
Der Fahrradhersteller Ghost aus dem bayerischen Waldsassen stellt seinen bisherigen Geschäftsbetrieb nach einem Insolvenzverfahren ein. Für die zuletzt 53 Beschäftigten bedeutet die Entscheidung den Verlust ihrer bisherigen Arbeitsplätze. Die traditionsreiche Marke verschwindet allerdings nicht vom Markt: Die Bike Tree GmbH hat die Markenrechte übernommen und will Ghost künftig gemeinsam mit Haibike und Winora weiterführen.
Das Insolvenzverfahren der Ghost-Bikes GmbH wurde am 1. November 2026 in Eigenverwaltung eröffnet. Bereits am 5. August hatte das Unternehmen gemeinsam mit weiteren deutschen Gesellschaften der Accell Group einen entsprechenden Antrag beim Amtsgericht Schweinfurt gestellt. Trotz intensiver Verhandlungen mit potenziellen Investoren kam keine wirtschaftlich tragfähige Lösung für die Fortführung der bisherigen Gesellschaft zustande.
Die verbliebenen Fahrradbestände sollen deshalb gesammelt an einen Händler verkauft werden. Anschließend wird der Geschäftsbetrieb in Abstimmung mit den gesicherten Gläubigern geordnet eingestellt. Seit Anfang September hatte das Unternehmen vorhandene Fahrräder noch über den Fachhandel verkauft.
Die Verantwortlichen des Insolvenzverfahrens begründeten die Entscheidung mit den wirtschaftlichen Interessen der Gläubiger. Nach ihrer Einschätzung lag kein Angebot vor, das eine bessere finanzielle Verwertung ermöglicht hätte als der geplante Verkauf der Bestände.
Zum Zeitpunkt der Insolvenzeröffnung waren bei Ghost-Bikes noch 53 Menschen beschäftigt. Ihre bisherigen Arbeitsverhältnisse enden im Zuge der Abwicklung. Eine Übernahme der Belegschaft durch den neuen Markeninhaber wurde nicht angekündigt.
Für Waldsassen endet damit die Geschichte eines Unternehmens, das 1993 gegründet wurde und sich über Jahrzehnte zu einem international bekannten Anbieter von Mountainbikes und später auch E-Mountainbikes entwickelte. Die Fahrradproduktion war bereits vor der aktuellen Insolvenz aus Waldsassen ins Ausland verlagert worden.
Während die bisherige Gesellschaft abgewickelt wird, hat die Marke Ghost einen neuen Eigentümer gefunden. Die Bike Tree GmbH übernimmt den Markennamen und die damit verbundenen geistigen Eigentumsrechte. Das Unternehmen gehört zur Tri Star-Gruppe beziehungsweise DuTech mit Sitz in Singapur.
Bike Tree hatte bereits Ende Oktober wesentliche Vermögenswerte der ebenfalls insolventen Winora Staiger GmbH übernommen. Dazu gehören die Fahrradmarken Haibike und Winora. Mit Ghost kommt nun eine weitere bekannte deutsche Marke hinzu.
Der neue Eigentümer will Ghost weiterentwickeln und seine Marktposition stärken. Konkrete Angaben zur künftigen Modellpalette, zu Produktionsstandorten oder zur Organisation des Vertriebs wurden zunächst nicht gemacht. Auch die weitere Versorgung bestehender Kunden mit Ersatzteilen und die Abwicklung möglicher Herstellergarantien blieben offen.
Im Zusammenhang mit der Abwicklung gibt es unterschiedliche Angaben über eine mögliche Fortführung des bisherigen Unternehmens. Die Schweizer Netcycle AG erklärte Anfang November, gemeinsam mit einem Finanzpartner ein Konzept zur Übernahme von Ghost und Teilen des Fahrradzubehörunternehmens E. Wiener Bike Parts vorgelegt zu haben. Dieses habe auch die Beschäftigten und bestehende Geschäftsaktivitäten einbezogen.
Der für das Insolvenzverfahren tätige Generalbevollmächtigte Martin Mucha widersprach der Darstellung eines tragfähigen Übernahmeangebots. Nach seinen Angaben lag kein verbindliches Angebot von Netcycle vor. Das unverbindliche Konzept sei an Bedingungen geknüpft gewesen, die nicht erfüllt werden konnten. Ob eine Fortführung des Unternehmens auf dieser Grundlage tatsächlich möglich gewesen wäre, ließ sich zunächst nicht unabhängig bestätigen.
Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten von Ghost stehen im Zusammenhang mit der Krise des internationalen Fahrradkonzerns Accell Group. Die Unternehmensgruppe mit Sitz in den Niederlanden war 2022 mehrheitlich vom US-amerikanischen Finanzinvestor KKR übernommen worden. Ghost gehörte bereits seit 2008 zum Konzern.
Nach dem außergewöhnlichen Fahrradboom während der Coronapandemie ging die Nachfrage zurück. Gleichzeitig belasteten hohe Lagerbestände und sinkende Verkaufspreise zahlreiche Hersteller und Händler. Auch die Accell Group geriet unter erheblichen wirtschaftlichen Druck. Restrukturierungsmaßnahmen in den Jahren 2024 und 2025 brachten keine dauerhafte Stabilisierung.
In mehreren europäischen Ländern folgten Insolvenzverfahren und Verkäufe einzelner Unternehmensteile. Die Übernahme der Marken Ghost, Haibike und Winora ist Teil dieser Neuordnung.
Die Abwicklung von Ghost fällt in eine Phase, in der sich der deutsche Fahrradmarkt nach schwierigen Jahren langsam erholt. Nach Angaben des Branchenverbandes ZIV stieg der Absatz von Fahrrädern ohne Elektroantrieb im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um annähernd zehn Prozent. Bei E-Bikes lag das Absatzwachstum bei rund zwei Prozent.
Auch die zuvor hohen Lagerbestände wurden dem Verband zufolge größtenteils abgebaut. Die wirtschaftliche Erholung erreicht jedoch nicht alle Hersteller gleichermaßen. Für Ghost endet der bisherige Geschäftsbetrieb trotz dieser verbesserten Marktbedingungen. Unter dem neuen Eigentümer bleibt zumindest die Möglichkeit bestehen, dass künftig weitere Fahrräder unter dem bekannten Markennamen angeboten werden.
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