
Ein Streit mit einem Zulieferer hat die Fertigung des Frachtflugzeugs Boeing 777F seit fast zwei Monaten zum Stillstand gebracht. Auch beim Modell 767 gibt es Produktionsprobleme. Obwohl sich der US-Flugzeugbauer und der Zulieferer Vaero bereits Ende September geeinigt haben, wurde der Bau der 777-Frachter nach Angaben mehrerer Boeing-Beschäftigter bislang nicht wieder aufgenommen.
Der Boeing 777F Produktionsstopp geht auf fehlende Bauteile für die Tragflächen zurück. Wie Reuters am Freitag, 23. Oktober 2026, unter Berufung auf Gerichtsunterlagen und drei mit den Vorgängen vertraute Beschäftigte berichtete, sind die Auswirkungen vor allem im Boeing-Werk Everett im US-Bundesstaat Washington zu spüren.
Im Mittelpunkt steht der Zulieferer Vaero aus Florida. Boeing hatte im August Klage eingereicht und dem Unternehmen vorgeworfen, die Lieferung bestimmter Bauteile für die hinteren Bereiche der Tragflächen eingestellt zu haben. Dabei handelt es sich um sogenannte Trailing-Edge-Rib-Kits, die bei der Montage der Flugzeugflügel benötigt werden.
Nach Darstellung von Boeing in der Klageschrift war Vaero der einzige Lieferant dieser Komponenten. Der Hersteller bezifferte die finanziellen Auswirkungen der Unterbrechung damals auf bis zu 6,5 Millionen US-Dollar täglich. Dabei handelt es sich um eine Angabe aus dem Gerichtsverfahren, nicht um einen unabhängig bestätigten tatsächlichen Tagesverlust.
Obwohl die beteiligten Unternehmen den Rechtsstreit Ende September beilegten, konnte die Produktion des Boeing 777F nach Angaben der Beschäftigten zunächst nicht wieder anlaufen. Boeing lehnte gegenüber Reuters eine Stellungnahme ab. Eine Antwort von Vaero lag zunächst ebenfalls nicht vor.
Die Lieferprobleme beschränken sich nicht auf das Modell 777F. Auch die Fertigung der Boeing 767 ist beeinträchtigt. Dieser Flugzeugtyp wird unter anderem als Frachtmaschine und in einer militärischen Variante gebaut.
Betroffen ist damit auch das Programm KC-46 Pegasus, ein Tankflugzeug für die Luftbetankung anderer Maschinen. Beide Flugzeugprogramme benötigen die Bauteile des Zulieferers.
Für die Fertigung der Boeing 767 sollen nach der Einigung bereits wieder einzelne Komponenten eingetroffen sein. Ein vollständiger Produktionsstopp dieser Baureihe ist nicht bestätigt.
Boeing versucht nach Angaben zweier Beschäftigter inzwischen, die Herstellung der betroffenen Tragflächenbauteile selbst zu übernehmen. Dadurch könnte der Konzern seine Abhängigkeit von dem bisherigen Zulieferer reduzieren. Eine offizielle Bestätigung zu diesem Vorhaben lag zunächst nicht vor.
Der Mangel an Bauteilen hat bereits konkrete Folgen für den Produktionsablauf. Nach Angaben eines Boeing-Mitarbeiters mussten zwei teilweise montierte Frachtflugzeuge des Typs 777 die Endmontagelinie verlassen.
Eines dieser Flugzeuge war nach einer Auswertung von Daten des Luftfahrtberatungsunternehmens IBA durch Reuters für den Logistikkonzern FedEx vorgesehen. Ob sich daraus eine konkrete Lieferverzögerung ergibt, war zunächst nicht bekannt.
Bis Ende September hatte Boeing nach eigenen Unternehmensangaben im Jahr 2026 insgesamt 20 Flugzeuge der Baureihe 777 ausgeliefert. Nach den jüngsten von Reuters ausgewerteten Daten stieg die Zahl inzwischen auf 21 Frachter.
Einige weitere Maschinen könnten noch vor Jahresende an Kunden übergeben werden, da ihre Tragflächen bereits vor Beginn der Lieferprobleme montiert worden waren. Wie viele Flugzeuge durch den Produktionsstillstand tatsächlich verspätet ausgeliefert werden, ist bislang offen.
Der Streit betrifft die bisherige Generation der Boeing 777 und das Modell 767. Die neue Flugzeugfamilie Boeing 777X ist nach den vorliegenden Angaben nicht von dem Engpass betroffen, weil sie über eine andere Tragflächenkonstruktion aus Verbundwerkstoffen verfügt.
Die Bedeutung der bisherigen 777-Frachtversion bleibt dennoch groß. Erst Ende September hatte Boeing eine Bestellung von Ethiopian Airlines über zwei weitere 777-Frachter bekannt gegeben. Die Fluggesellschaft bestellte außerdem acht Frachtmaschinen des neuen Typs 777-8F.
Der aktuelle Produktionsausfall verdeutlicht die Abhängigkeit der internationalen Flugzeugindustrie von spezialisierten Zulieferbetrieben. Selbst nach der Beilegung eines Lieferstreits lässt sich eine unterbrochene Fertigung nicht zwangsläufig unmittelbar wieder hochfahren. Wann Boeing die Produktion der 777F vollständig wieder aufnehmen kann, blieb zunächst offen.
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