
Die internationale Konzertbranche erlebt ein widersprüchliches Jahr. Während Superstars mit ihren Tourneen Rekordumsätze erzielen, verkaufen kleinere und mittelgroße Veranstaltungsstätten teilweise weniger Tickets. Gleichzeitig werden Konzerte abgesagt oder in kleinere Hallen verlegt. Unter dem Schlagwort „Blue Dot Fever“ wird über die wirtschaftlichen Schwierigkeiten im Livemusikgeschäft diskutiert. Aktuelle Branchenzahlen zeigen allerdings, dass von einer allgemeinen Konzertkrise keine Rede sein kann.
Besonders deutlich werden die Unterschiede in den Zahlen des Branchenmagazins Pollstar vom September 2026. Demnach stieg die durchschnittliche Besucherzahl bei Veranstaltungen in Spielstätten mit mehr als 30.000 Plätzen gegenüber dem Vorjahr um 7,5 Prozent. Die Ticketeinnahmen pro Veranstaltung legten dort sogar um zwölf Prozent zu.
Anders entwickelte sich der Markt in kleineren Häusern. Veranstaltungsstätten mit 751 bis 1.500 Plätzen verkauften durchschnittlich 9,6 Prozent weniger Tickets pro Show. Bei Hallen mit 5.001 bis 10.000 Plätzen lag der Rückgang bei 4,1 Prozent. Die Daten beruhen auf gemeldeten Veranstaltungsergebnissen und bilden nicht sämtliche Konzerte weltweit ab.
Insgesamt bleibt das Geschäft der erfolgreichsten Künstler dennoch außergewöhnlich stark. Die 100 umsatzstärksten Tourneeacts erzielten in den ersten drei Quartalen 2026 weltweit Einnahmen von rund 6,12 Milliarden US-Dollar. Dabei wurden etwa 47,45 Millionen Tickets verkauft. Zu den besonders erfolgreichen Künstlern gehörten BTS, Bad Bunny und The Weeknd.
Dass steigende Kosten und schwächere Ticketverkäufe Veranstaltungen tatsächlich gefährden können, zeigte sich im Juli in Großbritannien. Der unabhängige Veranstalter GCE Live sagte sämtliche für 2026 geplanten Konzerte seiner Reihe Heritage Live ab. Auf dem Programm standen unter anderem Auftritte von Christina Aguilera, Eric Clapton und Lionel Richie.
Als Gründe nannte der Veranstalter ungewöhnlich niedrige Ticketverkäufe bei mehreren Shows, gestiegene Kosten sowie eine gescheiterte Finanzierung. Damit fehlte die wirtschaftliche Grundlage für die geplanten Veranstaltungen.
Auch der kanadische Musikproduzent Kaytranada wechselte mit seinem Berliner Konzert am 4. Juni von der Uber Arena ins kleinere Tempodrom. Die Verlegung wurde vom ursprünglichen Veranstaltungsort bestätigt. Dass schwache Ticketverkäufe dafür ausschlaggebend waren, ist allerdings nicht offiziell belegt.
Die wirtschaftlichen Herausforderungen betreffen auch Deutschland. Nach Angaben des Bundesverbands der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft sind die Produktionskosten für Festivals seit dem Ende der Pandemie um rund 50 Prozent gestiegen. Die Ticketpreise erhöhten sich im selben Zeitraum branchenweit um rund 30 Prozent. Die Angaben des Verbands beziehen sich auf die wirtschaftliche Lage der Festivalbranche und sind nicht mit den weltweiten Ticketpreisstatistiken gleichzusetzen.
Bei den international erfolgreichsten Tourneen lag der durchschnittliche Ticketpreis in den ersten drei Quartalen 2026 laut Pollstar bei 129,07 US-Dollar. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht das einem Anstieg um etwa 0,5 Prozent.
Wie angespannt die Lage kleiner Veranstaltungsorte ist, zeigen auch Zahlen aus Großbritannien. Nach Angaben des Music Venue Trust erwirtschafteten 2025 rund 53 Prozent der untersuchten kleinen Livemusikspielstätten keinen Gewinn. Die durchschnittliche Gewinnmarge der Branche lag bei lediglich 2,5 Prozent.
Der Ausdruck Blue Dot Fever bezieht sich auf die blauen Markierungen in digitalen Saalplänen, beispielsweise bei Ticketmaster. Sie zeigen Plätze an, die unter den jeweiligen Suchbedingungen noch zum Verkauf stehen. Große blaue Bereiche können deshalb auf eine schwache Nachfrage hindeuten.
Aus einer solchen Darstellung lässt sich allerdings weder die endgültige Besucherzahl eines Konzerts noch der wirtschaftliche Erfolg einer Tournee zuverlässig ableiten. Auch die Gründe für eine Konzertabsage können unterschiedlich sein.
Die aktuellen Zahlen verdeutlichen vor allem eine zunehmende Spreizung innerhalb des Konzertmarktes. Während große Tourneen weiterhin Millionen Menschen anziehen, müssen zahlreiche kleinere Veranstalter mit geringeren Besucherzahlen und höheren Kosten wirtschaften. Der internationale Konzertboom setzt sich damit fort, erreicht aber nicht alle Bereiche der Branche gleichermaßen.
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