Aus für Bohai in Harzgerode: Werk schließt Anfang 2027

Ein multikulturelles Restaurant an der Wolbecker Straße in Münster schließt nach acht Jahren. Warum das Konzept endet – und wie es am Standort weitergeht.
Symbolbild: Evan Wise

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Das insolvente Werk von Bohai Automotive in Harzgerode in Sachsen-Anhalt steht vor der Schließung. Der Geschäftsbetrieb soll zum 31. Januar 2027 eingestellt werden. Rund 550 Beschäftigte sind von der Entscheidung betroffen. Insolvenzverwalter Olaf Spiekermann informierte die Belegschaft am Montag, 28. September, auf einer Betriebsversammlung. Bis zur Stilllegung soll die Produktion schrittweise zurückgefahren werden.

Damit endet die monatelange Suche nach einer dauerhaften Lösung für Bohai in Harzgerode. Noch im August hatte es konkrete Gespräche mit einem möglichen Investor sowie Bemühungen um zusätzliche Großaufträge gegeben. Eine wirtschaftlich tragfähige Fortführung kam letztlich nicht zustande.

Rund 550 Arbeitsplätze von der Schließung betroffen

Die angekündigte Stilllegung trifft nach aktuellen Angaben rund 550 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Für sie sollen nun Gespräche über die Folgen der Werksschließung beginnen. Der Insolvenzverwalter will mit dem Betriebsrat und der IG Metall über einen Interessenausgleich und einen Sozialplan verhandeln. Welche konkreten Regelungen dabei vereinbart werden können, war am Montag zunächst offen.

Bis zum vorgesehenen Ende des Geschäftsbetriebs Ende Januar soll die Produktion nicht abrupt gestoppt, sondern nach und nach reduziert werden. Damit können bestehende Aufträge noch abgearbeitet werden. Einzelheiten dazu, wie viele Beschäftigte in den einzelnen Phasen weiter eingesetzt werden, waren zunächst nicht bekannt.

Die Zahl der Mitarbeiter am Standort ist während des Insolvenzverfahrens bereits zurückgegangen. Beim Antrag auf Eröffnung der Insolvenzverfahren im April 2025 waren nach Angaben aus dem Verfahren noch 580 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Harzgerode beschäftigt. Zusammen mit dem damaligen Standort Sömmerda waren es 678 Beschäftigte.

Investorensuche brachte keine tragfähige Lösung

Die vier damaligen Bohai-Trimet-Gesellschaften hatten im Frühjahr 2025 Insolvenzverfahren beantragt. Das Amtsgericht Halle ordnete am 17. April 2025 die vorläufige Insolvenzverwaltung an. Für die Holding wurde das Insolvenzverfahren am 1. Juli 2025 eröffnet.

Während des Verfahrens lief die Produktion weiter. Bereits im Dezember 2025 hatte Insolvenzverwalter Spiekermann erklärt, dass die Geschäftsbetriebe mit Unterstützung der Auftraggeber fortgeführt würden und ein internationaler Verkaufsprozess laufe. Für Harzgerode und Sömmerda gab es damals jeweils Interessenten.

Im Frühjahr 2026 erhielt der Standort noch einmal zusätzliche Zeit. Der Betrieb in Harzgerode sollte zunächst für weitere sechs Monate fortgeführt werden. Damit sollte Raum für eine erneute Investorensuche, weitere Aufträge und eine Anpassung der Produktion geschaffen werden. Die IG Metall sprach seinerzeit ausdrücklich von einer zeitlich begrenzten Perspektive und forderte neue Produkte und zusätzliche Kunden.

Noch Ende August meldete der Insolvenzverwalter Fortschritte. Ein industrieller Interessent hatte demnach ein Angebot abgegeben. Zugleich liefen Verhandlungen mit einem möglichen weiteren Großkunden, weil die vorhandene Auslastung für einen wirtschaftlichen Betrieb nicht ausreichte.

Diese Bemühungen führten nicht zu einer dauerhaften Lösung. Nach Angaben des Insolvenzverwalters konnten trotz des Investorenprozesses und Gesprächen über zusätzliche Aufträge keine Bedingungen geschaffen werden, unter denen der Standort wirtschaftlich weitergeführt werden konnte.

Rückläufige Aufträge belasten die Produktion

Als wesentlichen Grund für die Entscheidung nennt Spiekermann rückläufige Auftragseingänge über mehrere Jahre. Besonders die Entwicklung beim wichtigen Kunden Volkswagen habe die Auslastung des Werks belastet. Wegen der geringeren Produktionsmenge verteilen sich die Fixkosten auf weniger Teile, wodurch die Fertigung wirtschaftlich schwieriger wird.

Bohai produziert in Harzgerode Aluminium-Gussteile und Komponenten für die Automobilindustrie. Das Unternehmen fertigte unter anderem Teile für Getriebe, Fahrwerke und Karosserien. Der Standort gehört seit Jahren zu einem international aufgestellten Zulieferverbund.

Die heutige Unternehmensstruktur geht auf die frühere Automotive-Sparte des Aluminiumherstellers Trimet zurück. Trimet hatte den Bereich 2018 gemeinsam mit Bohai Automotive Systems in ein Joint Venture überführt. 2022 verkaufte Trimet seinen verbliebenen Anteil von 25 Prozent an Bohai Automotive Systems. Das chinesische Unternehmen übernahm damit die Automotive-Sparte vollständig.

Der Bohai-Konzern in Deutschland gehört zu Bohai Automotive Systems, das wiederum Teil der chinesischen Beijing Automotive Group ist. Damit ist die Entwicklung in Harzgerode nicht nur eine regionale Werksschließung, sondern betrifft einen Standort innerhalb einer international organisierten Lieferkette der Autoindustrie.

Auch das Werk in Sömmerda wird aufgegeben

Harzgerode ist nicht der erste deutsche Bohai-Standort, für den im Insolvenzverfahren das Ende beschlossen wurde. Bereits Ende Juni war angekündigt worden, das Werk im thüringischen Sömmerda mit knapp 100 Beschäftigten zu schließen. Dort sollten die noch vorhandenen Aufträge spätestens bis November 2026 abgearbeitet werden.

Zu diesem Zeitpunkt konzentrierte sich die Investorensuche noch auf das deutlich größere Werk in Harzgerode. Der Standort galt als die verbliebene Chance für eine industrielle Fortführung des deutschen Bohai-Geschäfts. Noch im August wurde deshalb über einen möglichen Käufer und neue Auftraggeber verhandelt.

Mit der nun für den 31. Januar 2027 angekündigten Schließung ist auch diese Perspektive entfallen. Für die rund 550 Beschäftigten rücken damit die arbeitsrechtlichen und sozialen Folgen in den Mittelpunkt. Wie der Sozialplan ausgestaltet wird und welche konkreten Übergangsregelungen vereinbart werden, stand am Montag noch nicht fest.

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