
Der Börsenstrompreis im Oktober 2026 hat in Deutschland den höchsten Monatsdurchschnitt seit Ende 2022 erreicht. Nach Daten des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE lag der durchschnittliche Day-Ahead-Preis bei 169,27 Euro je Megawattstunde. Im Oktober 2025 waren es noch 84,40 Euro. Damit hat sich der Großhandelspreis innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt, obwohl Windkraftanlagen ungewöhnlich große Strommengen erzeugten. Besonders hohe Gaspreise und Veränderungen am Strommarkt beeinflussen die Entwicklung.
Deutschland produzierte im Oktober erheblich mehr Windstrom als in vergleichbaren Monaten der vergangenen Jahre. Nach einer Auswertung der Nachrichtenagentur Bloomberg lag die Erzeugung rund zehn Prozent über dem Durchschnitt der zurückliegenden fünf Jahre. Am 23. Oktober erreichte die Windstromproduktion demnach einen Rekordwert. Dennoch blieben die Großhandelspreise auf einem ungewöhnlich hohen Niveau.
Der Grund liegt unter anderem in der zeitlichen Verteilung der Stromerzeugung. Windkraftanlagen liefern nicht ständig dieselbe Leistung. Bei schwachem Wind und gleichzeitig hoher Nachfrage müssen weiterhin andere Kraftwerke eingesetzt werden. Zudem nimmt die Solarstromproduktion im Herbst aufgrund der kürzeren Tage ab. Besonders in den Abendstunden können deshalb teurere konventionelle Kraftwerke benötigt werden.
Eine wichtige Ursache für die gestiegenen Börsenstrompreise sind die hohen europäischen Gaspreise. Gaskraftwerke müssen ihren Brennstoff zu deutlich höheren Kosten beschaffen. Werden diese Anlagen zur Deckung des Strombedarfs benötigt, können sie über das sogenannte Merit-Order-Prinzip den Großhandelspreis bestimmen. Dabei orientiert sich der einheitliche Marktpreis an den Kosten des teuersten noch benötigten Kraftwerks.
Der Zusammenhang zeigt sich auch außerhalb Deutschlands. In Großbritannien erzeugten Windkraftanlagen im Oktober ebenfalls überdurchschnittlich viel Strom. Trotzdem gingen dort die Stunden mit negativen Börsenpreisen deutlich zurück. Steigende Brennstoffkosten wirken sich damit auf mehrere europäische Strommärkte aus.
Auffällig ist außerdem der starke Rückgang negativer Strompreise. Nach einer Bloomberg-Auswertung fiel der deutsche Day-Ahead-Preis im Oktober nur rund zwei Stunden unter null. Im Vorjahresmonat waren es demnach noch 48 Stunden. Negative Preise entstehen insbesondere dann, wenn mehr Strom angeboten als nachgefragt wird und zusätzliche Erzeugung wirtschaftlich unattraktiv ist.
Neben den hohen Gaspreisen beeinflussen technische und regulatorische Veränderungen diese Entwicklung. Batteriespeicher, Pumpspeicherkraftwerke und flexible industrielle Verbraucher können zusätzliche Strommengen aufnehmen, wenn viel erneuerbare Energie verfügbar ist. Dadurch lässt sich ein Teil des zeitweisen Überangebots ausgleichen.
Hinzu kommen strengere Förderregeln für neue Windkraft- und Solaranlagen. Für viele Anlagen, die seit dem 25. Februar 2025 in Betrieb genommen wurden, entfällt der Vergütungsanspruch grundsätzlich bereits ab der ersten Viertelstunde mit negativem Börsenpreis. Für bestimmte kleinere Anlagen gelten Ausnahmen. Die Regelung erhöht den wirtschaftlichen Anreiz, die Einspeisung bei negativen Preisen zu reduzieren oder Strom zwischenzuspeichern. Wie stark die einzelnen Faktoren zum Rückgang negativer Preise beigetragen haben, lässt sich aus den Monatswerten allein nicht bestimmen.
Die Entwicklung am Großhandelsmarkt spiegelt sich teilweise auch in den Stromtarifen wider. Nach Angaben der Bundesnetzagentur stieg der modellierte Strompreis für Haushaltsneukunden im Oktober auf 40,87 Cent je Kilowattstunde. Im September hatte er noch bei 38,62 Cent gelegen. Für Bestandskunden veränderte sich der modellierte Preis dagegen nur geringfügig und lag im Oktober bei 35,8 Cent je Kilowattstunde. Auch dynamische Tarife wurden im Monatsvergleich teurer.
Ein höherer Börsenpreis führt allerdings nicht automatisch zu einer entsprechenden Verteuerung bestehender Stromverträge. Energieversorger beschaffen Strom teilweise langfristig und sichern sich gegen Preisschwankungen ab. Außerdem setzen sich Haushaltsstrompreise neben den Beschaffungskosten aus Netzentgelten, Steuern und weiteren Preisbestandteilen zusammen.
Für die kommenden Wintermonate wird insbesondere entscheidend sein, wie sich die Gaspreise entwickeln und wie viel Strom Windkraft- und Solaranlagen liefern. Bleiben die Großhandelspreise über längere Zeit hoch, kann das auch die Kalkulation neuer Stromtarife beeinflussen. Wie stark einzelne Haushalte betroffen sind, hängt vor allem von ihrem Vertrag und der Beschaffungsstrategie ihres Versorgers ab.
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