Kriminalität. Damit wurde der höchste Stand seit 2021 erreicht. Die Zahl der ermittelten Tatverdächtigen erhöhte sich um mehr als 13 Prozent auf 7.988 Personen.
Der größte Kriminalitätsbereich bleibt der Rauschgifthandel. Daneben beschäftigen sich die Behörden unter anderem mit Wirtschaftskriminalität, Steuer- und Zolldelikten, Schleusungskriminalität, Eigentumsdelikten und Geldwäsche.
Auffällig ist die Entwicklung bei Verfahren, in denen Gewalt selbst den Schwerpunkt bildete. 2025 wurden 31 OK-Verfahren schwerpunktmäßig dem Bereich Gewaltkriminalität zugerechnet. Im Vorjahr waren es elf gewesen.
Das Bundeskriminalamt beobachtet insbesondere Gewalt zur Durchsetzung wirtschaftlicher Interessen, zur Einschüchterung und im Zusammenhang mit Konflikten zwischen kriminellen Gruppierungen. Ein bekanntes Beispiel sind mehrere Explosionen und Schussabgaben im Großraum Köln, die nach Erkenntnissen der Ermittler mit Auseinandersetzungen im Zusammenhang mit einer gestohlenen Drogenlieferung standen.
Eine besondere Entwicklung betrifft die Auslagerung von Gewalt an Personen, die teilweise keine dauerhafte Verbindung zu den dahinterstehenden kriminellen Netzwerken haben. Sicherheitsbehörden verwenden dafür international den Begriff Violence as a Service. Gemeint ist ein arbeitsteiliges Modell, bei dem Gewalttaten gegen Bezahlung organisiert und ausgeführt werden.
Das BKA verweist in diesem Zusammenhang auf die Rekrutierung junger Menschen über soziale Medien, Messenger und andere digitale Plattformen. In einzelnen Fällen sind angeworbene Personen erst 13 Jahre alt. Dabei können Auftraggeber, Vermittler und die Person, die eine Tat schließlich ausführt, räumlich weit voneinander entfernt sein und sich persönlich nicht kennen.
Eine generelle Aussage, wonach das Durchschnittsalter sämtlicher Tatverdächtiger der Organisierten Kriminalität 2025 gesunken ist, lässt sich daraus nicht ableiten. Auffällig ist vielmehr die zunehmende Rolle sehr junger Personen bei bestimmten Formen arbeitsteiliger Gewaltkriminalität. Gleichzeitig treten jüngere kriminelle Akteure sichtbarer in sozialen Netzwerken auf und stellen dort Status, Macht oder Gewalt zur Schau.
Diese Entwicklung erschwert Ermittlungen, weil die Personen hinter einem Auftrag nicht zwingend selbst am späteren Tatort erscheinen. Die Kommunikation und Anwerbung kann vollständig digital erfolgen.
Auch Waffen spielen bei den Ermittlungen gegen organisierte Strukturen eine erhebliche Rolle. Zum dritten Mal in Folge erhöhte sich nach den BKA-Daten der Anteil bewaffneter Tatverdächtiger. 2025 lag er bei 5,8 Prozent.
In 30,3 Prozent der gemeldeten OK-Verfahren stellten die Behörden bewaffnete Tatverdächtige fest. Im Vorjahr lag dieser Anteil bei 28,4 Prozent. Insgesamt wurden im Zusammenhang mit den Verfahren 556 Waffen festgestellt. Bei rund drei Vierteln davon lag nach den Angaben keine entsprechende waffenrechtliche Erlaubnis vor.
Neben klassischen illegal beschafften Schusswaffen beschäftigen die Ermittler auch funktionstüchtige Nachbauten. Solche Waffen können äußerlich Originalmodellen ähneln und außerhalb regulärer Herstellungs- und Vertriebswege nach Deutschland gelangen.
Die Zahlen beziehen sich ausschließlich auf Ermittlungsverfahren, welche die Kriterien der Organisierten Kriminalität erfüllen. Sie bilden deshalb nicht sämtliche Banden, Jugendgruppen oder Gewaltdelikte in Deutschland ab. Ebenso handelt es sich bei Tatverdächtigen nicht automatisch um rechtskräftig verurteilte Personen.
Die Rekrutierung junger Menschen für schwere Straftaten ist inzwischen eine grenzüberschreitende Herausforderung. Europol hat deshalb gemeinsam mit mehreren europäischen Staaten die Taskforce GRIMM aufgebaut. Deutschland beteiligt sich an dieser Zusammenarbeit.
Europol beschreibt ein Modell, bei dem Auftraggeber eine Tat finanzieren, Vermittler mögliche Ausführende über digitale Plattformen suchen und weitere Beteiligte Waffen, Transport oder andere logistische Hilfe bereitstellen. Am Ende kann eine minderjährige oder sehr junge Person stehen, die den eigentlichen Angriff ausführt.
Die europäischen Ermittler beobachten solche Strukturen unter anderem im Zusammenhang mit Drogenhandel, Erpressungen, Schusswaffengewalt und anderen schweren Straftaten. Soziale Medien, Messenger sowie Gaming- und Chatplattformen können dabei für Kontaktaufnahme und Rekrutierung genutzt werden.
Für Deutschland zeigt das neue Lagebild damit zwei parallele Entwicklungen. Die Zahl der polizeilich erfassten Straftaten insgesamt und auch die allgemeine Gewaltkriminalität gingen 2025 zurück. Innerhalb der Organisierten Kriminalität registrierten die Behörden dagegen mehr Ermittlungsverfahren, mehr Tatverdächtige und mehr schwere Gewaltdelikte. Hinzu kommt eine zunehmend arbeitsteilige Struktur, bei der besonders junge Menschen für einzelne Aufträge eingesetzt werden können.
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