Bank of England erhöht erstmals seit drei Jahren die Zinsen

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die britische Zentralbank hat am Donnerstag, 5. November 2026, ihre Geldpolitik verschärft. Die Bank of England erhöhte den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 4,00 Prozent. Es ist die erste Zinserhöhung seit August 2023. Hintergrund sind steigende Energiepreise und eine wieder zunehmende Inflation. Die Notenbank rechnet damit, dass sich die Teuerung bis Mitte 2027 auf nahezu fünf Prozent beschleunigt. Auch für die Finanzmärkte und die europäische Wirtschaft hat die Entscheidung Bedeutung.

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Bank of England erhöht Leitzins auf 4 Prozent

Der geldpolitische Ausschuss der Bank of England beschloss die Zinserhöhung mit acht zu einer Stimme. Allerdings richtete sich die Gegenstimme nicht gegen eine Straffung der Geldpolitik. Catherine Mann sprach sich vielmehr dafür aus, den Zinssatz unmittelbar um 0,50 Prozentpunkte auf 4,25 Prozent anzuheben. Die übrigen acht Mitglieder, darunter Notenbankchef Andrew Bailey, unterstützten den kleineren Zinsschritt.

Damit steigt der Leitzins in Großbritannien von bisher 3,75 auf 4,00 Prozent. Die vorherige Entscheidung vom 17. September hatte noch eine unveränderte Geldpolitik vorgesehen. Mit dem neuen Beschluss reagiert die Zentralbank auf eine deutlich verschlechterte Inflationsperspektive.

Nach Einschätzung des Ausschusses haben die anhaltend hohen Energiepreise mittlerweile ausreichend zusätzlichen Inflationsdruck aufgebaut, um höhere Zinsen zu rechtfertigen. Zugleich entwickelte sich die britische Wirtschaft in den vergangenen Monaten widerstandsfähiger als erwartet.

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Inflation in Großbritannien könnte 2027 fast fünf Prozent erreichen

Die britische Inflationsrate lag im September bei 3,5 Prozent. Im August waren es noch 3,1 Prozent gewesen. Damit entfernte sich die Teuerung weiter vom mittelfristigen Inflationsziel der Zentralbank von zwei Prozent.

Besonders stark trugen höhere Kraftstoffpreise zum jüngsten Anstieg bei. Nach Angaben des britischen Statistikamts ONS verteuerten sich auch zahlreiche andere Waren und Dienstleistungen. Die Kerninflation ohne Energie, Lebensmittel, Alkohol und Tabak erreichte im September 2,8 Prozent nach 2,6 Prozent im August.

Die Bank of England erwartet für das zweite Quartal 2027 inzwischen eine durchschnittliche Inflationsrate von 4,9 Prozent. Damit hat sie ihre Prognose gegenüber dem Sommer erheblich angehoben. Erst 2028 soll die Inflation im zentralen Prognoseszenario wieder auf das Ziel von zwei Prozent zurückgehen.

Auch die Wachstumsaussichten haben sich verändert. Für das vierte Quartal 2027 prognostiziert die Zentralbank nun ein Wirtschaftswachstum von 1,0 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Im Juli hatte sie noch mit 1,4 Prozent gerechnet.

Energiepreise und Nahostkonflikt bestimmen die Geldpolitik

Eine wesentliche Ursache der steigenden Inflation ist der seit Monaten andauernde Konflikt im Nahen Osten. Störungen der Energieversorgung und des Transports haben die Preise für Erdöl, Erdgas und weitere Energieprodukte deutlich steigen lassen.

Für Großbritannien entstehen dadurch höhere Kosten an Tankstellen, bei der Energieversorgung von Haushalten und in der Industrie. Besonders problematisch wäre es aus Sicht der Zentralbank, wenn Unternehmen ihre gestiegenen Produktionskosten dauerhaft über höhere Verkaufspreise weitergeben und Beschäftigte wegen der Teuerung höhere Löhne verlangen.

Bislang sieht die Bank of England nur begrenzte Hinweise auf solche längerfristigen Folgewirkungen. Allerdings steigt nach ihrer Einschätzung das Risiko, dass sich die Inflation über die unmittelbaren Energiepreiserhöhungen hinaus verfestigt.

Die Zentralbank kann die internationalen Rohstoffpreise nicht unmittelbar beeinflussen. Mit höheren Zinsen versucht sie deshalb, den allgemeinen Preisdruck zu begrenzen und zu verhindern, dass sich die höheren Energiekosten dauerhaft auf weitere Bereiche der Wirtschaft übertragen.

Pfund und britische Anleiherenditen reagieren auf Zinsschritt

An den Finanzmärkten war die Zinserhöhung bereits weitgehend erwartet worden. Entsprechend begrenzt fiel die unmittelbare Reaktion des britischen Pfunds aus.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters lag die britische Währung am frühen Donnerstagnachmittag bei rund 1,347 US-Dollar. Gegenüber dem Euro zeigte sie sich ebenfalls weitgehend stabil beziehungsweise leicht fester.

Deutlicher reagierte der britische Anleihemarkt. Die Rendite zweijähriger Staatsanleihen stieg zeitweise um etwa drei Basispunkte auf 4,77 Prozent. Der Londoner Leitindex FTSE 100 lag zur gleichen Zeit rund 0,7 Prozent im Plus.

Investoren erhöhten außerdem ihre Erwartungen an weitere Zinsschritte. Am Donnerstagnachmittag waren an den Märkten bis Ende 2027 zusätzliche Erhöhungen um insgesamt rund 0,76 Prozentpunkte eingepreist. Vor der Entscheidung waren es etwa 0,67 Prozentpunkte gewesen. Diese Markterwartungen stellen allerdings keine verbindliche Prognose für die künftige Zinspolitik dar.

EZB und US-Notenbank verfolgen unterschiedliche Zinspolitik

Mit der Entscheidung liegt der britische Leitzins deutlich über dem maßgeblichen Einlagenzins der Europäischen Zentralbank. Die EZB hatte ihre drei zentralen Zinssätze am 29. Oktober unverändert gelassen. Der Einlagenzins liegt weiterhin bei 2,50 Prozent, der Hauptrefinanzierungssatz bei 2,65 Prozent.

Auch die Europäische Zentralbank sieht durch steigende Energiekosten zusätzliche Inflationsrisiken. Gleichzeitig befürchtet sie eine Schwächung des Wirtschaftswachstums. Deshalb hielt sie bei ihrer jüngsten Sitzung zunächst am bestehenden Zinsniveau fest.

In den Vereinigten Staaten liegt die Zielspanne für den Leitzins der Federal Reserve derzeit zwischen 3,75 und 4,00 Prozent. Die amerikanische Notenbank hatte diesen Korridor am 28. Oktober unverändert gelassen, nachdem sie die Zinsen im September erhöht hatte.

Damit bewegen sich die britischen und amerikanischen Leitzinsen derzeit auf einem ähnlichen Niveau. Die Zinssätze der einzelnen Zentralbanken sind aufgrund ihrer unterschiedlichen geldpolitischen Instrumente allerdings nicht vollständig gleichzusetzen.

Höhere Kreditzinsen belasten britische Haushalte

Für britische Verbraucher könnte die Entscheidung vor allem bei Krediten und Immobilienfinanzierungen spürbar werden. Banken orientieren ihre Konditionen unter anderem an den geldpolitischen Zinsen und den Erwartungen an deren weitere Entwicklung.

Bereits vor der aktuellen Entscheidung waren wichtige Hypothekenzinsen gestiegen. Nach Berechnungen der Bank of England könnten die durchschnittlichen jährlichen Hypothekenzahlungen bis Ende 2029 rund 1.500 Pfund höher liegen als vor Beginn des Nahostkonflikts. Dabei handelt es sich um eine Prognose auf Grundlage der aktuellen Finanzierungsbedingungen und nicht um eine unmittelbare Folge der Zinserhöhung vom Donnerstag.

Höhere Finanzierungskosten können insbesondere Haushalte treffen, deren Zinsbindung ausläuft oder die eine Immobilie kaufen möchten. Gleichzeitig schwächen steigende Energiekosten die Kaufkraft. Für Sparer können höhere Zinsen dagegen grundsätzlich attraktivere Anlagekonditionen ermöglichen, sofern Banken die Veränderungen weitergeben.

Auch deutsche Unternehmen könnten die Folgen spüren

Für die deutsche Wirtschaft wirkt sich die Entscheidung der Bank of England vor allem indirekt aus. Großbritannien ist ein wichtiger Absatzmarkt für deutsche Unternehmen. Steigende Finanzierungskosten und eine schwächere Kaufkraft britischer Haushalte können die Nachfrage nach importierten Waren beeinträchtigen.

Besonders relevant ist dabei die weitere Entwicklung des britischen Pfunds. Eine Aufwertung gegenüber dem Euro könnte deutsche Waren für britische Käufer günstiger machen. Eine schwächere britische Konjunktur würde dagegen die Absatzmöglichkeiten deutscher Exporteure belasten.

Auch international steigende Kapitalmarktzinsen und Energiepreise können die Finanzierungsbedingungen deutscher Unternehmen beeinflussen. Die britische Zinserhöhung verändert jedoch nicht unmittelbar die Kreditkonditionen im Euroraum, für dessen Geldpolitik die Europäische Zentralbank verantwortlich ist.

Weitere Zinserhöhungen bleiben möglich

Ob die Bank of England ihre Geldpolitik im Dezember erneut verschärft, ist offen. Notenbankchef Andrew Bailey hält einen weiteren Zinsschritt für begründbar, falls sich die Inflationsrisiken nicht abschwächen.

Innerhalb des geldpolitischen Ausschusses bestehen allerdings unterschiedliche Einschätzungen zur weiteren Entwicklung. Während mehrere Mitglieder zusätzliche Zinserhöhungen für wahrscheinlich halten, betonen andere die Risiken einer schwächeren Wirtschaft.

Entscheidend werden insbesondere die Entwicklung der Energiepreise, die kommenden Inflationsdaten und mögliche Auswirkungen auf die britische Lohnentwicklung sein.

Die nächste reguläre Zinsentscheidung der Bank of England ist für den 17. Dezember 2026 vorgesehen. Bis dahin steht die britische Zentralbank vor der Aufgabe, die steigende Inflation einzudämmen, ohne die wirtschaftliche Entwicklung stärker als erforderlich zu bremsen.

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